Am 6. Juni 2023 fand in der Akademie der Künste in Berlin die feierliche Verleihung des renommierten Anna-Seghers-Preises statt. In diesem Jahr wurden die Auszeichnungen an die talentierten Autorinnen Daniela Catrileo aus Chile und Sonja M. Schultz aus Deutschland verliehen. Beide Preisträgerinnen erhalten ein Preisgeld von jeweils 12.500 Euro, was ihren herausragenden literarischen Beitrag zu würdigen versucht. Die Preisverleihung wechselt jährlich zwischen Mainz und Berlin und hat sich zum Ziel gesetzt, eine Brücke zwischen den literarischen Welten des deutschen Sprachraums und Lateinamerikas zu schlagen und für eine gerechtere Welt einzutreten.

Die chilenische Autorin Daniela Catrileo, geboren 1987, ist zweisprachig aufgewachsen und thematisiert in ihren Werken die rassistisch und sexistisch motivierte Gewalt, die viele Menschen erfahren. Sie bedient sich dabei nicht nur verschiedener literarischer Mittel, sondern integriert auch mündliche Ausdrucksformen der Mapuche-Kultur sowie Elemente aus Musik, bildender Kunst und Performance. Ihre vielfältigen Ansätze spiegeln die Komplexität und die Herausforderungen wider, mit denen ihre Charaktere konfrontiert sind.

Einblicke in die Werke der Preisträgerinnen

Sonja M. Schultz, geboren 1975 im Umland von Hamburg und derzeit in Berlin ansässig, hat mit ihrem Debütroman „Hundesohn“, der 2019 veröffentlicht wurde, die Leserinnen und Leser in ihren Bann gezogen. Ihr zweiter Roman „Mauerpogo“, der 2025 erscheinen soll, behandelt das Leben junger Menschen in der DDR und deren Kampf um Selbstbehauptung gegen normative Wertesysteme. Schultz‘ Werke laden zur Reflexion über die gesellschaftlichen Strukturen ein, in denen ihre Figuren agieren.

Die Anna-Seghers-Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Autorinnen und Autoren aus dem deutschen Sprachraum und Lateinamerika zu fördern. Seit der ersten Verleihung im Jahr 1986, als Ingeborg Arlt aus Deutschland und Omar Saavedra Santis aus Chile ausgezeichnet wurden, hat der Preis eine Vielzahl bedeutender Schriftstellerinnen und Schriftsteller hervorgebracht. Die Liste der Preisträger ist lang und reicht von Kerstin Hensel bis hin zu jüngeren Talenten wie Bonn Park und Makenzy Orcel, die 2023 geehrt wurden. Der Preis ist somit ein wichtiger Impulsgeber für neue Stimmen in der Literatur.

Ein Blick in die Zukunft

Im kommenden Jahr, 2024, wird der Anna-Seghers-Preis an Johannes Herwig aus Deutschland und Carlos Fonseca Suárez aus Costa Rica vergeben, während für 2025 Marlen Hobrack und Enrique Winter bereits feststehen. Enrique Winter, geboren 1982, gilt als einer der herausragendsten spanischsprachigen Dichter seiner Generation. Sein Roman „Sobre nosotros callaremos“ thematisiert kulturelle Entwurzelung und die Liebesgeschichten seiner polnischen Großmutter, die vor dem Nationalsozialismus nach Lateinamerika floh. Marlen Hobrack, die 1986 in Bautzen geboren wurde, debütierte 2023 mit „Schrödingers Grrrl“ und behandelt in ihrem Sachbuch „Erbgut“ (2024) das Auflösen der Wohnung ihrer Mutter sowie ihr Verhältnis zu ihr, wobei sie das Thema Klassismus literarisch originell aufgreift.

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Die Verleihung des Anna-Seghers-Preises ist somit nicht nur eine Ehrung für individuelle Leistungen, sondern auch ein Statement für kulturelle Vielfalt und den Dialog zwischen verschiedenen literarischen Traditionen. In einer Zeit, in der die Welt mehr denn je nach Verständigung und Gerechtigkeit strebt, tragen die Preisträgerinnen und Preisträger dazu bei, die Stimmen derjenigen zu stärken, die oft im Schatten der großen Erzählungen stehen.