Heute ist der 30.04.2026, und die Berliner Polizei steht vor einem ihrer größten Einsätze des Jahres. Am Freitag, dem 1. Mai, werden rund 5.300 Polizisten im Einsatz sein, unterstützt von Kräften aus zehn Bundesländern und der Bundespolizei. Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel, die in diesem Amt ihren neunten 1. Mai erlebt, kündigte den umfassenden Einsatz an. Im Vorjahr waren es noch 5.800 Polizisten, doch die Polizei beobachtet einen Trend zu friedlicheren Demonstrationen und Feiern in Parks. Dennoch bleibt sie auf alles vorbereitet, insbesondere für die linken und linksextremen Demonstrationen, die am Abend in den Stadtteilen Kreuzberg und Neukölln stattfinden sollen.
In der Vorbereitungsphase wurden besondere Maßnahmen getroffen. Halteverbote wurden in engen Straßen von Neukölln erteilt, und entlang der Demonstrationsstrecke wurden Leuchtmasten sowie Glascontainer aufgestellt. Zudem sperrten E-Scooter-Verleihfirmen Gebiete rund um die kritische Demonstration auf Bitten der Polizei. Technische Mittel wie Drohnenabwehr, Hubschrauber, Boote, Wasserwerfer, Fahrradstaffeln, Spürhunde und Kommunikationsteams werden ebenfalls zum Einsatz kommen. Die Polizei plant, antisemitische Äußerungen zu unterbinden und Plakate zu beschlagnahmen, dabei jedoch verhältnismäßig vorzugehen. Sechs bekannte Mitglieder der propalästinensischen Szene erhielten eine Gefährderansprache, während im Vorjahr 32 Personen angesprochen wurden.
Vorbereitung auf mögliche Eskalationen
Die Töne aus der linksradikalen Szene werden kurz vor dem 1. Mai aggressiver. Ein Rap-Video mit dem Titel „Jeden Tag 1. Mai Eskalation“ ruft zur Teilnahme an den Demonstrationen auf und zeigt Bilder von brennenden Barrikaden sowie vermummten Demonstranten. Ein weiteres Video mit dem Titel „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“ greift das Thema auf und zeigt palästinensische Flaggen sowie Wasserwerfer der Polizei. Ein anarchistischer Block fordert, die Wut über die gesellschaftlichen Zustände Luft zu verschaffen. Die Polizei erwartet, dass „Zehntausende“ am Abend des 1. Mai in Berlin auf die Straße gehen.
Am Vorabend, dem 30. April, findet eine „queere-feministische“ Frauen-Demonstration unter dem Motto „Take back the night“ in Kreuzberg statt. Diese Veranstaltung betont den Widerstand gegen rassistische, queerfeindliche und frauenfeindliche Belästigungen. Zudem sind am 1. Mai tagsüber weitere linke Demonstrationen geplant, darunter eine Raveparty im Görlitzer Park gegen die nächtliche Schließung des Parks, eine Demonstration im Grunewald gegen den Kapitalismus sowie eine Veranstaltung im Treptower Park zur Erhaltung der Technoclubs.
Fokus auf Sicherheit und Präventivmaßnahmen
Die Polizei hat die Anzahl der Hundertschaften, die direkt bei den Demonstrationen eingesetzt werden, von 20 auf 8 reduziert, um Ressourcen besser zu verteilen. Der Personaleinsatz ist aufgrund anderer Aufgaben, wie dem Schutz vor Amokfahrten, gestiegen. Straßenzüge werden mit Zufahrtsschutz ausgestattet, um Amokfahrten zu verhindern. Am Vorabend des 1. Mai sind bereits 1.800 Polizisten und 200 Streifenwagen im Einsatz, um die Stadt auf die erwarteten Feierlichkeiten und Demonstrationen vorzubereiten.
Zusätzlich gibt es Warnungen vor einer möglicherweise geplanten Demonstration von Rechtsextremisten in Neukölln. Neonazi-Gruppen sollen eine Veranstaltung organisieren und kurzfristig anmelden, um den Widerstand zu erschweren. Die Polizei bleibt wachsam und ist auf alle Eventualitäten vorbereitet, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.