In der Gemäldegalerie Berlin ist gerade eine faszinierende Ausstellung am Laufen, die Kunstliebhaber und Neugierige gleichermaßen begeistert: „Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka“. Hier trifft man nicht nur auf Meisterwerke der Kunstgeschichte, sondern auch auf das bewegte Leben und die beeindruckenden Werke der Malerin Anna Dorothea Therbusch. Es ist wirklich etwas Besonderes, in die Welt einer Künstlerin einzutauchen, die im 18. Jahrhundert ihren eigenen Weg gegangen ist.

Therbusch, geboren am 23. Juli 1721 in Berlin, hat sich als Malerin und Atelierleiterin einen Namen gemacht – eine Seltenheit für Frauen ihrer Zeit. Ihre Karriere begann erst spät, im Alter von 40 Jahren, was ihr Selbstbildnis von 1782 (ihr letztes und unvollendetes) besonders eindrucksvoll macht. Kuratorin Sarah Salomon hebt hervor, warum dieses Werk als Meisterwerk gilt. Man sieht eine Frau im gehobenen Alter, die mit viel Lebenserfahrung und Talent auf die Leinwand blickt. Das Bild ist nicht nur ein Porträt; es erzählt Geschichten und vermittelt Emotionen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Anna Dorothea Therbusch war nicht allein. Die Ausstellung zeigt auch Werke weiterer bemerkenswerter Malerinnen des 18. Jahrhunderts, wie Angelika Kauffmann, die als Mitbegründerin der Londoner Akademie gilt, oder Elisabeth Vigée-Lebrun, die für ihre Familienporträts an europäischen Höfen bekannt war. Auch Anne Vallayer-Coster, die Stillleben schuf und wie Therbusch in Paris arbeitete, wird gewürdigt. Diese Künstlerinnen bringen frischen Wind in die Geschichtserzählung der Kunst und wecken das Interesse an den oft übersehenen Talenten der Vergangenheit.

Das Selbstbildnis von Therbusch steht im Mittelpunkt dieser Ausstellung und ist Teil eines größeren Narrativs, das die Herausforderungen und Erfolge von Frauen in der Kunst beleuchtet. Trotz der Erfolge, die Therbusch feierte, bleibt die Diskussion über die geringere Beachtung von Künstlerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen relevant. Eine Aktion des Aktionsbündnisses „fair share!“ am 23. Juli 2021 erinnerte an Therbuschs 300. Geburtstag und forderte eine umfassendere Würdigung ihres Lebenswerks.

Praktische Infos und ein kleiner Ausblick

Die Ausstellung in der Gemäldegalerie läuft bis zum 14. März 2027. Die Türen sind von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet, montags bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt kostet 16 Euro, ermäßigt 8 Euro – ein fairer Preis für so viel Kunsthistorie! Im Museumsshop gibt es übrigens nur den historischen Roman „Die Portraitmalerin“ von Cornelia Naumann, der sich mit Therbuschs Leben auseinandersetzt. Mehr Informationen oder ein Flyer zur Ausstellung fehlen leider.

Für Kunstinteressierte ist dies eine einmalige Gelegenheit, sich mit der Geschichte einer beeindruckenden Malerin auseinanderzusetzen und ihr Werk hautnah zu erleben. Therbusch, die Tochter des polnischen Porträtmalers Georg Lisiewski, war eine Pionierin auf ihrem Gebiet, und es wird Zeit, dass ihr Name und ihr Schaffen noch mehr ins öffentliche Gedächtnis rückt.

Wer sich nun fragt, was nach der Ausstellung kommt, kann sich auf die Entdeckung weiterer Werke von Therbusch freuen, die in verschiedenen Museen zu finden sind. Von den Neuen Kammern in Potsdam bis zur Alten Pinakothek in München – überall hat sie ihre Spuren hinterlassen. Vielleicht wird ihr Leben und Werk bald noch umfassender gewürdigt, denn ihre Geschichte ist es wert, erzählt zu werden.