Litfaßsäulen in Pankow: Gedenkstätten für die vergessenen Lebensgeschichten der NS-Opfer
In Berlin-Pankow, an der Danziger Straße und der Hermann-Hesse-Straße, stehen zwei Litfaßsäulen, die mehr sind als nur Werbeträger. Sie sind Gedenkstätten, die an Menschen erinnern, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Die Aktion mit dem Titel „Sie wollten leben“ legt den Fokus auf die Lebensgeschichten dieser Menschen und nicht nur auf die schockierenden Zahlen. Hier trifft man auf Porträts und Biografien, die das Schicksal von mindestens 55.000 Berlinern widerspiegeln, die dem Terror des Nationalsozialismus zum Opfer fielen.
Um das alltägliche Leben in Berlin nicht aus den Augen zu verlieren, wurden die Erinnerungen an Orten platziert, wo viele von uns täglich vorbeigehen. Jede der Pankower Säulen präsentiert drei Biografien. Und das ist erst der Anfang: Berlinweit sollen insgesamt 25 Säulen mit 100 Biografien aufgestellt werden. Eine dieser Geschichten gehört Hans Rosenthal, dem späteren Fernsehmoderator und „Dalli Dalli“-Showmaster. Als jüdischer Junge musste er um sein Überleben kämpfen, während sein jüngerer Bruder deportiert und ermordet wurde. Rosenthal war im Wedding geboren und wuchs im Prenzlauer Berg auf – eine ganz normale Kindheit, die brutale Wendungen nahm.
Ein bewegendes Gedenken
Der erste „Osttransport“ ab Bahnhof Grunewald am 18. Oktober 1941 markiert einen schrecklichen Wendepunkt. 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder wurden an diesem Tag aus Berlin in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Die Betroffenen mussten sich zuvor in der Synagoge Levetzowstraße, einem Sammellager, einfinden, und viele von ihnen liefen unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer zum Güterbahnhof. Das Bild, das sich hier abspielte, war fruchtbar für die Angst, die viele ergriffen hat – etwa 1.600 Menschen nahmen sich in dieser Zeit das Leben, aus Furcht vor dem, was kommen könnte.
Die Litfaßsäulen sind nicht nur ein Zeichen des Erinnerns, sondern auch der Hoffnung. Bis zum 16. November 2026 sind Gedenkveranstaltungen an diesen Orten geplant. Die Eröffnungsfeier fand in der Berliner Gedächtniskirche statt, und viele Institutionen sind als Kooperationspartner mit an Bord – darunter die Evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde und der Moabiter Verein Gleis 69 e. V. Diese Initiativen haben sich zusammengeschlossen, um die Stimmen der Vergessenen zu erwecken, und ihre Geschichten durch die Gestaltung von Grafiken und Veranstaltungen lebendig zu halten.
Ein lebendiges Projekt
Über die Beteiligten hinaus, die das Projekt ins Leben gerufen haben, gibt es auch Zeitzeugen wie die Auschwitzüberlebende Eva Umlauf und Michael Meisels, der als Baby deportiert wurde. Beide setzen sich für das Gedenken ein – ganz besonders, da sie zu den wenigen lebenden Zeitzeugen gehören. Umlauf hat sogar ein 3D-Hologramm von sich erstellen lassen, um nach ihrem Tod weiterhin Zeugnis abzulegen. Wie beeindruckend ist das? Ein lebendiges Erinnern über den Tod hinaus!
Ein weiteres Highlight des Projekts ist die grafische Gestaltung durch Michael de Maizière, die den Geschichten ein Gesicht gibt. Insgesamt wird das Projekt von verschiedenen Stiftungen und Institutionen unterstützt, darunter die LOTTO-Stiftung Berlin und die Inge-Deutschkron-Stiftung. Auch private Spender tragen dazu bei, dass diese wichtige Gedenkarbeit fortgeführt werden kann.
Ein Netz aus Erinnerungen
Das Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus ist nicht nur eine Aufgabe für die Gegenwart. Es ist eine Brücke zur Vergangenheit, die uns hilft, die Schrecken der Geschichte zu verstehen und zu verarbeiten. Die Stolpersteine in Berlin, die an die Lebensgeschichten der Verfolgten erinnern, sind ein weiterer Teil dieses Netzes. Sie suchen nach den Spuren der Verschollenen, der Ermordeten und der Überlebenden, um deren Geschichten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Das Stolpersteinprojekt beschäftigt sich intensiv mit der Recherche und dem Gedenken an die vom Nationalsozialismus Verfolgten. Es ist wichtig zu wissen, dass Angehörige über geplante Stolpersteine informiert werden, um ihr Einverständnis zu erhalten. Diese Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist essentiell, um die Erinnerung lebendig zu halten. Und in einer Stadt wie Berlin, die so viel Geschichte in sich trägt, ist das umso bedeutender.
Die Litfaßsäulen sind nur ein Teil eines größeren Gedenkens, das sich in vielen Facetten zeigt. Sie stehen dafür, dass wir die Geschichten der Verfolgten nicht vergessen und auch in Zukunft dafür sorgen, dass solche Gräueltaten nie wieder geschehen. Denn, wenn wir die Vergangenheit nicht im Gedächtnis behalten, laufen wir Gefahr, sie zu wiederholen.
