In den frühen Morgenstunden, während die Stadt noch im Schlaf versunken ist, beginnt für Wan die Schicht in einer Berliner Bäckerei. Der Duft von frischem Brot und Gebäck durchdringt die Luft, während sie mit geschickten Händen Teig bearbeitet und die Maschinen bedient. Nachtschichten sind für sie zwar anstrengend, aber die Herausforderungen und die Liebe zur Arbeit mit Teig halten sie wach und aktiv. Wan hat sich bewusst für das Bäckerhandwerk entschieden, um in Europa Fuß zu fassen. Ja, es gibt viele Bäckereien, aber ihre Entscheidung war mehr als nur eine berufliche Wahl; es war ein Schritt in eine neue Welt.

Die Bäckerei, in der sie arbeitet, ist ein Mikrokosmos der Vielfalt. Viele ihrer Kollegen sind Migranten, und sie ist nicht allein mit ihren Erfahrungen der sprachlichen Hürden und der Integration in einen neuen Arbeitsmarkt. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung haben viele ausländische Beschäftigte, trotz anerkanntem Abschluss, Schwierigkeiten, qualifikationsgerechte Tätigkeiten zu finden. In der Bäckerei spiegelt sich dieser Fachkräftemangel wider, denn viele Bäcker arbeiten nachts, um frische Brötchen für das Frühstück zu produzieren. Die körperlichen Anforderungen ihrer Arbeit sind nicht zu unterschätzen, und als nicht gerade große Person muss sie oft die Arbeitsfläche anpassen – das kann schmerzhaft sein, ganz ehrlich.

Herausforderungen und Unterstützung

Die Herausforderungen als Migrantin sind vielfältig. Eine Sprachbarriere, die oft wie eine unsichtbare Wand wirkt, macht das Ankommen schwer. Trotzdem hat Wan Glück gehabt, denn ihre Kollegen sind freundlich und unterstützen sie, was die Integration erheblich erleichtert. In der Bäckerei Höschler in Köln beispielsweise, wo rund 40 Prozent der Mitarbeiter geflüchtet sind, zeigt sich, wie wichtig diese Unterstützung ist. Ohne sie wäre der Einstieg in den neuen Job viel komplizierter.

Die Politik erkennt das Problem des Fachkräftemangels zunehmend an. In Nordrhein-Westfalen gibt es über 12.000 offene Stellen im Handwerk, und die Babyboomer-Generation steht kurz vor der Rente. Josefine Paul, die NRW-Integrationsministerin, hebt hervor, dass Arbeitskräfte aus dem Flüchtlingsbereich entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts sind. Wan spürt die Notwendigkeit und die Bedeutung ihrer Arbeit, und sie ist stolz darauf, einen Beitrag zu leisten. Ihr Appell, nichts zu verschwenden und nur das zu essen, was man wirklich braucht, ist ein weiteres Zeichen für ihr Engagement für die Gesellschaft.

Ein Blick in die Zukunft

Die Realität für Migranten in Deutschland ist jedoch nicht immer rosig. Viele ausländische Beschäftigte arbeiten in niedrig qualifizierten Positionen, und trotz ihrer Qualifikationen sind sie oft auf Grundsicherung angewiesen. Die Bertelsmann Stiftung stellt fest, dass fast 36 Prozent der ausländischen Beschäftigten als Helfer tätig sind. Wan ist sich dieser Ungerechtigkeiten bewusst, und während sie in der Bäckerei ihrer Arbeit nachgeht, denkt sie auch an die vielen anderen, die ähnliche Herausforderungen meistern müssen.

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Die demografischen Veränderungen in Deutschland verstärken diese Problematik. Jeder vierte deutsche Arbeitnehmer ist über 55 Jahre alt und wird in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen. Das bedeutet, dass der Bedarf an jungen, dynamischen Arbeitskräften, auch aus dem Ausland, weiter steigen wird. Wan, mit ihrer Leidenschaft für das Bäckerhandwerk, gehört zu den Hoffnungsträgern dieser Entwicklung. Während sie nach ihrer Schicht mit dem Fahrrad nach Hause fährt und die Ruhe der Nacht genießt, träumt sie von einer Zukunft, in der ihre Arbeit und die Arbeit ihrer Kollegen geschätzt wird – und in der Integration mehr als nur ein Wort ist.

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