In einer ruhigen Ecke Berlins, mitten im lebhaften Pankow, befindet sich die Wohnanlage der Cajewitz-Stiftung. Hier leben ältere Menschen in selbstbestimmten Apartments und genießen die Freiheit, die das Leben in diesen Wänden mit sich bringt. Brigitte Sändig und Heidi Nandeko, zwei bemerkenswerte Frauen, die in dieser besonderen Gemeinschaft leben, haben ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Während sie in ihren 45-Quadratmeter-Apartments mit Balkon wohnen, haben sie sich in den letzten Jahren nicht nur mit ihrem neuen Lebensumfeld angefreundet, sondern auch mit den Herausforderungen und Freuden des Alters.

Die Anlage selbst hat einen büroartigen Charme, doch der Innenhof überrascht mit Bäumen, bunten Blumen und einem Restaurant, das ein beliebter Treffpunkt ist. Hier wird nicht nur gegessen, sondern auch gelebt. In den Fluren hängen moderne Kunstwerke, die die Wände zum Leben erwecken. Es gibt regelmäßige Kulturveranstaltungen, Sportangebote und Diskussionsrunden, die durch einen kleinen monatlichen Beitrag möglich gemacht werden. Brigitte und Heidi schätzen diese Angebote, auch wenn sie nicht die besten Freundinnen sind – sie kennen sich lediglich vom Sehen. Ihre unterschiedlichen Biografien, geprägt durch Ost- und Westdeutschland, haben sie zusammengeführt.

Die Biografien im Wandel der Zeit

Beide Frauen stammen aus Dresden, Nandeko wurde 1943 geboren und Sändig ein Jahr später. Ihre Kindheiten könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Nandeko in Westdeutschland aufwuchs, verbrachte Sändig ihre Jugend in der DDR. Ihre früheren Wohnungen waren ihnen zu groß und mit vielen Erinnerungen verbunden. Im Alter sind diese Erinnerungen manchmal eher Ballast als Bereicherung. „Ich frage mich eher, ob jemand sympathisch ist, als woher er kommt“, sagt Nandeko und Sändig nickt zustimmend. Die Zeit im Ruhestand hat ihre Prioritäten verschoben.

Die beiden Frauen haben ein gemeinsames Ziel: den Blick auf die Gegenwart zu richten. Sändig hat eine beeindruckende akademische Laufbahn hinter sich, von der Bibliotheksfacharbeiterin zur Professorin für Literaturgeschichte. Nandeko hingegen hat sich in ihrer zweiten Karriere als Religionslehrerin verwirklicht. Ihre Erlebnisse, Reisen und die Herausforderungen, die sie nach der Wende bewältigen mussten, haben sie geprägt. Sändig merkt an, dass viele Menschen in der DDR vor 1989 nur die positiven Seiten des Westens sahen, während Nandeko auf die Abwicklung ihres Mannes Fachbereichs an der Westberliner Universität der Künste hinweist.

Die Cajewitz-Stiftung und ihr Erbe

Die Cajewitz-Stiftung selbst hat eine bewegte Geschichte. Gegründet wurde sie durch Margarete Cajewitz, die nach ihrem Tod 1978 testamentarisch verfügte, dass ihr Vermögen älteren Menschen zugutekommen sollte. Diese Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Senioren ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Mit der Eröffnung von sechs Seniorenzentren in Berlin-Pankow hat sie einen Raum geschaffen, in dem ältere Menschen nicht nur wohnen, sondern auch aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

In der Cajewitz-Stiftung fließen die Erträge aus dem Immobiliengeschäft in Projekte, die das soziale und kulturelle Wohl älterer Menschen fördern. Hier sind es nicht nur die Wohnungen, die zählen, sondern auch die Gemeinschaft, die durch Nachbarschaftshilfen, gemeinschaftsorientierte Wohnformen und verschiedene Angebote für ältere Menschen entsteht. Die Stiftung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt und sorgt dafür, dass die Bewohner nicht nur bestehen, sondern auch leben können.

Gemeinschaft und neue Perspektiven

Das Leben in der Cajewitz-Stiftung zeigt, wie wichtig es ist, auch im Alter nicht allein zu sein. Nandeko und Sändig stehen als Beispiele für die Begegnung von Menschen, die trotz unterschiedlicher Lebenswege Gemeinsamkeiten gefunden haben. Der Austausch zwischen den Generationen und die gegenseitige Unterstützung in dieser Gemeinschaft sind entscheidend für ein erfülltes Leben im Alter. Und während sie gemeinsam darüber nachdenken, wie sie den Begriff „Insassen“ für die 160 Bewohner neu definieren können, wird klar: Hier wird nicht nur gewohnt, hier wird gelebt!