Heute ist der 28.05.2026, und wir befinden uns in Berlin-Reinickendorf, wo die Gedenkstättenarbeit in aller Munde ist. Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, hat in einem Gespräch mit dem RBB-Sender Inforadio alarmierende Tendenzen angesprochen, die ihm gewiss noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Es geht um die besorgniserregende Zunahme rechtsextremistischer Einstellungen unter den jüngeren Generationen – ein Thema, das uns alle betrifft. Drecoll hat deutlich gemacht, dass diese Entwicklungen in den Gedenkstätten nicht zu übersehen sind.

Erschreckend sind die Einträge im Gästebuch der Gedenkstätte Sachsenhausen, die Drecoll als „niederschmetternd“ beschrieben hat. Einige dieser Einträge zeigen einen positiven Bezug zu Hitler – ein Gedanke, der einem die Nackenhaare aufstellt. „Fassungslosigkeit“ war ein Gefühl, das Drecoll dabei durchströmte. Er schloss nicht aus, dass es sich auch um „dumme Provokationen“ handeln könnte, aber die rechtsextreme Gesinnung, die sich dahinter verbergen könnte, ist umso alarmierender. Viele Schüler scheinen kaum Kenntnisse über Konzentrationslager und den Nationalsozialismus zu haben, und der persönliche Bezug zu diesen düsteren Kapiteln unserer Geschichte fehlt oft gänzlich. Die Zeitspanne zwischen damals und heute wird immer größer und stellt neue Herausforderungen an die Gedenkstätten dar.

Die Rolle der Gedenkstätten

Drecoll betont, wie wichtig die Gedenkstätten als Orte der Reflexion und Auseinandersetzung sind. Hier können Menschen in die Biografien derjenigen eintauchen, die unter dem nationalsozialistischen Regime litten. Sie bieten einen Zugang zur Geschichte, der in der heutigen Zeit unverzichtbar ist. Doch um diese wertvollen Eindrücke auch zukünftig zu gewährleisten, fordert Drecoll dringend finanzielle Unterstützung von Bund und Land. Es ist eine Frage der Verantwortung, die wir gegenüber den Opfern und unserer eigenen Geschichte haben.

Ein Blick auf die Geschichte der Gedenkstätten zeigt, dass ihr Bildungsauftrag über das bloße Erinnern hinausgeht. Dr. Elke Gryglewski hebt hervor, dass die Prävention von rechtsextremen Tendenzen von Anfang an Teil der Gedenkstättenarbeit war. Ursprünglich von Überlebenden gegründet, um eine Mahnung auszusprechen, haben sich diese Orte weiterentwickelt. In den 1980er-Jahren wurde die Arbeit zunehmend zivilgesellschaftlich geprägt, mit einem klaren Bezug zur Gegenwart. Professionalisierung hat auch dazu geführt, dass die Standards der Gedenkstättenarbeit reflektiert werden. Best Practices erfordern oft mehr Zeit für die Auseinandersetzung, idealerweise sogar länger als einen Tag.

Digitale Wege, neue Medien und Herausforderungen

In der heutigen Zeit ist es wichtig, neue Medien wie TikTok und Instagram zu nutzen, um jüngere Zielgruppen zu erreichen. Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen: Der Verlust der Zeitzeugenschaft ist gravierend. Gedenkstätten müssen auf andere Zeugnisse zurückgreifen, um den Bezug zur Geschichte aufrechtzuerhalten. Es ist nicht nur notwendig, die Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern auch, die gegenwärtige Relevanz der Gedenkstättenarbeit deutlich zu machen. Angriffe auf Gedenkstätten, seien es Vandalismus oder Drohungen, sind in den letzten Jahren zugenommen. Das macht die Mitarbeiter:innen verunsichert, die nun intensiveren Kontakt zur Polizei suchen müssen.

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Die Gedenkstätten haben sich auch verpflichtet, rechtsextreme Gewalt nach 1945 zu thematisieren. Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig es ist, die Gesellschaft aufzuklären und wachsam zu bleiben. Denn das Gedächtnis ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch der Warnung. Es bleibt zu hoffen, dass die Gedenkstätten auch in Zukunft als Orte der Auseinandersetzung und des Lernens bestehen bleiben – für die kommenden Generationen und für eine Gesellschaft, die aus der Geschichte lernen will.