In Pankow-Niederschönhausen, wo die Straßen noch von der Geschichte erzählen, wurde am vergangenen Freitag ein ganz besonderes Denkzeichen eingeweiht. Die Stele, die im Auftrag der bezirklichen Gedenktafelkommission errichtet wurde, ehrt die beiden Mediziner Ingeborg und Samuel Mitja Rapoport, deren Lebensweg nicht nur von bemerkenswerter Wissenschaft geprägt war, sondern auch von einer tiefen Menschlichkeit. Der neu benannte Rapoport-Park, der seit 2025 die einstige Grünanlage „Intelligenzberg“ ziert, wird nun zum Ort der Erinnerung an zwei herausragende Persönlichkeiten der Berliner Charité.

Ingeborg und Samuel Rapoport haben das Gesundheitswesen über Jahrzehnte mit ihrem Wirken an der Neugeborenenstation der Charité geprägt. Ihre Geschichten könnten spannender nicht sein – Ingeborg, geboren als Syllm im fernen Kamerun, wuchs in Hamburg auf und musste aufgrund nationalsozialistischer Rassengesetze ihre Doktorarbeit im Jahr 1938 zurücklassen. Ein Schicksal, das sie nicht aufhielt: Sie emigrierte in die USA, wo sie nicht nur erneut Medizin studierte, sondern auch Samuel Mitja Rapoport traf, den sie 1946 heiratete. Gemeinsam wurden sie zu Vorreitern in der Medizin und kämpften unermüdlich gegen soziale Ungerechtigkeiten.

Die Pionierarbeit der Rapoports

Samuel Mitja Rapoport, der 1948 für seine Forschungen zur Verbesserung der Blutkonservierung mit dem US-„Certificate of Merit“ ausgezeichnet wurde, war ein weiterer Lichtblick in der Welt der Biochemie. In der DDR, wo das Ehepaar schließlich eine neue Heimat fand, konnte er ohne politische Verfolgung wirken und leitete von 1952 bis 1978 das Institut für Physiologische Chemie der Humboldt-Universität. Deren Forschung trug nicht nur zur Verbesserung der medizinischen Versorgung bei, sondern verlängerte auch die Lagerfähigkeit von Vollblutkonserven auf drei Wochen – ein echter Fortschritt!

Ingeborg Rapoport habilitierte sich an der Charité und machte mit ihrem ersten europäischen Lehrstuhl für Neonatologie von 1969 bis 1973 auf sich aufmerksam. Ihre Arbeit war entscheidend für die Senkung der Säuglingssterblichkeit. Es ist bemerkenswert, dass sie im Alter von 102 Jahren nachträglich promovierte! Die Universität Hamburg erkannte schließlich ihre Dissertation an, die sie 1937 verfasst hatte, nachdem sie 77 Jahre zuvor als „jüdischer Mischling“ abgelehnt worden war. Ein wahrhaft triumphaler Moment, der zum Teil von einem Schreiben ihres Doktorvaters Rudolf Degkwitz begleitet wurde, der ihre Arbeit als „angenommen“ bezeichnete, sie aber aufgrund der damaligen Gesetze nicht zur Promotion zulassen konnte.

Ein Vermächtnis des Engagements

Das Leben der Rapoports war nie ein einfaches, aber sie nahmen es mit einem unermüdlichen Einsatz für die Medizin und die Gesellschaft. Sie engagierten sich gegen Atomwaffen und wurden in den USA während der McCarthy-Ära verfolgt, was letztlich zu ihrer Rückkehr nach Europa führte. In der DDR fanden sie ein neues Zuhause, wo sie als Ärzte und Forscher anerkannt wurden. Ihre Kinder, die ebenfalls in die Fußstapfen ihrer Eltern traten, erzählten bei der Enthüllung des Denkmals von den starken Werten, die ihnen vermittelt wurden. Tom Rapoport, ein Zellbiologe und Professor an der Harvard Medical School, bezeichnete seine Eltern als „beinahe unerreichbare Vorbilder“. Ein ehrliches Kompliment, das die große Bewunderung widerspiegelt, die sie in ihrer Familie genossen.

Die Feier zur Einweihung des Denkmals war von Emotionen geprägt. Ehemalige Schüler, Patienten, Freunde und Vertreter der Charité waren anwesend, um diesen außergewöhnlichen Menschen Tribut zu zollen. Die Rapoports lebten 65 Jahre in der Kuckhoffstraße 45, am heutigen Rapoport-Park. Das Haus, in dem sie wohnten, wurde später abgerissen, doch ihre Erinnerung wird durch den neu gestalteten Park und die Stele lebendig gehalten. Ingeborg wurde 2017 im Alter von 104 Jahren in Berlin beigesetzt, und ihr Erbe lebt weiter – als Inspiration für kommende Generationen.