In Berlin-Weißensee wird gerade ein ganz besonderes Kunstwerk erschaffen, das unter die Haut geht. Die „Weinende Wand“ von Künstlerin Willie Tosca soll ein Mahnmal gegen Femizide und Gewalt an Frauen, trans-, inter-, nicht-binären und agender Personen darstellen. Diese Wand, die im Frauenzentrum Paula Panke entsteht, wird von einer Träne geprägt – ein Symbol für jedes einzelne Leben, das durch Gewalt verloren ging. Keramikerin Christiane Landbeck ist maßgeblich beteiligt, indem sie für jeden Femizid in Berlin eine Keramikträne anfertigt, die der Stadt übergeben wird. Eine bewegende Geste, die die Dringlichkeit und das Leid hinter diesen Taten sichtbar macht.

Es ist erschreckend, dass zwischen 2021 und 2025 in Berlin 70.071 Verfahren wegen häuslicher Gewalt registriert wurden. Frauen sind in über 70 Prozent der Fälle die Opfer. Die Zahlen für 2024 sind alarmierend: 66 Frauen wurden schwer verletzt, neun Frauen verloren ihr Leben. Das Netzwerk gegen Feminizide in Berlin und Tosca selbst fordern, dass jeder Femizid in der Stadt mit einem Tag der Trauer gewürdigt wird. Damit wollen sie erreichen, dass diese Taten nicht länger als private Einzelfälle betrachtet werden. Denn das Problem ist viel größer, als es oft wahrgenommen wird.

Eine Stimme für die Ungehörten

Tosca kritisiert scharf, dass es keine offiziellen Femizid-Zahlen gibt und dass die Bezeichnung „Beziehungstat“ oft die Verantwortung auf die Opfer verlagert. In ihren Augen sind die Täter überwiegend Männer und kommen aus allen sozialen Schichten. Das Netzwerk definiert Femizide als Morde aus patriarchalen Gründen, betroffen sind nicht nur Frauen, sondern auch Lesben sowie inter-, nicht-binäre und trans Personen. Die Mehrheit der Femizide geschieht in oder nach Beziehungen, und die Dunkelziffer ist laut der Dunkelfeldstudie LeSuBiA hoch. Nur weniger als fünf Prozent dieser schwerwiegenden Fälle werden angezeigt.

Das Paula Panke Zentrum, das seit 36 Jahren besteht, ist ein intersektional-feministischer Verein, der Zufluchtswohnungen für von Gewalt betroffene Personen anbietet. Hier finden Frauen und ihre Kinder nicht nur Unterkunft, sondern auch Sozialberatung und kulturelle Angebote. Es ist ein Ort, der Schutz und Hoffnung bietet, auch wenn die finanzielle Lage des Vereins prekär ist. Die Eröffnung der „Weinenden Wand“ ist für den 12. Dezember geplant, und die Stadt wird dann gemeinsam mit den Initiatoren trauern.

Ein Aufruf zur Veränderung

Die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG) ruft am 25. November zu einer Demonstration am Brandenburger Tor auf, unter dem Motto „Keine mehr!“. Es ist ein eindringlicher Appell, die Aufmerksamkeit auf die Gewalt zu lenken, die viele Frauen tagtäglich erleiden. Besonders junge Menschen und Frauen mit Migrationshintergrund sind oft stark betroffen – eine Tatsache, die nicht ignoriert werden kann. Die Dunkelfeldstudie, die im Februar 2026 vorgestellt wurde, zeigt auf, dass psychische Gewalt in Partnerschaften weit verbreitet ist. Fast die Hälfte der Frauen erlebte mindestens einmal im Leben psychische Gewalt, und die Zahlen für sexuelle Belästigung sind ebenso alarmierend.

Die „Weinende Wand“ ist mehr als nur ein Kunstwerk. Sie ist ein Symbol für die unzähligen Frauen, die zu oft übersehen werden, und ein Aufruf, die Augen zu öffnen und zu handeln. Die Künstlerin Willie Tosca und das Netzwerk gegen Feminizide setzen sich dafür ein, dass diese Themen nicht länger unter den Teppich gekehrt werden. Es wird Zeit, der Gewalt die Stirn zu bieten und eine Kultur des Respekts und der Sicherheit zu schaffen.