Sidos Nachtshop schließt: Ein Verlust für die Berliner Späti-Kultur
Es gibt Neuigkeiten aus dem pulsierenden Herzen Berlins: Sido, der berühmte Rapper, schließt seinen Kiosk „Svenni’s Nachtshop“. Ja, genau, der Späti, den er 2021 während der Corona-Pandemie eröffnet hat! Ein Ort, der schnell zu einem kleinen Hotspot nahe dem Ostkreuz wurde. Im Podcast „Take Me Späti“ hat er nun angekündigt, dass der Laden im kommenden Monat dicht macht. Die Gründe sind, wie so oft in der Hauptstadt, alles andere als erfreulich.
Die Mieten sind in die Höhe geschossen – von anfangs 4000 Euro auf mittlerweile 6000 Euro. „Die Einnahmen aus dem Verkauf reichen einfach nicht mehr aus“, sagt Sido und trifft damit einen Nerv, der vielen Berliner Kioskbetreibern bekannt vorkommen dürfte. Sido eröffnete den Nachtshop gemeinsam mit Rapper Bozza und dem Kioskbetreiber Armin Bahari-Darakhshan. Eine Idee, die aus einem Freundeskreis heraus geboren wurde, denn ein Freund von Sido hatte bereits einen Späti. So entstand ein Ort, der mehr als nur ein Kiosk war – mit einer versteckten Lounge und einem kleinen Musikstudio, das für kreative Abende einlud.
Ein Stück Berliner Kultur geht verloren
„Svenni’s Nachtshop“ war nicht nur ein Ort für Bier, Zigaretten und Snacks aus den USA und Asien, sondern auch ein Treffpunkt für viele Menschen. Besucher kamen sogar aus anderen Städten, um die gemütliche Atmosphäre und die lange Öffnungszeit zu genießen. Und der Name? Nun, der entstand ganz lässig, weil sich die Betreiber gegenseitig „Svenni“ nannten. Einfach genial, oder?
Doch Sido ist nicht der einzige Berliner Rapper, der versucht hat, in der Späti-Welt Fuß zu fassen. MC Fitti hatte mit seinem „Superspäti“ an der Prenzlauer Allee ebenfalls ein ambitioniertes Projekt gestartet, das mittlerweile auch wieder geschlossen ist. Gleichzeitig gibt es noch andere Spätis, die aus der hippen Kulturecke der Stadt nicht wegzudenken sind. Lucky vom Rap-Kollektiv Teuterekordz betreibt „Lucky’s Spätkauf“ in der Danziger Straße und LockeNumma19 hat am Savignyplatz seinen Späti „Savigny World“. Ein echtes Phänomen, das die Berliner Nachtszene prägt.
Die Herausforderungen der Späti-Kultur
Doch die Späti-Kultur selbst steht unter Druck. Die Lebenshaltungskosten steigen, häufigere Kontrollen und Verkaufsverbote an Sonntagen setzen den Betreibern zu. Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins „Berliner Späti“ gibt es diese Art von Kiosken sonst nirgendwo in Europa. Die Zahl der Spätis hat sich seit 2019 von etwa 2000 auf nur noch 1000 bis 1200 reduziert. Ein besorgniserregender Trend, der zeigt, wie wichtig diese Orte für die Berliner Gesellschaft sind. Während der Lockdowns waren sie ein Rückzugsort, an dem man nicht nur einkaufen, sondern auch Kontakte knüpfen konnte.
In diesem Zusammenhang ist es nicht verwunderlich, dass viele Spätis auch zu Partyorten geworden sind. Der „Anzen“-Späti in Neukölln hat sogar Rave-Abende im Programm! Das ist einfach eine andere Form von Gemeinschaft, die hier entsteht. Günstige Getränke, keine Türsteher und ein lockerer Dresscode – das zieht die Leute an. Man trifft sich, quatscht, lacht, einfach ganz normal. Aber was passiert, wenn die Mieten weiter steigen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich nicht verbessern? Das bleibt abzuwarten.
Für Sido heißt es nun: keine neuen Pläne für einen Späti an einem anderen Standort. „Nö, nicht geplant“, sagt er. Und so schließt sich ein weiteres Kapitel in der bunten Späti-Geschichte Berlins. Die Stadt wird ihn vermissen – und mit ihm einen Teil ihrer einzigartigen Kultur.
