Am Spandauer Spreeufer, wo die Wellen sanft plätschern und sich die Sonnenstrahlen im Wasser spiegeln, wird seit einiger Zeit an einem ambitionierten Projekt namens „in.grid“ gearbeitet. Ursprünglich 2022 als „The Hub“ ins Leben gerufen, ist es mittlerweile umbenannt und soll ein milliardenschweres Innovationsquartier beherbergen. Doch was ist daraus geworden? Im Moment sieht es eher nach einem Stillstand aus. Wie ein Zug, der im Nirgendwo an einer Haltestelle hält, wartet der Gewerbecampus auf eine Wiederbelebung.
Das Areal erstreckt sich über rund sechs Hektar zwischen der Straße „Am Juliusturm“ und der Spree und hat das Potenzial, eine zentrale Drehscheibe für kreative Köpfe zu werden. Geplant sind Büros, Labore, Produktionsflächen und ein Rechenzentrum, das mit nachhaltigen Technologien ausgestattet werden soll. Das ganze Projekt hat ein Investitionsvolumen von bis zu 1,5 Milliarden Euro, mit einer geplanten Bruttogeschossfläche von über 200.000 Quadratmetern. Aber das Bezirksamt Spandau hat jüngst bestätigt, dass die Arbeiten im Moment ruhen. Irgendwie ist das frustrierend.
Der aktuelle Status und die Herausforderungen
Eigentlich sollten im Juli 2024 die Baugenehmigungen für den ersten Bauabschnitt erteilt werden, doch der Stillstand hat sich eingestellt, bevor die ersten Abrissarbeiten richtig beginnen konnten. Die Projektwebsite ist nicht mehr aktiv, und sowohl E2A als auch Kauri CAB halten sich über den aktuellen Stand bedeckt. Ein bisschen wie ein Zaubertrick – das Projekt zieht sich zurück, ohne eine Erklärung abzugeben. Die Frage bleibt: Ist das ursprüngliche Konzept noch zeitgemäß? Angesichts der hohen Bau- und Finanzierungskosten sowie der schwachen Nachfrage nach Büroflächen könnte eine grundlegende Überarbeitung notwendig sein.
Für die Planung wurde das Zürcher Architekturbüro E2A beauftragt, das mit seinen Entwürfen ein urbanes Mosaik schaffen wollte. Mehrere Baukörper, Grünflächen und öffentlich zugängliche Uferbereiche waren geplant, sogar ein Hochhaus mit etwa 65 Metern Höhe soll entstehen. Dabei sollte auch die Architektur eine entscheidende Rolle spielen. Aber wie sieht es jetzt aus?
Nachhaltigkeit und digitale Innovation
Ein Herzstück des Projekts sind die hochwertigen Außenarbeitsbereiche, die nicht nur Platz für kreative Ideen bieten, sondern auch die Natur in den Alltag integrieren. Tina Kroll, Co-Head Transactions bei INVESCO REAL ESTATE, hebt den Fokus auf Nachhaltigkeit hervor: Geringer CO2-Ausstoß, die klimafreundliche Nutzung der Abwärme des Rechenzentrums und die Schaffung von grünen Landschaften auf Dächern sollen das Umfeld beleben. In einer Zeit, in der das Wort „nachhaltig“ fast schon inflationär verwendet wird, könnte das „in.grid“-Projekt ein echtes Vorzeigeprojekt werden. Doch erst einmal muss es von der Stelle kommen.
Die Gebäude sollen in die industriehistorische Umgebung rund um den Juliusturm harmonisch eingefügt werden, und die großzügigen grünen Zwischenräume bieten nicht nur Platz für Erholung, sondern auch für Gemeinschaftserlebnisse. So könnte ein Arbeits- und Freizeitparadies entstehen, das die Verbindung von Natur und Wasser fördert. Aber – und das ist ein großes Aber – alles steht und fällt mit der Frage, ob die Investoren bereit sind, in dieser schwierigen Lage am Immobilienmarkt weiterzumachen.
Die Zukunft des Gewerbecampus „in.grid“ bleibt also ungewiss. Die Vision eines modernen, nachhaltigen Arbeitsortes ist ohne Zweifel beeindruckend, doch im Moment steht das Projekt still, und die Hoffnung auf eine baldige Wiederbelebung schwindet, während wir gespannt auf die nächsten Schritte warten.