Neuköllns Schulen im Schatten der Vernachlässigung: Ein Aufruf zur Veränderung
In Neukölln, einem Bezirk, der oft als das Herz Berlins geschlagen wird, sind die Herausforderungen an der Grundschule am Sandsteinweg nicht zu übersehen. Tanja Ballwanz, eine engagierte Mutter und erfahrene Begleiterin dieser Schule, kennt die Probleme nur zu gut. Ihr ältester Sohn hat die Grundschule bereits durchlaufen, und nun steht ihre jüngste Tochter in den Startlöchern für die fünfte Klasse. Doch der Zustand der Schule lässt viel zu wünschen übrig. Seit Jahren berichten Eltern über undichte Decken im Winter und über Wurzeln, die den Asphalt auf dem Schulhof durchdringen. Um die Schäden ein wenig zu kaschieren, haben Schüler und Eltern bunte Schlangen auf den Boden gemalt – eine kreative, aber auch traurige Lösung.
Das größte Sorgenkind bleibt jedoch die Mensa. Kleinere Kinder, also die Klassen 1 bis 3, essen in ehemaligen Umkleidekabinen unter Bedingungen, die mehr als nur unhygienisch sind. Größere Kinder müssen nicht nur zehn Minuten zum Hort laufen, um dort ihre Pausen zu verbringen und etwas zu essen, sondern verlieren auch wertvolle Zeit, die sie für Spiel und Freude nutzen könnten. „Wir haben vor vier Jahren einen Brandbrief an die Politik geschickt“, so Ballwanz, „aber seitdem hat sich wenig getan. Wir fühlen uns wie in einem endlosen Wartespiel.“ Und das, obwohl eine Finanzierung bereits zugesagt war. Die steigenden Kosten und Uneinigkeiten über eine Zufahrtsstraße haben die Situation weiter verschärft.
Politische Reaktionen und die Suche nach Lösungen
Bezirksstadträtin Janine Wolter (SPD) hat in einem Gespräch klargestellt, dass der Bezirk aktiv nach Umsetzungs-möglichkeiten sucht. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, wie es weitergeht. Doch während sich die Zeit zügig dem Ablauf der Nutzungsdauer mehrerer Schulgebäude nähert, bleibt die Transparenz auf der Strecke. Eltern fühlen sich im Stich gelassen, und das ist auch bei der Linksfraktion nicht unbemerkt geblieben. Sie haben eine Sondersitzung einberufen, um die missliche Lage zu diskutieren, da auch andere Schulen in Neukölln betroffen sind. Es ist schon ironisch: Neukölln hat die kleinsten Klassen und die größten Schulflächen in ganz Berlin, was die Infrastrukturkosten pro Kind in die Höhe treibt. Ein Bericht der Taskforce Schule empfiehlt, die Flächen zu reduzieren – doch wie so oft bleibt die Umsetzung ein großes Fragezeichen.
Philipp Dehne von der Linksfraktion äußerte sich kritisch über die Abwesenheit der SPD während der Sondersitzung. „Es ist wichtig, dass die Verantwortlichen vor Ort sind, um die Sorgen der Eltern und Schüler ernst zu nehmen“, betonte er. Bezirkschef Martin Hikel und Stadträtin Janine Wolter haben sich angekündigt, um im Bildungsausschuss offene Fragen zu klären. Doch der Druck steigt, und die Zeit drängt.
Schulbauoffensive in Berlin
Inmitten dieser herausfordernden Situation gibt es jedoch auch positive Entwicklungen in Berlin. Neue Schulplätze werden in verschiedenen Bezirken geschaffen, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. In Lichtenberg entsteht die Schule „Am Breiten Luch“, eine Integrierte Sekundarschule auf einer großzügigen Fläche von etwa 20.000 Quadratmetern. Die Einrichtung wird Platz für 725 Schüler:innen bieten und ist mit zwei modernen Dreifeldsporthallen ausgestattet, die sowohl dem Schulbetrieb als auch dem Vereinssport zugutekommen. Auch im Bezirk Marzahn-Hellersdorf wird ein Gymnasium mit Platz für 830 Schüler:innen gebaut, das eine Dreifeldsporthalle und sogar eine geplante Musikschule beherbergen wird. Diese Bauvorhaben sind Teil einer umfassenden Schulbauoffensive, die darauf abzielt, eine moderne und flexible Bildungsinfrastruktur zu schaffen, die den Bedürfnissen aller Berliner Kinder gerecht wird.
Doch während neue Schulen aus dem Boden gestampft werden, bleibt die Frage: Was passiert mit den bestehenden Einrichtungen, die dringend aufgefrischt werden müssen? Die Schule am Sandsteinweg wartet weiterhin auf ihren dringend benötigten Ergänzungsbau für Hort und Mensa, während Tanja Ballwanz und andere Eltern sich weiterhin unermüdlich für eine Verbesserung der Bedingungen einsetzen. Berlin hat viel zu bieten – aber die Herausforderungen im Schulwesen sind noch lange nicht gelöst. Es bleibt zu hoffen, dass die Bemühungen der Eltern und der Politik bald Früchte tragen werden.
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