Angst im Kiez: Der Angriff auf Sebastian Höne und die alarmierende Realität queerer Gewalt in Berlin
Am 21. März wurde Sebastian Höne in Berlin Opfer eines erschütternden Angriffs. Drei Männer überfielen ihn, was zu schweren Verletzungen führte: eine gebrochene Nase, eine verletzte Nasenscheidewand und ein Teil des Wangenknochens war ebenfalls betroffen. Es war ein brutaler Übergriff, der, so Höne, eindeutig aufgrund seiner sexuellen Orientierung als schwuler Mann geschah. Die queere Community in Berlin zeigt sich tief betroffen von diesem Vorfall, der nicht nur Höne selbst, sondern auch viele andere in der Community in Angst versetzt.
Wie der Bericht des Anti-Gewalt-Projekts Maneo zeigt, gab es im vergangenen Jahr 723 Vorfälle von Gewalt gegen queere Menschen in Berlin. Das Dunkelfeld – also die Fälle, die nicht gemeldet werden – liegt bei alarmierenden 80 bis 90 Prozent. Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache. Bei einer Demonstration an der „Trixie Bar“ in Prenzlauer Berg, wo etwa 100 Menschen zusammenkamen, um Höne ihr Mitgefühl auszudrücken, wurde deutlich, dass viele in der Community ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die Bar-Managerin Rachel Dubler brachte es auf den Punkt: „Wir verdienen mehr als nur zu überleben.“
Ein besorgniserregender Trend
Die Vorfälle sind nicht isoliert. Maneo verzeichnete im vergangenen Jahr insgesamt 1014 neue Meldungen, einen neuen Höchststand. Die häufigsten Arten von Übergriffen sind Nötigungen und Bedrohungen, gefolgt von Beleidigungen und Körperverletzungen. Besonders alarmierend: Mehrere schwule Männer wurden im Volkspark Friedrichshain verfolgt, bedroht und angegriffen. Auch in einer Geflüchtetenunterkunft in Marzahn kam es zu einem Übergriff auf einen 17-jährigen schwulen Flüchtling. Diese Vorfälle zeigen, dass queerfeindliche Gewalt in vielen Facetten auftritt und in verschiedenen Lebensbereichen der Betroffenen stattfindet.
Klaus Lederer, der ehemalige Kultursenator, hat die Notwendigkeit einer Bildungspolitik betont, die geschlechtliche und sexuelle Diversität fördert. Er kritisierte auch die Entscheidung, queere Menschen aus dem Gewalthilfegesetz zu streichen. Diese politischen Entscheidungen haben direkte Auswirkungen auf die Sicherheit und das Wohlbefinden der queeren Community. Höne selbst hat die Situation am Tatort kritisiert – die Überwachungskameras waren aus Datenschutzgründen nicht in Betrieb, was die Identifizierung der Täter erschwerte. Es ist eine absurde Ironie, dass Datenschutz hier über Sicherheit geht.
Ein Aufruf zur Veränderung
Die emotionalen Wunden, die Höne davongetragen hat, sind auch acht Wochen nach dem Angriff noch nicht verheilt. „Es geht nicht nur um körperliche Sicherheit, sondern auch um die Freiheit, die wir als queere Menschen verdienen“, sagt er. Während die physischen Verletzungen heilen, bleibt die Unsicherheit, die viele queere Menschen tagtäglich erleben, bestehen. Maneo fordert dringend mehr Personal, um den hohen Beratungsbedarf zu bewältigen und um eine bessere Zusammenarbeit mit der Polizei zu ermöglichen.
Die queere Community ist in Bewegung. Angesichts dieser schrecklichen Vorfälle ist es umso wichtiger, dass alle zusammenstehen und sich für mehr Sicherheit und Anerkennung einsetzen. Der Maneo-Report wird jährlich vor dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie am 17. Mai veröffentlicht und bietet einen wertvollen Einblick in die Realität, mit der viele Menschen konfrontiert sind. Es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft endlich aufwacht und den Betroffenen Gehör schenkt.
