In einem kleinen Drama, das sich vor einem Monat in Spandau abspielte, wurden zwei Fuchswelpen aus einem Regenrohr befreit. Die Feuerwehr war zur Stelle und rettete die kleinen Geschöpfe, die in zwei Metern Tiefe festsaßen, und das mehrere Tage lang. Unterkühlt, unterernährt und ausgetrocknet – das war der Zustand der beiden, als sie endlich das Licht der Welt wieder erblickten. Die Temperaturen lagen Ende März unter dem Gefrierpunkt, was die Situation noch dramatischer machte.
Ein Monat nach ihrer Rettung sind die Welpen, ein Rüde und eine Fähe, nicht nur wieder gesund, sondern auch aktiv und voller Leben. Ihr neues Zuhause? Ein großzügiges Außengehege des Fuchshilfe-Vereins in Neukölln, das sich über stolze 100 Quadratmeter erstreckt. Dort werden sie gut betreut und haben die Möglichkeit, ihre Instinkte zu entwickeln, während sie sich auf die geplante Auswilderung im Spätsommer vorbereiten. Diese wird stattfinden, wenn sie älter und reifer sind. Vorher werden sie mit speziellen Futtermitteln wie Welpenmus und später mit Fleisch, vor allem Geflügel, gefüttert. Die Mutter der Welpen jedoch bleibt verschwunden und wurde nicht mehr gesichtet.
Ein neues Leben im Außengehege
Das Außengehege bietet den kleinen Füchsen nicht nur Platz zum Spielen, sondern auch die Gelegenheit, ihren natürlichen Jagdinstinkt und das Sozialverhalten zu entwickeln. Gleichzeitig lebt dort ein weiterer Jungfuchs namens „Charly“. Charly wurde von der Polizei nach einem Vorfall am Kottbusser Tor in die Fuchshilfe gebracht. In Berlin gibt es schätzungsweise rund 5000 Füchse, die sich erstaunlich gut an die städtische Umgebung angepasst haben.
Doch nicht alles ist friedlich: Im April gab es in Reinickendorf Unruhe unter Hundebesitzern, als ein Fuchs Hunde angriff. Solche Vorfälle schaffen ein gewisses Spannungsfeld zwischen Mensch und Tier. Die Fuchshilfe rät daher, beim Auffinden von Fuchswelpen nicht selbst einzugreifen, sondern die Experten zu kontaktieren und Informationen sowie Fotos zu senden. Das ist wichtig, denn die kleinen Füchse brauchen Schutz und die richtige Betreuung.
Die Fuchspopulation in Deutschland
Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist in Deutschland weit verbreitet, sowohl in ländlichen als auch in urbanen Gebieten. Doch es gibt keine verlässlichen Gesamtzahlen zur Fuchspopulation, da flächendeckende, wissenschaftlich erfassbare Bestandsdaten fehlen. Laut der Deutschen Wildtier Stiftung sind nur regionale Erhebungen möglich, was die Schätzungen erschwert. In der Jagdsaison 2022/23 wurden über 400.000 Füchse in Deutschland erlegt – eine Zahl, die auf eine große Population hindeutet, aber nicht die Gesamtzahl widerspiegelt.
Interestingly, die Fuchszahlen in Europa stiegen nach der erfolgreichen Tollwutimpfung in den 1980er Jahren, was zu einem Rückgang der Todesfälle führte. Die Anpassungsfähigkeit der Füchse an städtische Lebensräume ist bemerkenswert: In Städten wie Berlin und München sind sie häufig anzutreffen. Sie nutzen Nahrungsreste und finden Schutzräume, was ihnen hilft, sich in dichten Populationsgruppen zu organisieren. Dabei sind sie oft nachtaktiv, was die Erfassung ihrer Zahlen erschwert.
Die Herausforderungen, die die Fuchspopulation betreffen, sind vielfältig: intensive Jagd, die Suche nach Nahrungsquellen in Städten und Krankheiten wie die Tollwut. Trotz dieser Faktoren ist der Rotfuchs in Deutschland nicht gefährdet. Ihre Anpassungsfähigkeit und die stabilen regionalen Dichten zeigen, dass sie weiterhin einen festen Platz in unserer Umwelt haben.