In Berlin-Mitte gibt es immer wieder Neues zu entdecken – und das nicht nur in den hippen Cafés oder den schillernden Boutiquen. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren auch intensiv mit ihrer eigenen Geschichte auseinandergesetzt, insbesondere mit den Namen, die ihren Straßen ein Gesicht geben. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Mohrenstraße, die im vergangenen Sommer nach jahrelangen Diskussionen in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt wurde. Der alte Name wurde als rassistisch angesehen, und das ist nur der Anfang einer weitreichenden Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur in unserer Stadt.

Das Mitte Museum hat nun eine Ausstellung ins Leben gerufen, die sich genau mit diesen Themen beschäftigt. Unter dem Titel „umbenennen?! Berlins Straßennamen in Geschichte und Gegenwart“ wird untersucht, was uns die Namen über ihre Ursprünge und die Umbenennungen erzählen. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger hebt hervor, wie wichtig solche Diskussionen für unsere Gesellschaft sind. Straßenumbenennungen betreffen nicht nur die Erinnerungskultur, sondern auch den Alltag der Menschen. Es geht um Identität, um Zugehörigkeit und letztlich um Respekt.

Die Ausstellung im Mitte Museum

Die Sonderausstellung ist bis zum 27. September zu sehen und bietet einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Straßennamen in Berlin. In den letzten zehn Jahren kam es im Bezirk Berlin-Mitte zu 33 Umbenennungen, wobei koloniale Belastungen und nationalsozialistische Bezüge aus dem Straßenbild entfernt wurden. Ein kleiner Lichtblick dabei ist, dass der Anteil an Frauennamen gestiegen ist. Das ist ein Zeichen für Veränderung, für ein neues Bewusstsein in der Gesellschaft.

Die Umbenennung der Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße ist besonders bemerkenswert, weil sie den ersten bekannten schwarzen Philosophen und Juristen an deutschen Universitäten ehrt. Anton Wilhelm Amo, ein Gelehrter des 18. Jahrhunderts, stammte aus Westafrika und hat einen wichtigen Beitrag zur deutschen Aufklärung geleistet. Diese Umbenennung ist nicht nur ein Schritt in die richtige Richtung, sondern auch eine Gelegenheit, die Geschichte neu zu erzählen und Perspektiven zu verändern.

Ein Blick auf die gesellschaftliche Relevanz

Die Ausstellung ist Teil eines zweijährigen Projekts, das von zwölf Berliner Bezirks- und Regionalmuseen getragen wird und zum Ziel hat, die Bedeutung von Straßennamen zu beleuchten. Es ist ein faszinierendes Unterfangen, das uns alle betrifft. Wenn wir über Straßennamen nachdenken, denken wir auch über unsere Werte, unsere Geschichte und unser Zusammenleben nach. Was sagen diese Namen über uns aus? Und was wollen wir in Zukunft repräsentieren?

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Es ist nicht nur ein historisches, sondern ein gesellschaftliches Thema, das die Gemüter bewegt. Schließlich geht es um mehr als nur um Schilder an Straßenecken; es geht um die Fragen der Erinnerungspolitik und wie wir uns mit unserer Geschichte identifizieren. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet auf der Website des Euroethnologischen Instituts weitere Informationen:
https://www.euroethno.hu-berlin.de/de/das-institut/faq-zur-umbenennung/strassennamen-und-erinnerungspolitik.