Heute ist der 3. November 2026, und in Spandau ist die Stimmung angespannt. Rund vier Stunden lang standen die Bänder und Anlagen in elf Betrieben still. Ein starkes Zeichen der Solidarität und des Unmuts. Angeführt von Beschäftigten aus namhaften Unternehmen wie dem BMW Motorradwerk, Rhenus, BSH Hausgeräte und Osram versammelten sich die Menschen vor ihren Werkstoren, um dann gemeinsam zu einer zentralen Kundgebung vor der Siemens-Zentrale in der Nonnendammallee zu ziehen.

Der IG-Metall-Bezirksvertreter Constantin Borchelt brachte es auf den Punkt: Die Beschäftigten fordern Anerkennung für ihre Arbeit. Es geht nicht nur um Zahlen, es geht um Wertschätzung. Und das ist es, was die Arbeitnehmenden nicht mehr einfach hinnehmen wollen – dass andere über ihren Wert entscheiden. In einer Zeit, in der die Lebenshaltungskosten immer weiter steigen, ist es mehr als verständlich, dass die Forderungen nach fünf Prozent mehr Entgelt laut werden. Auch Markus Kapitzke, der Betriebsratsvorsitzende des BMW-Motorradwerks, kritisierte das letzte Angebot der Arbeitgeber als unzureichend. „Wir müssen unsere Familien versorgen“, sagt er, und das fordert seinen Preis.

Forderungen im Fokus

Die Forderungen sind klar formuliert: Fünf Prozent mehr Entgelt, eine Laufzeit von zwölf Monaten, die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine Stärkung der unteren Entgeltgruppen. Christine Grüneberg, Vertrauenskörperleiterin im Siemens-Energy-Schaltwerk, verwies auf die gestiegenen Kosten für Mieten, Strom und andere Lebenshaltungskosten. Es ist ein Aufruf an die Arbeitgeber, endlich zu handeln und die Bedürfnisse der Beschäftigten ernst zu nehmen.

Besonders die junge Generation wird nicht vergessen. Jan Lorang, Jugend- und Auszubildendenvertreter bei Siemens Energy, machte deutlich, dass das aktuelle Angebot keine Verbesserungen für Auszubildende vorsieht. „Faire Ausbildungsvergütungen und eine sichere Übernahme nach der Lehre sind unverzichtbar“, so Lorang. Da ist nichts hinzuzufügen. Die Zukunft der Branche hängt von den jungen Talenten ab.

Solidarität und Zusammenhalt

Predrag Savic, Betriebsratsvorsitzender bei Innomotics, rief zur Solidarität auf. In einer Stadt wie Berlin, die von Vielfalt geprägt ist, ist es wichtig, den Zusammenhalt zu betonen. „Wir lassen uns nicht spalten“, erklärte er, und das ist ein starkes Signal. Gerade für viele Beschäftigte mit Migrationsgeschichte ist die gemeinsame Stimme ein bedeutendes Zeichen. Zusammen für die Fünf-Prozent-Forderung – das ist der Weg, den sie gehen wollen.

Die IG Metall hat nicht nur in Spandau, sondern auch in anderen Teilen Deutschlands mobil gemacht. Im IG-Metall-Bezirk NRW haben sich bis jetzt über 16.320 Beschäftigte aus 235 Betrieben an Warnstreiks beteiligt. Die Kundgebungen in Städten wie Köln und Düsseldorf zeigen, dass die Unzufriedenheit weit über Spandau hinausgeht. Knut Giesler, der IG-Metall-Bezirksleiter, machte bei der Veranstaltung in Düsseldorf klar, dass die lange Wartezeit auf Entgeltzahlungen Konflikte hervorrufen werde. Es ist ein flammender Appell an die Arbeitgeber, endlich die richtigen Schritte zu gehen.

Während die Verhandlungen weitergehen und die Beschäftigten in Spandau und darüber hinaus für ihre Rechte kämpfen, bleibt abzuwarten, wie die Arbeitgeber reagieren werden. Eines ist jedoch sicher: Die Stimmen der Arbeiter werden nicht verstummen. Es ist an der Zeit, dass ihre Forderungen Gehör finden.