Die Friedensbibliothek in Berlin ist ein wahres Schatzkästchen der Geschichte – und das nicht nur, weil sie über 11.000 Bände umfasst, viele davon aus DDR-Zeiten. Wer in der Zeit vor der Wende ein Auge auf die Bücher warf, musste sich oft in lange Wartelisten eintragen, um überhaupt einen Blick auf die begehrten Titel zu erhaschen. Von der DDR-Staatssicherheit beobachtet, waren die Mitarbeiter gezwungen, in einem Klima des Misstrauens zu arbeiten. Ein Ort, der die Zeitgeschichte in seinen Regalen trägt, und das mitten in Prenzlauer Berg.

Seit 2000 residiert die Friedensbibliothek im Souterrain des Hauses der Demokratie und Menschenrechte in der Greifswalder Straße. Doch nun steht die Einrichtung vor einer Herausforderung: Sie sucht einen neuen Standort, um den älteren Büchern ein sicheres Zuhause zu bieten. Die Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße hat die geplante Verlagerung bereits mitgeteilt. Die Evangelische Kirche strebt an, die neue Bleibe innerhalb der Landeskirche zu finden, um konstante Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen zu gewährleisten. Denn die Erhaltung der wertvollen Sammlung ist nicht nur ein Anliegen, sondern auch eine Notwendigkeit.

Ein Platz für Frieden und Bildung

Die Sammlung selbst ist thematisch äußerst vielfältig. Von Geschichte und Politik über Erziehung und Psychologie bis hin zu Fotografie, Kunst und Kinderliteratur – die Friedensbibliothek deckt ein breites Spektrum ab. Ein besonderes Augenmerk gilt der Friedensbildung, einem Arbeitsfeld, das in der heutigen Zeit mehr denn je an Bedeutung gewinnt. Der Umzug soll, laut Hagen Collatz vom Landeskirchenarchiv, erfolgen, bevor zwei langjährige Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Die Suche läuft bereits, ist jedoch als langfristiges Projekt angelegt.

Die Friedensbibliothek wurde 1985 gegründet und gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Zusammen mit dem Antikriegsmuseum informiert sie über die Gefahren kriegerischer Auseinandersetzungen und zeigt Wege zu friedlichen Konfliktlösungen auf. Mit mehr als 300 Ausstellungen bis Ende 1989 und über 1,2 Millionen Besuchern hat die Bibliothek eine eindrucksvolle Geschichte. Auch nach der Wende ist die Nachfrage nicht abgerissen: Seit 1989 wurden 377 Ausstellungen in 13 Ländern organisiert – fast jedes Jahr gibt es eine neue Präsentation zu Krieg und Frieden.

Einblick in die Themenvielfalt

Die Ausstellungen sind nicht nur informativ, sondern auch tiefgründig. Sie behandeln Themen wie die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, das Warschauer Ghetto und die Armut des Westens – allesamt Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Diese kulturelle und historische Arbeit ist ein Ausdruck des christlichen Friedenszeugnisses und ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Diskurses.

Das Haus der Demokratie und Menschenrechte, in dem die Friedensbibliothek aktuell untergebracht ist, hat von Montag bis Freitag geöffnet, was es einfach macht, einen Blick in die Sammlung zu werfen. Wer mehr über die Einrichtung erfahren möchte, kann dies auch online tun: unter www.friedensbibliothek.de.

Die Suche nach einem neuen Standort ist ein spannendes Kapitel in der Geschichte der Friedensbibliothek. Auch wenn der neue Ort noch nicht feststeht, die Vorfreude auf die künftige Entwicklung der Sammlung bleibt bestehen. In einer Zeit, in der Frieden und Bildung mehr denn je gefragt sind, ist die Friedensbibliothek ein wichtiger Anker für alle, die sich für Geschichte und die Lehren der Vergangenheit interessieren. Ein Ort, der weiterhin Menschen zusammenbringt – vielleicht bald an einem neuen, inspirierenden Platz.