Am vergangenen Samstag versammelten sich rund 100 Anwohnerinnen und Anwohner in Berlin-Zehlendorf, um für mehr Verkehrssicherheit zu demonstrieren. Die Kundgebung erstreckte sich entlang der Sundgauer Straße und wurde von Kirsten Oggesen, der Sprecherin der Versammlung, geleitet. Die Teilnehmer forderten dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation, insbesondere in Anbetracht der häufigen Verkehrsunfälle im Stadtteil.
Ein besonders erschütternder Vorfall ereignete sich erst am Mittwochabend, als eine 28-Jährige und ihre dreijährige Tochter verletzt wurden, während sie bei Grün die Berliner Straße in Richtung Clayallee überquerten und von einem Autofahrer erfasst wurden. Oggesen plädierte für die Einführung von Tempo 30 als einfache, kostengünstige und effektive Lösung zur Erhöhung der Sicherheit auf den Straßen.
Forderungen für mehr Sicherheit
Ein weiterer Teilnehmer, Carlos, berichtete von Geschwindigkeitsübertretungen, die trotz bestehendem Tempo 30 vor einem nahegelegenen Kindergarten vorkommen. Auch Katrin, eine engagierte Mutter, setzt sich für die Verkehrssicherheit an der John-F.-Kennedy-School ein und fordert sichere Überwege. Vor drei Jahren wurde ein Kind vor der Schule schwer verletzt, nachdem ein Autofahrer einen unerlaubten U-Turn gemacht hatte. Die Anwohner hoffen auf die Einrichtung eines Kreisverkehrs an der Leo-Baeck-Straße, um solche gefährlichen Manöver zu verhindern.
Unter den Demonstranten war auch der Bezirksstadtrat Urban Aykal von den Grünen, der die Aufhebung von Tempo 30 in Steglitz-Zehlendorf durch den Senat scharf kritisierte. Ein Beispiel, das Aykal anführte, war die Albrechtstraße, wo die vorherige Regelung von Tempo 30 keine Beschwerden verursacht hatte, jedoch wieder aufgehoben wurde. Der Stadtrat erhielt zudem ein Schreiben von der Verkehrssenatsverwaltung, die plant, den Fahrradstreifen auf der B1 aufzuheben, der seit 2022 existiert und sowohl von Radfahrern als auch von Bussen genutzt wird.
Die Bedeutung von Tempo 30
Aykal warnt auch vor möglichen Baumfällungen im Zusammenhang mit der Aufhebung des Radfahrstreifens und lehnt die geplante Teilung des Gehwegs zwischen Radfahrern und Fußgängern ab. Er betont die Wichtigkeit des Radfahrstreifens für die Verkehrssicherheit. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) unterstützt diese Forderungen und setzt sich für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Deutschland ein. Laut ADFC hat Tempo 30 zahlreiche positive Auswirkungen: Es verbessert die Verkehrssicherheit, fördert ein besseres Miteinander im Straßenverkehr und macht Radfahren attraktiver, insbesondere für Menschen, die bisher nicht regelmäßig das Fahrrad nutzen.
Die Vorteile von Tempo 30 sind nicht zu unterschätzen: Es rettet Menschenleben, macht Straßen sicherer für Fußgänger und Radfahrer und erhöht die Wahrscheinlichkeit, rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Ein Pkw braucht im Durchschnitt 13,3 Meter zum Halten bei Tempo 30, während bei höheren Geschwindigkeiten die Gefahr gefährlicher Situationen steigt. Der ADFC ermutigt Kommunen, Tempo 30 dort anzuordnen, wo es möglich ist, und fordert auf Bundesebene, dass Tempo 30 innerorts zur Regelgeschwindigkeit wird, während höhere Geschwindigkeiten nur in begründeten Fällen für Hauptverkehrsstraßen erlaubt sein sollten.
Die Forderungen der Anwohner und die Unterstützung durch lokale Politiker und Organisationen verdeutlichen, dass der Wunsch nach mehr Sicherheit im Verkehr in Berlin-Zehlendorf dringlicher ist denn je. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen diese Anliegen ernst nehmen und die notwendigen Maßnahmen umsetzen, um das Leben und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu schützen.