In Berlin steht der 1. Mai vor der Tür, ein Datum, das in der Hauptstadt stets für Aufregung sorgt. Die Beobachtungen der letzten Tage zeigen, dass der Ton in den Aufrufen aus der links-radikalen Szene rauer geworden ist. Dies beunruhigt viele, doch die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel betont, dass die Polizei auf Deeskalation setzen werde. Dies ist besonders bemerkenswert, da im Vorjahr der friedlichste 1. Mai seit 1987 in Berlin erlebt wurde. Die Polizei hat ein Konzept entwickelt, das sowohl deeskalierende Begleitung von Kundgebungen als auch konsequentes Eingreifen vorsieht, wo es nötig ist.
Slowik-Meisel äußert sich optimistisch und rechnet trotz der angespannten Grundstimmung nicht mit größeren Ausschreitungen am 1. Mai. Die Polizei wird versuchen, deeskalierend zu agieren und ist auf alle angemeldeten Kundgebungen und Aktionen vorbereitet. Sichtschutzzäune wurden bereits am Görlitzer Park (Görli) aufgestellt, und Versammlungen in diesem Bereich sind am 1. Mai per Allgemeinverfügung untersagt, um Störungen zu vermeiden.
Das Demonstrationsgeschehen
Am 1. Mai finden in Berlin mehrere große linke Demonstrationen statt. Die größte Veranstaltung, die unter dem Motto „Revolutionärer 1. Mai“ steht, ist für 18.00 Uhr geplant und wird vom Oranienplatz in Kreuzberg zur Sonnenallee in Neukölln und zurück zum Südstern in Kreuzberg führen. Hier werden bis zu 10.000 Demonstranten erwartet, was die bereits seit Jahrzehnten angespannte Stimmung weiter anheizt. Bilder von brennenden Barrikaden und vermummten Demonstranten prägen das Bild, das viele mit diesem Datum verbinden.
In der Vergangenheit gab es immer wieder große Krawalle, doch in diesem Jahr rechnen die Behörden nicht mit ähnlichen Ausschreitungen. Die Polizei wird mit über 5.000 Beamten im Einsatz sein, darunter auch Unterstützung aus anderen Bundesländern. Am Donnerstagabend vor dem Feiertag findet bereits die „queere-feministische“ Frauen-Demonstration „Take back the night“ in Kreuzberg statt, bei der mehrere Tausend Teilnehmerinnen erwartet werden. Auch die großen Gewerkschaften starten am 1. Mai um 11.30 Uhr am Strausberger Platz, mit einer Kundgebung, die um 12.00 Uhr vor dem Roten Rathaus beginnt.
Besondere Aktionen und Wetterprognosen
In Grunewald sind ab 13.00 Uhr junge Menschen gegen Kapitalismus und hohe Mieten aktiv, wobei sie mit satirischen Aktionen wie „Kontrollierte Sprengungen“ auf sich aufmerksam machen. Eine weitere große Demonstration wird als Technoparty im Görlitzer Park gegen die nächtliche Schließung des Parks stattfinden. Der Senat hat entschieden, den Görlitzer Park am Donnerstag- und Freitagabend offen zu lassen, um Konflikte zu vermeiden. Leider wurden geplante Ravepartys im Treptower Park aufgrund von Naturschutzbestimmungen verboten; jedoch sind Demonstrationen auf der benachbarten Puschkinallee erlaubt.
Die Wettervorhersage für den 1. Mai verspricht warmes und sonniges Wetter, was zu einem hohen Besucheraufkommen in Kreuzberg führen dürfte. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, sowohl bei den Behörden als auch bei den Demonstranten – ein spannungsgeladenes Zusammenspiel, das die Hauptstadt an diesem Feiertag einmal mehr prägen wird.