In Berlin gibt es einen neuen Wind, der nicht nur durch die Straßen weht, sondern auch durch die Gewässer der Spree. Der Verein Flussbad Berlin setzt sich mit aller Kraft für die Wiedererlaubnis des Badens in der Spree ein. Ab Mai 2023 sind monatliche Mitschwimm-Demos bis zur Abgeordnetenhauswahl im September geplant. Unter dem Motto „Am 20. ist Badetag“ findet die erste Demo im Spreekanal am 20. Mai 2023 statt – ein historisches Datum, das genau 101 Jahre nach Inkrafttreten des Badeverbots fällt. Dieses Verbot wurde 1922 aufgrund von Verschmutzung und Gesundheitsgefahren eingeführt, und seitdem hat sich viel getan. Tim Edler, einer der Mitgründer des Vereins, ist überzeugt, dass es keine fachliche Grundlage mehr für das Badeverbot gibt.

Obwohl die Umweltverwaltung eine Änderung des Verbots bisher abgelehnt hat, bleibt der Verein optimistisch. Geplant ist die Einrichtung einer Pilotbadestelle am Spreekanal in Berlin-Mitte, mit dem Ziel, weitere Badestellen in ganz Berlin zu schaffen. Eine Umbenennung des Vereins in „Fluss Baden Berlin“ steht ebenfalls auf der Agenda. Um die Wasserqualität zu überwachen, wurde ein Monitoringsystem weiterentwickelt, das die Daten über Smartphone oder Rechner abrufbar macht. Der Verein schätzt, dass die Wasserqualität zwischen Mai und Oktober an 80% der Tage gut genug ist, um im kühlen Nass zu schwimmen.

Ein Blick auf die Wasserqualität der Spree

Die Wasserqualität der Spree ist ein zentrales Thema in Berlin. In den letzten Jahren hat die Stadt verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität unternommen. Ein Beispiel dafür ist der Wannsee, der trotz der Zufuhr von verschmutztem Wasser aus dem Stadtgebiet als offizielles Badegewässer gilt. Hier liegen die Keimbelastungen unter den gesundheitlich bedenklichen Grenzwerten, was auf natürliche Abbauprozesse zurückzuführen ist, die die Keimbelastung zwischen Stadtgebiet und Wannsee reduzieren.

Die monatlichen Messdaten des Senats von 2005 bis 2021 an der Jannowitzbrücke zeigen, dass die Badewasserqualität in der Spree oft ausreichend ist. Dennoch könnten kurze Mischwassereinleitungen bei monatlichen Proben unentdeckt bleiben, was den Bedarf an besseren Überwachungskonzepten für die Wasserqualität unterstreicht. Das Forschungsprojekt von Flussbad Berlin e.V. und FLUSSHYGIENE trägt dazu bei, das Verständnis der Wasserqualität zu verbessern und hat sogar ein Prognosesystem zur Vorhersage von Verschmutzungsereignissen aus der Kanalisation entwickelt.

Ein Schritt in die Zukunft

Mit automatischen Messsystemen, die die Verschmutzungsdurchzüge überprüfen, ist der Verein auf dem besten Weg, den Berlinerinnen und Berlinern das Schwimmen in der Spree zurückzugeben. Der Abschlussbericht des Forschungsprojekts zeigt, dass die Wasserqualität der Spree besser ist als oft angenommen. An einer Expertenrunde, moderiert von Carsten Riechelmann von Flussbad Berlin e.V., nahmen Vertreter der Berliner Wasserbetriebe, des Kompetenzzentrums Wasser Berlin und der TU Berlin teil, um über die Wasserqualität und die notwendigen Verbesserungsmaßnahmen zu diskutieren.

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Die letzte Mitschwimm-Demo in diesem Jahr ist für den 20. September, dem Tag der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, angesetzt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird, aber eines ist sicher: Die Berlinerinnen und Berliner sind bereit, ihren Fluss zurückzuerobern und das Baden in der Spree wieder zu einem Teil des urbanen Lebens zu machen.