Im Havelland, westlich von Berlin, wurde ein bemerkenswerter archäologischer Fund gemacht: Ein 1.000 Jahre altes Bronze-Kreuz, das von der ehrenamtlichen Denkmalpflegerin Juliane Rangnow entdeckt wurde. Dieser Fund ist nicht nur ein faszinierendes Relikt aus der Vergangenheit, sondern auch ein wichtiger Beleg für die frühe Christianisierung in Brandenburg. Das Kreuz stammt aus dem 10. oder 11. Jahrhundert und ist ein bedeutendes Zeugnis der kulturellen und religiösen Transformation in einer Region, die damals mehrheitlich von slawischen Stämmen besiedelt war.

Die passende Gussform, die für die Herstellung des Kreuzes verwendet wurde, wurde bereits 1983 in Berlin-Spandau gefunden. Diese Gussform gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder. Brandenburgs Kulturministerium hat die Entdeckung des Kreuzes offiziell mitgeteilt, was die Bedeutung dieses Fundes unterstreicht.

Einzigartiger Fund und historische Bedeutung

Das „Spandauer Kreuz“, wie es genannt wird, wurde im Rahmen einer Präsentation im Neuen Museum Berlin vorgestellt, an der auch Brandenburgs Kulturstaatssekretär Tobias Dünow sowie Landesarchäologe Prof. Dr. Franz Schopper und Dr. Bernhard Heeb, Kustos des Museums für Vor- und Frühgeschichte, teilnahmen. Die Gussform des Kreuzes wurde zusammen mit Überresten einer frühen Holzkirche auf einem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau entdeckt. Nach der Restaurierung und Vermessung konnte nachgewiesen werden, dass Kreuz und Gussform zusammengehören, was diesen Fund einzigartig macht, da bislang kein Abguss der Gussform gefunden wurde.

Ein weiteres interessantes Detail ist, dass die Region im frühen 10. Jahrhundert von nicht-christlichen slawischen Stämmen bewohnt war. Diese lehnten die neue Religion mehrheitlich ab und erkämpften sich im Jahr 983 ihre Unabhängigkeit im Lutizenaufstand. Eine nachhaltige Christianisierung fand erst im 12. und 13. Jahrhundert statt, was die Entdeckung des Kreuzes umso bedeutsamer macht.

Ehrenamtliches Engagement und archäologisches Erbe

Juliane Rangnow ist eine von rund 350 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern des BLDAM, die einen wichtigen Beitrag zur Erfassung und Erhaltung des archäologischen Erbes in Brandenburg leisten. Diese Bodendenkmalpfleger sind alle Absolventen eines Lehrgangs des BLDAM und leisten wertvolle Arbeit, um die über 40.000 archäologischen Fundplätze in Brandenburg zu dokumentieren, von denen etwa 11.000 als Bodendenkmale eingetragen sind.

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Die ältesten Bodendenkmale in Brandenburg sind Feuersteinwerkzeuge aus der Zeit des Neandertalers, die in der Nähe von Jänschwalde gefunden wurden. Ein weiteres bemerkenswertes Bodendenkmal ist ein Fluchttunnel unter den DDR-Grenzanlagen von 1961 in Glienicke-Nordbahn. Solche Funde zeigen, wie vielfältig und reichhaltig das archäologische Erbe der Region ist.

Der Fund des Bronze-Kreuzes ist nicht nur ein historisches Highlight, sondern auch ein eindrucksvolles Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen professionellen Archäologen und engagierten Ehrenamtlichen, die gemeinsam das kulturelle Erbe Brandenburgs bewahren und erforschen. Die Ausstellung von Gussform und Kreuz im Neuen Museum wird bis Ende Juli 2026 zu sehen sein und lädt dazu ein, die faszinierende Geschichte der frühen Christianisierung in Brandenburg zu entdecken.