In der pulsierenden Naunynstraße von Berlin-Kreuzberg, wo die Luft oft nach Freiheit und Gemeinschaft riecht, kam es am Sonntagabend zu einem unerwarteten Polizeieinsatz, der die queere Community in Aufruhr versetzte. Die Polizei stürmte das Casa Kuà, ein wichtiger Treffpunkt und Schutzraum für queere Menschen, insbesondere für trans Personen, und führte eine Durchsuchung durch, die auf den ersten Blick wie ein Schlag ins Gesicht der Gemeinschaft wirkte. Laut Berichten waren 38 Einsatzkräfte der Schutz- und Kriminalpolizei an diesem Einsatz beteiligt, der auf einen Antrag der Staatsanwaltschaft zurückging. Der Vorwurf? Ein möglicher Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, weil Hormontherapien zur Geschlechtsangleichung möglicherweise ohne ärztliche Aufsicht durchgeführt wurden.

Das Casa Kuà ist nicht nur ein Ort für Workshops und kreative Projekte, sondern auch ein Raum der Hoffnung und Selbstbestimmung. An diesem Abend fand der Workshop „The Dolls Workshop DIY & Cryptocurrency“ statt, wo vor allem trans Menschen zusammenkamen, um ihre Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen. Es ist kein Geheimnis, dass für viele in dieser Community Kryptowährungen als eine Art Zugang zu Hormonen dienen. Die Verknüpfung von Krypto und geschlechtlicher Selbstbestimmung wirft ein Licht auf die Herausforderungen, denen sich viele trans Personen gegenübersehen.

Ein Protest formiert sich

Nach der Durchsuchung versammelten sich rund 130 Menschen spontan zu einem Protest unter dem Motto „Hormone für alle“. Die Stimmung war angespannt, und wie nicht anders zu erwarten, kam es zu Reibereien zwischen den Teilnehmenden und den Einsatzkräften. Eine Person wurde vorübergehend in Gewahrsam genommen – ein Vorfall, der die bereits aufgeheizte Atmosphäre noch weiter anheizte. Suna, eine 24-jährige trans Frau, äußerte ihre Enttäuschung über den Polizeieinsatz und kritisierte ihn als einen klaren Angriff auf die Community. „Ich fühle mich vom Staat nicht geschützt, sondern unter Druck gesetzt“, sagte sie und verwies auf die angespannte gesellschaftliche Stimmung, die durch den islamistischen Anschlag auf den CSD im Sommer und die drohenden „rosa Listen“ von Innenminister Alexander Dobrindt zusätzlich belastet wird.

Die Unterstützung für die Trans-Community kam aus verschiedenen Ecken. Eine Abgeordnete der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus war vor Ort, um ihre Solidarität zu zeigen. Während sie der taz ein Statement geben wollte, riet ihr eine demonstrierende Person auf Spanisch davon ab, mit der Presse zu sprechen. „Die Stimmung ist sehr aufgeheizt“, bemerkte die Abgeordnete und spürte die Unsicherheit, die in der Luft lag. Es ist bemerkenswert, dass das Landeskriminalamt Berlin bei der Durchsuchung Beweismittel sicherte, während gleichzeitig die Stimmen der Protestierenden laut wurden.

Ein Blick auf die Situation

Inmitten all dieser Spannungen bleibt die Frage, wie sich die Situation für transgeschlechtliche, intergeschlechtliche, nicht-binäre und queere Menschen in Berlin entwickeln wird. Casa Kuà setzt sich für besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung ein und wird von vielen als Lichtblick in der Dunkelheit angesehen. Doch die Herausforderungen sind groß, und viele fühlen sich von den Institutionen, die sie schützen sollten, im Stich gelassen. Die Auseinandersetzung um Hormontherapien und deren Zugang ist nur ein Teil eines viel größeren Bildes, das von Vorurteilen und Missverständnissen geprägt ist.

Die Demonstranten planten, vom Casa Kuà zum Rio-Reiser-Platz zu ziehen, um dort spontan für ihre Rechte zu demonstrieren. Es bleibt zu hoffen, dass ihre Stimmen gehört werden und dass die gesellschaftliche Stimmung sich wandelt – hin zu mehr Verständnis und Akzeptanz für die Vielfalt, die unsere Gemeinschaften ausmacht.