Juju: Vom Schatten ins Licht – Wie eine Rapperin ihre Diagnosen annimmt und neue Wege geht
Die Berliner Rapperin Juju, bekannt aus Neukölln, hat in ihrer Therapie endlich Klarheit gefunden. Nach Jahren des Suchens und dem Gefühl, nicht ganz in der eigenen Haut zu stecken, erhielt sie die Diagnosen ADHS und Autismus. Diese Erkenntnisse waren für sie wie das Licht am Ende eines Tunnels, ein Moment der Erleichterung. Sie beschreibt, wie sie plötzlich ihre Vergangenheit und Gegenwart besser einordnen konnte. Denn das Leben mit den Herausforderungen, die ADHS und Autismus mit sich bringen, kann ganz schön anstrengend sein. Sie kämpft damit, Reize zu filtern, während ihre ADHS nach Stimulation verlangt und der Autismus nach Ruhe und Struktur ruft.
Juju macht deutlich, dass viele Frauen mit Autismus oft jahrelang versuchen, ihre Symptome zu kaschieren. Sie selbst blickt zurück auf eine schwere Zeit, die von mentalen Krisen und Konflikten geprägt war. Die Pandemie traf sie hart: Ihre Tour fiel aus, und sie zog sich ins Ausland zurück, belastet von Kindheitserinnerungen. Auf Instagram äußerte sie, dass besonders unprivilegierte Menschen schnell in negative Einflüsse geraten können. Doch die professionelle Hilfe war für sie ein Wendepunkt. Heute arbeitet sie daran, klare Routinen in ihren Alltag zu integrieren, um stabil zu bleiben. Auf der Bühne fühlt sie sich zwar wohl, aber das Drumherum – die Aufregung, die Erwartungen – zehren an ihren Kräften. Daher plant sie, künftig Pausen konsequenter einzuplanen. Ein Schritt, der nicht nur für ihre Gesundheit wichtig ist, sondern auch für ihre künstlerische Entwicklung.
Künstlerische Entfaltung und persönliche Weiterentwicklung
Mit ihrer Musik hat Juju Maßstäbe gesetzt – sei es mit SXTN oder in ihrer Solo-Karriere. Hits wie „Vermissen“ mit Henning May und „Bling Bling“ haben Rekorde gebrochen und das Publikum begeistert. Nach der Trennung von SXTN stellte sie ihre Gesundheit an erste Stelle und fand ihren Weg als Solo-Künstlerin. Im April 2023 meldete sie sich mit neuer Musik zurück und kündigte ein Comeback an. Kleine Tourpläne stehen an, immer mit dem Fokus auf Balance und der Verarbeitung ihrer Erlebnisse. Ihre Kunst ist für sie nicht nur ein Ventil, sondern auch ein Weg, ihre Erfahrungen, Techniken und Haltungen zu teilen, die sie im Laufe der Zeit gesammelt hat.
Die Diagnosen ADHS und Autismus sind bei Frauen oft lange übersehen worden. Viele Frauen wurden fehldiagnostiziert oder erhielten nur eine ADHS-Diagnose, während ihre autistischen Merkmale nicht erkannt wurden. Die Kombination aus beidem, auch bekannt als AuDHS, rückt zunehmend in den Fokus. Bis 2013 war eine gleichzeitige Diagnose in den gängigen Diagnosemanualen nicht vorgesehen, was dazu führte, dass komplexe Mischbilder oft nicht erkannt wurden. Aktuelle Studien zeigen, dass zwischen 20 und 50 Prozent der Menschen mit Autismus auch ADHS-Symptome aufweisen. Frauen zeigen oft andere Diagnosen wie Depressionen oder Essstörungen, da sie dazu neigen, ihr Verhalten anzupassen (manchmal nennt man das auch „Masking“), um nicht aufzufallen. Diese Anpassungen bringen eine immense innere Belastung mit sich.
Die steigenden Diagnosen sind oft als „Überdiagnostik“ verschrien, doch das hat auch mit verbessertem Wissen und gesellschaftlicher Entstigmatisierung zu tun. Es ist kein Trend, sondern eine späte Korrektur. Juju ist da ein lebendiges Beispiel. Ihre Offenheit über ihre Diagnosen ist nicht nur ein Zeichen ihrer Stärke, sondern könnte auch anderen Frauen helfen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Sie zeigt, dass es wichtig ist, sich selbst zu verstehen und für sich selbst einzustehen, um den eigenen Weg zu finden – sei es auf der Bühne oder im Alltag.
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