In Neukölln brodelt es, und das nicht nur wegen der neuen Wahlplakate, die überall in der Stadt hängen. Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, sorgt für Aufregung. In einem Dokument, das versehentlich an den „Spiegel“ übermittelt wurde, offenbart sie eine sehr persönliche Angst. Sie und ihr Mann haben „Angst vor diesen Leuten“, und konkret bezieht sich das auf Ibrahim Ibrahim, der auf einer Wahlparty der Linken im September aufgetaucht ist. Ibrahim gilt als Unterstützer der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), die in der Vergangenheit mit schweren Verbrechen in Verbindung gebracht wurde. Das wirft natürlich Fragen auf.

Sicherheitsbedenken scheinen in der politischen Landschaft Berlins zur Normalität zu werden. Eralp hat in ihren Anmerkungen deutlich gemacht, dass sie sich und ihre Familie nicht in Gefahr bringen kann. Sie wollte eine Frage über Ibrahim und ihre Antwort darauf streichen und fragte sogar, ob das gesamte Interview abgesagt werden könne. Ihre Bedenken sind nicht unbegründet, denn laut ihrem Sprecher wird sie seit Monaten mit Beleidigungen und Drohungen konfrontiert. In einer Stadt, in der die gesellschaftliche Polarisierung zunimmt und politische Gegner immer aggressiver angegangen werden, ist es schwer, ruhig zu bleiben.

Die Düsternis der politischen Realität

In den internen Anmerkungen erklärt Eralp, dass das Landeskriminalamt ihr früher geraten hat, „nie konkrete Namen zu nennen“. Damals ging es um organisierte Kriminalität, jetzt aber um Personen mit Kontakten zur Hamas. Das ist eine alarmierende Entwicklung, die nicht nur sie betrifft, sondern viele in der politischen Arena. Sicherheitsbehörden warnen, dass die allgemeine Bedrohungslage, besonders bei politischen Äußerungen, für Amts- und Mandatsträger spürbar ist. Das findet sich auch in den aktuellen Statistiken zu politisch motivierten Straftaten. Die Dunkelziffer ist hoch, und die Gewaltbereitschaft in Teilen der Bevölkerung wächst. Man fragt sich, wie lange das gut gehen kann.

Die Vorfälle, die in den letzten Jahren zugenommen haben, sind nicht zu übersehen. 2025 wurden mehr als 85.000 politisch motivierte Straftaten registriert, und linksmotivierte Gewaltdelikte stiegen um über 40 Prozent. Diese Entwicklungen hängen oft mit Protesten zusammen, die durch internationale Konflikte wie den Krieg in der Ukraine oder den Nahost-Konflikt beeinflusst werden. Die sozialen Medien tragen ihren Teil dazu bei, indem sie extremistische Inhalte verbreiten und Radikalisierungsprozesse beschleunigen. Es ist beunruhigend zu sehen, wie Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft Wurzeln schlagen.

Ein politisches Minenfeld

Elif Eralp hat sich in ihrer Rolle als Bürgermeisterkandidatin also nicht nur mit politischen Gegnern auseinanderzusetzen. Sie muss auch den Umgang mit der stetig zunehmenden Bedrohung durch Extremisten und Aggressoren meistern. Der „Spiegel“ hat die internen Anmerkungen veröffentlicht, was die Frage aufwirft: Ist sie wirklich in der Lage, das Amt der Regierenden Bürgermeisterin zu übernehmen, wenn ihre öffentliche Stimme von Angst geprägt ist? Ihr Sprecher betont, dass sie sich ausdrücklich von Ibrahim distanzieren möchte, was zeigt, wie sehr die politische Landschaft in Berlin durch solche Vorfälle belastet ist.

Was bleibt, ist ein Gefühl der Unsicherheit. Geht es hier um persönliche Sicherheit oder einfach um die Realität der politischen Arbeit in Berlin? Die Stadt ist ein Schmelztiegel, aber auch ein Ort, wo Polarisierung und Gewaltzunahme an der Tagesordnung sind. Die Menschen beobachten, wie sich die politischen Strömungen verändern und sich die gesellschaftlichen Spannungen weiter aufbauen. Die Frage, die sich viele stellen, ist: Was bedeutet das für die Zukunft Berlins?