Die Hitze in der High-Deck-Siedlung in Berlin-Neukölln ist nicht zu unterschätzen. Bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius in den Wohnungen während des heißen Berliner Sommers könnte man meinen, man ist in einem Backofen gelandet. Clotilde Bry-Chemarin, eine engagierte Mieterin, beschreibt eindrücklich, wie die Bewohnerinnen sich mit dicken Tüchern gegen die drückende Sonneneinstrahlung wappnen – und das ist kein Scherz. Fächer und Ventilatoren? Ausverkauft! Ein Bild des Kampfes gegen die unerträgliche Hitze, das sich hier abspielt. Es ist nicht nur ein individuelles Problem; es ist eine Gemeinschaftsangelegenheit.

Die Siedlung, die in den 70er Jahren konzipiert wurde, sollte einmal als ein Ort der Erholung mit hochgelegenen Wegen, den sogenannten Sonnendecks, dienen. Doch was bleibt von diesem Ideal, wenn selbst die Sonnendecks keinen Schatten spenden? Die Mieterinnen berichten von überhitzten Räumen, insbesondere in den oberen Etagen, wo die Hitze unbarmherzig einströmt. Beschwerden werden oft ignoriert, Ansprechpersonen sind rar. Und obwohl die Howoge seit September 2021 einen Großteil der Siedlung verwaltet, hat sich an dem mangelhaften Service wenig geändert. Der Herbst 2023 brachte keine Erleichterung: Das Berliner Abgeordnetenhaus stellte Fragen zur Verbesserung der Situation, doch die Antworten des Senats waren mehr als enttäuschend.

Hitze als gesellschaftliches Problem

Ein neues Phänomen, das zunehmend in den Vordergrund rückt, ist der Hitzestress. Während die Kälte im Winter oftmals mehr Aufmerksamkeit erhält, fühlen sich die Mieter*innen im Sommer oft für ihre eigene Hitzebelastung verantwortlich. Sie fürchten Stigmatisierung, was die Situation noch komplizierter macht. Inmitten dieser Herausforderungen ist Bry-Chemarin Teil einer Initiative, die sich mit undichten Dächern, kaputten Fenstern und Aufzügen beschäftigt. Hier wird ein gewisses Maß an Hoffnung lebendig, dass eine gesellschaftliche Diskussion über den Schutz vor Hitze stattfinden könnte – denn das Problem betrifft uns alle.

Die High-Deck-Siedlung könnte sogar als Beispiel für notwendige Anpassungen an die Klimaveränderungen dienen. Ein innovatives Projekt namens „Urban Heat Labs“ ist im Gange, das sich mit der Hitzevorsorge in der denkmalgeschützten Siedlung beschäftigt. In Kooperation mit der HOWOGE und den Bewohner:innen wird an übertragbaren Ansätzen gearbeitet, um die Situation vor Ort zu verbessern. Der Aufbau eines schattenspendenden Kiezmöbels, das im Juli 2025 in Betrieb gehen soll, könnte hier einen ersten Schritt darstellen. Es handelt sich dabei um ein Dach aus kühlendem Stoff, das Schatten spenden soll. Das Regenwasser wird zur Bewässerung von Beeten genutzt, was die Idee von Urban Gardening inmitten der Hitze neu belebt.

Gemeinsam gegen die Hitze

Die Bewohner:innen sind aktiv beteiligt – sie helfen beim Bau und feiern die Einweihung mit einem Kinderfest. Ein Stück Gemeinschaftsgefühl in einem Raum, der sonst von Überhitzung geprägt ist. Eine Garage wurde zur Bar umfunktioniert, um einen Treffpunkt zu schaffen, an dem man vielleicht die drückende Hitze für einen Moment vergessen kann. Die Umgestaltung einer Fläche unter den Decks für ein Jugendfest zeigt, dass es Möglichkeiten gibt, diese schwierige Zeit gemeinsam zu meistern.

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Inmitten der hitzeflirrenden Realität geht es um mehr als nur um die Temperaturen. Es ist ein Aufruf zur Diskussion – ein Plädoyer für ein besseres Miteinander und die Suche nach Lösungen für ein drängendes Problem. In einer Stadt wie Berlin, die für ihre Vielfalt und Kreativität bekannt ist, sollte es möglich sein, auch in der brütenden Hitze einen kühlen Kopf zu bewahren.

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