Heute ist der 17.07.2026 und in Neukölln brodelt es. Stefan Evers, der CDU-Senator für Finanzen, könnte im September tatsächlich Bürgermeister von Berlin werden. Das hat etwas Unheimliches, denn Evers verfolgt eine Politik, die im Einklang mit der aktuellen Regierung steht. Mehr Polizei, Bebauung des Tempelhofer Felds und eine Law-and-Order-Rhetorik – da wird einem ganz anders, wenn man darüber nachdenkt, was das für die Stadt und ihre Bewohner bedeutet.

Besonders brisant wird es, wenn man Evers‘ Ansichten zur queeren Community betrachtet. In einem Interview äußerte er sich über die Anfeindungen, die queere Menschen in Berlin erfahren, und betonte kulturelle und religiöse Hintergründe als Ursachen für Vorurteile. Dabei wird es schnell kompliziert. Evers erwähnt, dass 30% der muslimischen Schülerinnen die Scharia über geltendes Recht stellen – was für eine Aussage! Doch was er nicht erwähnt, ist, dass eine Studie zeigt, dass auch 33% der christlichen Schülerinnen dieselbe Frage bejahten. Einleuchtend, dass hier eine selektive Wahrnehmung im Spiel ist.

Ein gefährliches Spiel mit Vorurteilen

Evers‘ Rhetorik erinnert stark an die von Jens Spahn und Alice Weidel, die ebenfalls Homosexualität und anti-muslimische Äußerungen miteinander verbinden. Das weckt den Verdacht, dass Evers möglicherweise Homonationalismus in seine Politik integrieren könnte – ein gefährliches Spiel, das die Gesellschaft weiter polarisiert. Queerfeindlichkeit wird hier als ein gesamtgesellschaftliches Problem dargestellt, nicht nur als spezifisches Problem von Muslimen. Das bringt uns zu einer weiteren Frage: Wie sicher fühlen sich eigentlich die Menschen in Neukölln? Evers spricht in seinem Interview von seinen eigenen unangenehmen Erlebnissen in der U7, die durch Neukölln führt. Auch jüdische Menschen sollen sich dort nicht sicher fühlen. Damit ist Neukölln zur Projektionsfläche für ausländerfeindliche und rassistische Politik geworden.

Die Verwicklungen Evers mit einem Fördermittelskandal werfen auch ein Schatten auf seine politische Karriere. Wenn man darüber nachdenkt, dass er Teil des aktuellen Senats ist, könnte man ins Grübeln kommen, wie viel Vertrauen er wirklich von den Bürger*innen erwarten kann. Es ist nicht nur eine Frage der politischen Haltung, sondern auch der Integrität. Mit einer Auto-first-Politik und einem klaren Fokus auf Sozialabbau und Kürzungen könnte Evers die soziale Spaltung in Berlin weiter vertiefen.

Der Blick nach vorn

Was bedeutet das alles für die Stadt? Für die Menschen, die hier leben? Es gibt viele Fragen, und die Antworten sind oft nicht einfach. Es braucht einen offenen Dialog über Vorurteile, über Sicherheit und vor allem über die Werte, die wir als Gesellschaft vertreten wollen. Wenn Evers im September tatsächlich Bürgermeister werden sollte, könnte das nicht nur die queerfeindliche Rhetorik verstärken, sondern auch die ohnehin schon angespannten sozialen Verhältnisse in Neukölln weiter belasten. Die Herausforderung wird sein, eine inklusive Stadtgemeinschaft zu schaffen, die alle respektiert, unabhängig von ihrer Herkunft oder sexuellen Orientierung.

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