Die letzten Tage waren in Berlin alles andere als ruhig. Eine Welle von Protesten, angeführt von der Initiative „Gen Z regelt“, hat die Stadt erfasst. Am Brandenburger Tor versammelten sich am Nachmittag rund 5.000 Menschen, um für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Am Abend brodelte die Stimmung dann allerdings über. Der Protestzug „Gen Z hat genug!“ startete mit etwa 700 Teilnehmenden am Rosenthaler Platz und wuchs bald auf geschätzte 3.500 an. Zunächst schien alles friedlich zu verlaufen, doch in den Nebenstraßen kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei. Steinwürfe, Pyrotechnik, Sachbeschädigungen – die laut Polizei „nahezu störungsfreien“ Proteste nahmen eine Wendung, die viele nicht erwartet hatten.

Eine ernüchternde Bilanz: 1.500 Polizisten waren im Einsatz, 27 Beamte wurden leicht verletzt, und 56 Personen fanden sich in Gewahrsam wieder. Die Polizei berichtete von zahlreichen Straftaten, darunter Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Der Veranstalter, dem das linke Spektrum zugeordnet wurde, hatte augenscheinlich nicht mit solchen Ausschreitungen gerechnet. Vor allem die große Anzahl dunkel gekleideter und vermummter Teilnehmer sorgte für eine angespannte Atmosphäre.

Proteste über die Grenzen Berlins hinaus

Doch nicht nur in Berlin brodelte es. Auch in anderen Städten wie Hamburg, Bremen und Stuttgart kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Hamburg zündeten vermummte Personen Pyrotechnik und setzten Baustellenabsperrungen in Brand. Die Polizei musste mit Wasserwerfern und unmittelbarem Zwang eingreifen. Ähnlich sah es in Bremen aus, wo Polizisten mit Flaschen beworfen wurden und ein Beamter verletzt wurde. Selbst in Stuttgart, wo die Proteste anfangs ruhig verliefen, brach das Chaos aus, als mehrere Verdächtige vorläufig festgenommen wurden. Die Zahlen sprechen für sich: In Stuttgart schätzten die Veranstalter die Teilnehmerzahl auf rund 12.000, während die Polizei von etwa 6.000 sprach.

Die Motive hinter diesen Protesten sind vielschichtig. Die Teilnehmer fordern mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen die steigenden Lebenshaltungskosten sowie eine gerechtere Klimapolitik. Die Wehrpflicht und eine Ausweitung staatlicher Überwachung lehnen sie vehement ab. Was bewegt die Menschen, auf die Straße zu gehen? Für viele, insbesondere die Jugendlichen, ist es das erste Mal, dass sie sich so direkt politisch engagieren. Die 17-jährige Marie Hacker aus Köln, die sich bereits bei Fridays for Future engagiert hat, äußert die drängenden Sorgen ihrer Altersgruppe über überfüllte Klassenräume und einen Mangel an Lehrern.

Ein Ausblick auf die nächste Mobilisierung

Die Initiative „Gen Z regelt“ plant bereits weitere Proteste für den 31. Oktober. In über 30 Städten sollen Demonstrationen stattfinden, und auch in weiteren rund 30 Städten sind assoziierte Veranstaltungen angekündigt. Auf der Website der Initiative haben sich bereits mehr als 160.000 Menschen angemeldet. Der Sprecher Amadeo betonte, dass die Initiative keinen Einfluss auf die gewalttätigen Vorfälle nach den offiziellen Kundgebungen gehabt habe und die Proteste trotz der Ausschreitungen als Erfolg wertet. Steve, ein weiterer Vertreter, erklärte, dass die Jugend ihr Versammlungsrecht nutzen wolle, bis ihre Stimmen gehört werden.

Die Forderungen der Jugendlichen sind nicht neu. Bildungsforscher weisen darauf hin, dass die Probleme im Bildungssystem seit Jahrzehnten bestehen und sich weiter verschärft haben. Laut einer IW-Studie entfielen im vergangenen Jahr 9,2 Prozent der Gesamtausgaben in Deutschland auf Bildung – im Vergleich zu 12,4 Prozent in den nordischen Ländern. Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen, dass die Leistungen der 15-Jährigen in Mathematik und Lesen gesunken sind. Diese Zahlen geben den Jugendlichen ein Gefühl, dass ihre Anliegen nicht ernst genommen werden und verstärken den Frust.
Die Vertreter von „Gen Z regelt“ distanzieren sich ausdrücklich von Gewalt und kündigen friedliche Proteste an. Doch die Sorgen vor möglichen Ausschreitungen bleiben, und in einigen Städten bereiten sich Geschäftsinhaber bereits auf das Schlimmste vor.