Femizid: Ein Aufschrei gegen das Schweigen in Deutschland
Heute ist der 19.07.2026 und ich sitze hier in Neukölln, während die Sonne durch das Fenster scheint. Ein ganz normaler Tag? Vielleicht, aber nicht, wenn man bedenkt, dass in Deutschland fast jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wird. Diese erschreckende Realität wird von vielen als Tabuthema behandelt, und das, obwohl seit über 40 Jahren Frauen in Deutschland und anderen Ländern gegen Gewalt an Frauen kämpfen. Die Diskussion über Femizid und die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen hat an Fahrt aufgenommen, und das ist auch dringend notwendig.
Vor wenigen Tagen fand eine spannende Sendung statt, die eine Wiederholung vom 15. Februar 2026 war. Zu Gast waren unter anderem Stefanie Hubig, die Bundesjustizministerin (SPD), und Christina Clemm, eine engagierte Rechtsanwältin für Familien- und Strafrecht. Auch Gerhard Hafner, ein Psychologe, der sich mit Täterarbeit beschäftigt, und Gesa Birkmann, die Geschäftsführerin von Terre des Femmes, waren mit von der Partie. Gemeinsam diskutierten sie über Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um diese Gewalt zu bekämpfen. Eine der zentralen Forderungen war die Einführung des Begriffs „Femizid“ als eigenes Mordmerkmal im Strafgesetzbuch. Ein Schritt, der notwendig ist, um das Ausmaß dieses Problems rechtlich zu erfassen.
Gesellschaftliche Muster und ihre Folgen
Ein Punkt, der in der Diskussion immer wieder betont wurde: Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches. Gemeinsame Muster, Rollenbilder und Stereotype unterstützen Gewalt und machen sie zu einem tief verwurzelten Problem. Eine Untersuchung von Jane Monckton-Smith aus dem Jahr 2020 zeigt, dass Femizide oft Teil eines Macht- und Kontrollprozesses sind, der sich über Jahre hinweg aufbaut. Die Täter haben häufig eine Vorgeschichte von Kontrolle und Gewalt in früheren Beziehungen, was die Tragik dieser Taten nur noch verstärkt.
Die Zahlen sind alarmierend: 63% der in Deutschland registrierten Tötungsdelikte an Frauen wurden von aktuellen oder früheren Partnern begangen. Das Bundeskriminalamt hat Femizide erstmals in seinem Bundeslagebild 2023 erfasst, und die Statistiken zeigen, dass die meisten dieser Taten nicht aus einer plötzlichen Eskalation resultieren, sondern geplant sind. Komischerweise wird in vielen Medienberichten jedoch oft der Eindruck erweckt, es handele sich um Einzelfälle, was die strukturellen Probleme, die zu diesen Taten führen, nicht ausreichend beleuchtet.
Notwendige Maßnahmen und Unterstützung
Es gibt Empfehlungen für politisches Handeln, die von Fachleuten ausgearbeitet wurden. Dazu gehört nicht nur die Verbesserung des Schutzes für gefährdete Frauen, sondern auch umfassende Primärprävention und Sensibilisierung zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt. Die Lücken in der Intervention sind offensichtlich. Frauenhäuser und Beratungsstellen sind oft unterfinanziert, und auch die Risikobewertungen zur Gewalteskalation werden nicht einheitlich angewendet.
Laut dem FEM-UnitED-Projekt von 2019-2020 wurden in 12% der Femizid-Fälle weitere Opfer getötet, darunter Kinder und Familienmitglieder. Das lässt erahnen, wie wichtig es ist, dass wir das Thema Gewalt gegen Frauen nicht nur im politischen Diskurs, sondern auch in der Gesellschaft selbst ernst nehmen. Es braucht einen Aufschrei, ein Umdenken, um diese Gewalt aus der Tabuzone zu holen und sichtbar zu machen.
Herausforderungen im Rechtssystem
Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind ebenfalls ein heißes Eisen. In Deutschland gibt es keinen eigenen Straftatbestand für Femizid. Tötungen werden unter Mord oder Totschlag geahndet, während geschlechtsspezifische Beweggründe oft nicht ausreichend berücksichtigt werden. Der Deutsche Juristinnenbund hat die aktuelle rechtliche Bewertung kritisiert, und Asha Hedayati, eine Anwältin, beschreibt, wie Gewaltbeziehungen oft schleichend beginnen und psychische Gewalt ebenso zerstörerisch sein kann. Es ist, als ob die Gesellschaft die Augen vor der Realität verschließt, obwohl die Hilfsangebote wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (116 016) und die Feminist Law Clinic bereitstehen, um zu unterstützen.
Und so bleibt die Hoffnung, dass durch die Zusammenarbeit von Initiativen wie Terre des Femmes und dem Bezirksamt Neukölln – Gleichstellungsbeauftragte – und durch die Stimmen der Betroffenen und engagierten Fachleuten ein Wandel zum Besseren möglich ist. Es ist an der Zeit, dass wir die Diskussion über Femizid und Gewalt gegen Frauen nicht nur führen, sondern auch ernsthaft handeln. Und das, liebe Leserinnen und Leser, ist etwas, was uns alle angeht.
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