In Neukölln, genauer gesagt in der High-Deck-Siedlung, brodelt es gewaltig. Katharina Klappheck, eine Anwohnerin, erzählt von einem wahren Horrorszenario: Schimmel, Feuchtigkeit, undichte Fenster und Schäden in den Wohnungen. Das klingt nicht nach einem gemütlichen Zuhause, oder? Etwa 6000 Menschen leben in dieser Siedlung, die einst als modernes Wohnprojekt gefeiert wurde. Doch heute scheinen die Träume von damals wie ein Schatten der Vergangenheit. Rund 50 Mieterinnen haben sich zusammengeschlossen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Sie haben die Nase voll und fordern endlich Lösungen!

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge, die die Häuser 2021 von Vonovia übernommen hat, steht im Fokus der Kritik. Die Mängelliste liest sich wie ein Albtraum: Schimmel, Wasserschäden, defekte Leitungen und nicht benutzbare Keller- und Fahrradräume. Besonders pikant: eine Wand mit Bildern der Missstände, die als „Mall of Shame“ bezeichnet wird. Fatma Ismail von der Kiezinitiative bemängelt den fehlenden Respekt gegenüber den Bewohnerinnen und die einsprachige Kommunikation der Howoge. Ein weiteres Problem, das aus der Situation resultiert, ist die Miethöhe, die sich nach dem Verkauf nicht verringert hat. Eine Mieterin mit Grundsicherung muss die Differenzen selbst tragen – das ist nicht nur frustrierend, sondern auch ungerecht.

Schimmel ist kein Schönheitsfehler

Das Thema Schimmel ist nicht zu unterschätzen. Es ist ein Rechtsmangel und kein bloßer Schönheitsfehler. Schimmelpilze gedeihen unter bestimmten Bedingungen, seien es die berüchtigten drei Faktoren: Feuchtigkeit, Wärme und ein Nährboden, auf dem sie sich ausbreiten können. In Wohnräumen sind das meist Tapeten, Holz oder Putz. Typische Stellen, wo sich der Schimmel gerne einnistet, sind Fensterlaibungen, Zimmerecken und hinter Möbeln. Besonders gefährlich wird es, wenn es sich um schwarze Schimmelarten handelt – die können richtig gesundheitliche Probleme verursachen, von Atemwegsbeschwerden bis zu Allergien.

Die Vermieter haben laut § 535 Abs. 1 S. 2 BGB die Pflicht, die Mietsache in einem geeigneten Zustand zu erhalten. Das heißt, dass sie bei Schimmelbildung auch die Ursache prüfen müssen. Und das ist oft nicht so einfach, wie es klingt. Die Beweislast liegt zunächst beim Vermieter, der nachweisen muss, dass der Schimmel nicht bauwerksbedingt ist. Ein Sachverständigengutachten kann da schon mal zwischen 1.500 und 2.500 Euro kosten – und das muss der Vermieter als Vorschuss zahlen. Das klingt alles nach einem großen Theater, in dem sich Mieter und Vermieter oft in einem endlosen Streit wiederfinden.

Aktive Bürgerinnen und eine starke Gemeinschaft

In der High-Deck-Siedlung haben sich über 200 Bewohnerinnen in einer WhatsApp-Gruppe organisiert. Haustürgespräche haben begonnen, und es wird nicht geschlafen, bis das Problem gelöst ist. Es werden Unterschriften gesammelt für einen Brandbrief an die Howoge – etwa 600 sind schon zusammengekommen. Wenn 1000 Unterschriften erreicht sind, wird der Brief übergeben. Das zeigt, dass die Mieterinnen sich nicht einfach mit der Situation abfinden wollen. Sie wollen gehört werden, und zwar jetzt!

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Die Schwierigkeiten für alleinerziehende Mütter, die oft in den Abendstunden keine Zeit haben, um an Terminen teilzunehmen, machen die Sache nicht einfacher. Rouzbeh Taheri, Spitzenkandidat der Linkspartei, hat sich klar positioniert und fordert Sofortmaßnahmen zur Behebung der Mängel sowie eine feste Kontaktperson von der Howoge für die Mieterinnen. Unterstützung erhält er dabei vom Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Sebastian Bartels. Das Kiezprojekt High-Deck-Siedlung bietet den Mieterinnen zudem Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte an.

Die Howoge selbst äußert sich auf Nachfrage nicht zu einem Schreiben, das sie noch nicht erhalten hat, betont jedoch ihren Willen zu Gesprächen mit allen Beteiligten. Aber ob das genug ist, um das Vertrauen der Mieterinnen zurückzugewinnen?

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