Graffiti in Berlin: Polizei jagt Sprayer und die BVG kämpft gegen hohe Reinigungskosten
In der Nacht zum 23. Oktober 2026 war es wieder einmal so weit: In Kreuzberg ging die Polizei auf Verfolgungsjagd – allerdings nicht wegen eines Verbrechens im klassischen Sinne, sondern wegen einer mutmaßlichen Graffiti-Aktion. Zwei BVG-Mitarbeiter hatten gegen 2:30 Uhr ein unliebsames Schauspiel zwischen den U-Bahnhöfen Kochstraße und Hallesches Tor beobachtet. Sechs Personen waren dabei, mehrere U-Bahn-Waggons mit bunten Sprühfarben zu „verschönern“ – ein Bild, das für viele Berichterstatter ein Grauen ist. Während der reguläre Zugverkehr eingestellt war und die Waggons auf einem Abstellgleis standen, blieb den Sprayern nur ein kurzer Moment. Als die Polizei eintraf, ergriffen die meisten von ihnen die Flucht. Zwei Männer, 27 und 41 Jahre alt, konnten jedoch festgenommen werden. Nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung wurden sie wieder freigelassen, während die restlichen Sprayer unerkannt entkommen konnten.
In der Nähe der besprühten Waggons stellte die Polizei mehrere Beweismittel sicher, darunter Sprühdosen. Die Ermittlungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung durch Graffiti sind bereits im Gange. Ein Vorfall, der nicht nur die Polizei auf den Plan rief, sondern auch die BVG und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in den Fokus rückt. Denn Graffiti-Schäden sind ein großes Thema in der Stadt. Laut den Antworten des Berliner Senats vom 14. Juni 2023 entstehen jährlich Schäden in Höhe von etwa 5 bis 6 Millionen Euro durch Vandalismus bei der DB AG, wobei die genaue Summe für Graffiti nicht gesondert ausgewiesen wird.
Graffiti und die Kosten der Reinigung
Die BVG allein hat in den letzten Jahren immense Summen für die Entfernung von Graffiti ausgegeben. Im Jahr 2020 beliefen sich die Kosten auf 0,5 Millionen Euro, 2021 waren es bereits 0,6 Millionen und 2022 wieder 0,5 Millionen Euro. Man fragt sich, ob diese Ausgaben wirklich eine Lösung sind oder ob es nicht sinnvoller wäre, präventive Maßnahmen zu ergreifen. Die Reinigungskosten an Bahnhöfen, Haltestellen und Gleisbetten sind ebenfalls beträchtlich: 2018 lagen sie bei 7,4 Millionen Euro und stiegen bis 2022 auf 12,0 Millionen Euro. Das sind Summen, die nicht einfach so in den Wind geschrieben werden können.
Interessanterweise zeigt eine Studie der Immovate Management GmbH aus August 2026, dass in Berlin allein zwischen Januar 2025 und Juni 2026 1.240 Einsätze zur Graffitientfernung stattfanden. Fast 2.000 Delikte wurden an Bahnanlagen registriert. Der Bezirksvergleich ist aufschlussreich: Friedrichshain-Kreuzberg hat mit 28 % den höchsten Anteil. Es ist ein Teufelskreis, denn eine Entfernung innerhalb von 48 Stunden kann die Wiederholungsgefahr um 75 % senken. Wartet man jedoch mehr als 14 Tage, kann die Wahrscheinlichkeit, erneut Opfer eines Graffiti-Angriffs zu werden, über 85 % steigen. Ein echter Albtraum für die Stadt!
Präventionsmaßnahmen und Herausforderungen
Die Berliner Verkehrsbetriebe haben bereits versucht, mit Graffitischutzbeschichtungen wie Dafasan gegen die Flut an Sprühaktionen vorzugehen. Doch die Erfahrung zeigt, dass diese Maßnahmen oft nicht dauerhaft sind. Irgendwie frustrierend, oder? Die DB AG hat die Verwendung von Dafasan-Produkten eingestellt und sucht nach Alternativen. Die Notwendigkeit, Bahnhöfe und Waggons zu schützen, wird immer drängender. Ein konkreter Zeitplan für die Erneuerung von Schutzbeschichtungen ist nicht in Sicht, was die Situation nicht gerade verbessert.
Die Stadt steht vor der Herausforderung, nicht nur die Schäden zu beseitigen, sondern auch präventiv tätig zu werden. Serviceverträge mit 24–48 Stunden Reaktionszeit könnten helfen, Schäden schnell zu beheben und die Wiederholungsrate zu reduzieren. Aber ob das alles ausreicht? Die Debatte über Graffiti, Kunst oder Vandalismus wird sicher weitergehen. Bis dahin bleibt nur, den Blick auf die bunten Waggons zu richten und zu hoffen, dass die Stadt die richtigen Maßnahmen ergreift.
