In der Vincent-van-Gogh-Schule in Hohenschönhausen ist die Stimmung angespannt, aber auch etwas befreit. Ein Workshop, geleitet von Jacob Weizman, hat die 26 Schülerinnen einer 9. Klasse zum Nachdenken über ihre Smartphone-Nutzung angeregt. Alle bejahten, dass sie ihr Smartphone manchmal als überfordernd empfinden. „Ich wollte schon oft eine Nachricht schreiben, aber dann habe ich stundenlang auf Instagram rumgehangen“, erzählt eine Schülerin. Es wird klar: Der ständige digitale Druck ist real. Doch keiner der 15- bis 16-Jährigen ist bereit, auf sein Handy zu verzichten. Ein Smartphoneverbot, das seit dem vergangenen Schuljahr an der Schule gilt, soll hier Abhilfe schaffen.

Die Regeln sind klar: Handys bleiben auf dem Schulgelände aus, und bei Verstößen zieht die Schule die Geräte ein. Ein Schritt, der nicht nur die Schülerinnen, sondern auch die Lehrkräfte betrifft. Diese müssen ihr eigenes Nutzungsverhalten hinterfragen und sollen die ersten Minuten des Unterrichts nutzen, um über die Auswirkungen von Smartphones zu reflektieren. Ein mutiger Schritt, der auf ein mehrwöchiges Programm abzielt, das allen 750 Schülerinnen einen bewussteren Umgang mit Social Media vermitteln soll.

Ein Blick auf die Vor- und Nachteile

Die Vorteile von Smartphones sind für die Schülerinnen offensichtlich: Kontakt zu Freunden, Unterhaltung und jederzeitige Informationsbeschaffung. Aber die Nachteile sind nicht zu übersehen. „Es ist wie ein Wettbewerb, ständig online sein zu müssen“, sagt ein Schüler. Zu lange Nutzung, Druck und ein verlorenes Zeitgefühl sind häufige Probleme. Weizman hat in seinem Workshop auch auf die alarmierenden Zahlen hingewiesen: Jugendliche aktivieren ihr Smartphone im Durchschnitt 180-mal am Tag und verbringen bis zu sieben Stunden damit. Das entspricht einer Aktivierung alle fünf Minuten – kaum Zeit, um den Kopf freizubekommen.

Die Schülerinnen träumen von mehr Zeit für ihre Großeltern, für Malen, Sport oder einfach nur für reale Gespräche. Und nicht zu vergessen: Die Workshops fördern nicht nur die Reflexion über die eigene Nutzung, sondern auch den sozialen Austausch in den Pausen. Die Schülerinnen sitzen nun öfter in großen Gruppen zusammen, spielen Karten oder diskutieren, was vorher in vielen Fällen durch die Smartphones ersetzt wurde.

Positive Effekte eines Handyverbots

Spannend ist, dass eine Überblicksstudie der Universität Augsburg an anderer Stelle ähnliche positive Effekte eines Handyverbots festgestellt hat. Diese Studie hat fünf große Untersuchungen aus verschiedenen Ländern verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Verbote nicht nur das soziale Wohlbefinden der Schülerinnen steigern, sondern auch die Lernleistungen verbessern können – ganz im Sinne der Schule in Hohenschönhausen.

Ein sichtbares Smartphone auf dem Tisch kann die Konzentration erheblich stören. Cybermobbing ist ein weiteres Thema, das die Schulen beschäftigt. Ein Verbot soll insbesondere jüngeren Schülerinnen helfen, sicherer zu lernen und zu spielen. Dabei ist das Verbot alleine nicht ausreichend; es bedarf auch einer pädagogischen Begleitung. Die Schülerinnen müssen lernen, wie sie verantwortungsvoll mit ihren Geräten umgehen können. Medienkompetenz ist das Schlagwort, das hier oft fällt.

Und während in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Frankreich und Italien, bereits seit längerem Handyverbote existieren, diskutiert Deutschland darüber, insbesondere nach den Rückgängen in der PISA-Studie 2022. Es bleibt spannend, ob die Schulen in Berlin und darüber hinaus einen einheitlichen Kurs fahren werden. Die Herausforderungen sind vielfältig – von der praktischen Umsetzung bis hin zu den emotionalen Reaktionen der Eltern.

In der Vincent-van-Gogh-Schule zeigt sich jedoch bereits jetzt eine positive Entwicklung: Nach einer Umfrage unter 670 Schülerinnen sank die Bildschirmzeit um knapp 30 Prozent, und die Smartphone-Aktivierungen gingen um rund 40 Prozent zurück. Schüler*innen berichten von mehr Bewegung, besserem Schlaf und wertvolleren Momenten mit Familie und Freunden. Die Schule wünscht sich, diese Veränderungen langfristig zu verankern. Ein mutiger Schritt in die digitale Zukunft – ohne ständige Ablenkung, aber mit mehr Raum für persönliche Erlebnisse.