Das Hotel Neptun in Rostock, ein wahres Wahrzeichen von Warnemünde, feiert im Juni sein 55-jähriges Bestehen. Ein halbes Jahrhundert voller Geschichten und Erinnerungen, die zwischen den Wänden dieses beeindruckenden Hauses verborgen liegen. Ursprünglich am 4. Juni 1971 eingeweiht, erblickte das Hotel im Herzen der DDR das Licht der Welt. Mit seiner goldglänzenden Dekoration, die von Künstler Joerg Waehner entworfen wurde, erstrahlt es nun in neuem Glanz – 55 Balkone in goldenem Gewand zeugen von der festlichen Atmosphäre, die die Feierlichkeiten umgibt.
Die Liste der Gäste ist beeindruckend. Namen wie Fidel Castro und Helmut Schmidt haben hier genächtigt. Über neun Millionen Besucher aus mehr als 120 Ländern haben das Hotel besucht. In den ersten zwei Jahrzehnten waren die Gäste vornehmlich staatstreue „verdiente Werktätige“ der DDR, die für einen Aufenthalt von einer Woche 300 DDR-Mark auf den Tisch legen mussten. Das Hotel war nicht nur eine Unterbringung, sondern auch ein Schnittpunkt der politischen und gesellschaftlichen Strömungen jener Zeit. Ein Ort, an dem die Stasi, mit rund 250 inoffiziellen Mitarbeitern, ein besonderes Interesse hegte. Komischerweise, oder vielleicht auch nicht, war die Broiler-Bar im Erdgeschoss stets ein beliebter Anlaufpunkt, wo knusprige Hähnchen serviert werden – ein Genuss, der die Gäste anlockte, egal aus welchem Lager sie stammten.
Ein Ort voller Geheimnisse
Das Neptun wurde im Volksmund auch als „Stasi-Hotel“ bezeichnet. Es war ein beliebtes Ziel für FDGB-Sommergäste und auch für West-Urlauber. Was das Hotel so besonders machte? Es galt als eine der luxuriösesten Herbergen in der DDR, ein Ort, an dem sich der Glanz und die Tristesse der Zeit auf bizarre Weise vermischten. Klaus Wenzel, der Direktor des Hotels von 1971 bis 2007, hatte enge Verbindungen zur Staatsführung und zur Stasi. Man könnte sagen, die politische Landschaft hatte lange Zeit keinen Einfluss auf die Führung des Hotels. Wenzel selbst beschrieb die Zusammenarbeit mit der Stasi als „normal“. Die Verflechtungen des Hotels mit dem internationalen Waffenhandel hingegen bleiben ein ungelöstes Rätsel.
Ein NDR-Film aus dem Jahr 2006 von Friederike Pohlmann hat einige Ungereimtheiten aufgedeckt, die die Geschichte des Hotels umso mysteriöser erscheinen lassen. Ehemalige Mitarbeiter sprechen von einem „Kartell des Schweigens“, wenn es um die Aufklärung der Stasi-Verbindungen geht. Man fragt sich: Was ist wirklich hinter den Kulissen geschehen? Trotz aller politischen Wirren und der Wende in den 90er Jahren blieb das Hotel zunächst unberührt von Veränderungen, bis 2017 ein russischer Investor die Zügel übernahm und die DSR Holding als Betreibergesellschaft übrigblieb.
Die Geschichte des Hotel Neptun ist mehr als nur die eines Luxushotels – sie ist ein Spiegelbild der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten fünf Jahrzehnte. Ein Ort, an dem die Vergangenheit noch immer spürbar ist, und der die Besucher einlädt, in die komplexe Geschichte einzutauchen, die hinter den goldenen Akzenten verborgen liegt.
