Heute ist der 27.10.2026 und die Berliner Linke hat sich in den letzten Wochen so richtig ins Zeug gelegt. Nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September hat die Partei nicht nur die Wahl gewonnen, sondern auch ihren Mitgliederstand deutlich erhöht. Unglaubliche 560 neue Mitglieder haben sich seither den Reihen der Linken angeschlossen, während nur 155 ausgetreten sind. Aktuell zählt die Partei stolze 19.566 Mitglieder. Ein regelrechter Mitglieds-Boom, der von Landesgeschäftsführer Bjoern Tielebein als „Mitglieds-Booster“ bezeichnet wird. Es scheint, als hätten die Wahlen bei vielen Berlinern das Interesse an der politischen Mitgestaltung geweckt!

Ende Juni lag die Mitgliederzahl noch bei 17.843 – ein Zuwachs von 12,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist die Linke zur mitgliederstärksten Partei in Berlin avanciert und hat die Grünen, die zu diesem Zeitpunkt 17.513 Mitglieder zählten, hinter sich gelassen. Aber nicht nur die Mitgliederzahlen sprechen für die Linke. Bei der Wahl erzielte sie ein bemerkenswertes Ergebnis von 25,7 Prozent – das historische Beste, das die Partei je erreicht hat. Elif Eralp, die Spitzenkandidatin, führt die Partei zu diesem Triumph und könnte die erste Regierende Bürgermeisterin der Linken in Berlin werden.

Wohnen als zentrales Thema

Im Wahlkampf hat Eralp stark auf das Thema Wohnen gesetzt. Sie kündigte an, die Vergesellschaftung privater Wohnungsbaugesellschaften voranzutreiben – ein Unterfangen, das sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Bei den Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD, die bereits abgeschlossen sind, könnte dies ein heißes Thema werden.

Die CDU hingegen hat einen herben Rückschlag erlitten und kommt nur auf 18,8 Prozent, nachdem sie 2023 noch 28,2 Prozent erreicht hat. Ihre Spitzenkandidatin Stefan Evers hat bereits Gespräche mit anderen Parteien angekündigt. Der Wechsel des CDU-Spitzenkandidaten während des Wahlkampfs – von Kai Wegner zu Evers – wurde von vielen als notwendig erachtet, insbesondere nach der „Tennis-Affäre“ und dem Krisenmanagement nach dem Anschlag auf das Stromnetz. Der Bundeskanzler Friedrich Merz nannte das Ergebnis der CDU „ordentlich“, wies aber darauf hin, dass der bundespolitische Rückenwind gefehlt habe.

Die Reaktionen der anderen Parteien

Die SPD hat es besonders hart getroffen und erzielt mit nur 12,1 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Berlin. Spitzenkandidat Steffen Krach bezeichnete den Wahlabend als „katastrophal“. Die AfD konnte sich hingegen auf 16,3 Prozent steigern und wird jetzt Dritte. Kristin Brinker, ihre Spitzenkandidatin, hat bereits starke Forderungen zur Bildungspolitik angekündigt. Die Grünen landeten mit 14,3 Prozent auf Platz vier und signalisieren ein Bündnis mit Linken und SPD.
Die Grünen-Co-Landesvorsitzende Nina Stahr sieht darin ein Signal für eine rot-grün-rote Regierung. Doch auch hier gibt es Streitpunkte: Grünen-Bundesvorsitzender Felix Banaszak hat ein klares Bekenntnis der Linken gegen Antisemitismus gefordert, besonders vor dem Hintergrund der antisemitischen Vorfälle innerhalb der Partei.

Koalitionsoptionen und Herausforderungen

Rechnerisch sind mehrere Koalitionen möglich, aber keine der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien möchte mit der AfD zusammenarbeiten. Die politische Landschaft bleibt spannend: Eine von der Linken geführte rot-grün-rote Koalition mit den Grünen und der SPD scheint realistisch. Auf der anderen Seite könnte auch eine CDU-geführte „Kenia“-Koalition mit Grünen und SPD in Betracht gezogen werden. Allerdings könnte die Forderung der Linken nach Vergesellschaftung privater Wohnungsbaugesellschaften für die SPD ein Konfliktpunkt werden, der die Verhandlungen erschwert.

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie die politischen Kräfteverhältnisse in Berlin sich entwickeln. Die Linke hat den Schwung der Wahl genutzt und ist auf dem besten Weg, eine zentrale Rolle in der politischen Landschaft der Hauptstadt zu übernehmen.