In Berlin wird Geschichte lebendig! Zwei bemerkenswerte archäologische Funde aus dem 11. Jahrhundert haben ihren Weg ins Neue Museum auf der Museumsinsel gefunden. Ein bronzener Radkreuz-Anhänger und seine Gussform, die beide eine spannende Verbindung zur frühen Christianisierung in einer überwiegend slawisch geprägten Region darstellen, wurden vereint. Diese faszinierenden Objekte geben nicht nur Einblick in das Handwerk dieser Zeit, sondern zeugen auch von den weiträumigen Kulturkontakten, die vor dem Slawenaufstand von 983 stattfanden.
Der Anhänger wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im westlichen Havelland entdeckt, während sie genehmigte Detektorbegehungen durchführte. Dieses besondere Stück, das in einem Ring sitzt und dadurch wie ein Rad aussieht, und die Gussform, die 1982 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefunden wurde, sind nun in einer Sondervitrine ausgestellt. Die Gussform gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder und ist Teil der Dauerausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte.
Einzigartige Funde und ihre Bedeutung
Die Gussform wurde zusammen mit Überresten einer frühen Holzkirche entdeckt und ist somit nicht nur ein technisches Artefakt, sondern auch ein Hinweis auf die religiöse Transformation der Region. Neben dem Radkreuz-Anhänger wurden bei den Ausgrabungen im Burgwall auch weitere Objekte aus dem 10. und 11. Jahrhundert gefunden, darunter Münzen, vergoldete Schmuckfragmente und eiserne Waffen. Diese Funde illustrieren die kulturellen und religiösen Strömungen, die zu jener Zeit in der Region vorherrschten.
Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, äußerte sich positiv über die Bedeutung dieser Entdeckungen. Die Übereinstimmung zwischen dem Kreuz und der Gussform wurde nach Restaurierung und Vermessung am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM) nachgewiesen. Ein passendes Gussstück war zuvor nicht gefunden worden, was diesen Fund besonders einzigartig macht.
Ein Blick zurück in die Geschichte
Im frühen Mittelalter war die Region durch Eroberungsfeldzüge in den Einflussbereich des ostfränkischen Reiches geraten. Die politischen Neuordnungen, die mit diesen Eroberungen einhergingen, brachten nicht nur neue Eliten, sondern auch den neuen Glauben mit sich. Während die slawischen Stämme die neue Religion mehrheitlich ablehnten und sich 983 im Lutizenaufstand gegen die ostfränkische Oberhoheit erhoben, zeigen Funde wie das Radkreuz, dass es bereits vorher Kontakte und kulturelle Einflüsse gegeben hatte.
Die Archäologie des Mittelalters hat in Deutschland, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, eine interessante Entwicklung durchgemacht. Während in Großbritannien und Skandinavien die Archäologie des Mittelalters früher begann, setzte die schriftliche Überlieferung in Deutschland später ein. Dies führte dazu, dass die Notwendigkeit archäologischer Erforschung weniger umstritten war. Die Funde im Neuen Museum sind somit nicht nur von lokalhistorischer Bedeutung, sondern tragen auch zur überregionalen Diskussion über die frühe Christianisierung in Europa bei.
Besuchen Sie das Neue Museum auf der Museumsinsel Berlin, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin, um diese einzigartigen Funde aus nächster Nähe zu erleben. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, einen Blick auf diese faszinierenden Zeitzeugen zu werfen!