In einem kleinen, aber feinen Eckchen von Berlin-Neukölln haben sich Dory Manor und Moshe Sakal zusammengetan, um Altneuland Press zu gründen – den ersten säkularen hebräischen Verlag, der seit 1948 außerhalb Israels das Licht der Welt erblickt hat. Diese beiden israelischen Literaten, die nicht nur beruflich, sondern auch privat als Paar verbunden sind, leben mit ihrer einjährigen Tochter in der pulsierenden Hauptstadt. Hier, wo die Straßen von Geschichten und Kulturen wimmeln, haben sie sich der Herausforderung verschrieben, die hebräische Literatur zu beleben und zu fördern. Das erste Interview, das sie in Deutschland auf Hebräisch geben, ist ein kleiner, aber bedeutender Schritt in dieser Richtung.

Die Geschichte der beiden Verleger ist so bunt wie die Stadt selbst. Kennengelernt haben sie sich 2019 in Paris und sind dann nach Berlin gezogen, wo sie mittlerweile viel von zu Hause aus arbeiten – nicht immer einfach mit einem kleinen Kind, aber sie finden einen Weg. Mit einem kritischen Blick auf den israelischen Buchmarkt, der laut Manor seit mehr als einem Jahrzehnt in einem schlechten Zustand ist, haben sie Altneuland Press ins Leben gerufen. Hierbei ist der hohe Preis von bis zu 20.000 Euro, den Verlage für die Veröffentlichung eines Romans von jungen Schriftstellern verlangen, besonders erschreckend. Dazu kommt, dass der Sapir-Preis, der wichtigste Literaturpreis in Israel, seit 2015 nur an in Israel lebende Autoren vergeben wird – eine Regelung, die die Diversität der Stimmen weiter einschränkt.

Kritik an autoritären Tendenzen

Mit Altneuland Press möchten Sakal und Manor einen Raum für Vielfalt in der hebräischen und jüdischen Literatur schaffen. Sie kritisieren autoritäre Tendenzen in Israel und setzen sich dafür ein, dass auch kritische Stimmen Gehör finden. Inoffizielle Zensurmechanismen, die kritische politische Bücher benachteiligen, machen es den Autoren nicht leichter. Ihre Bücher sollen nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Städten wie Paris, Amsterdam und Lissabon erhältlich sein. Damit gehen sie einen Schritt über die Grenzen des Exil-Verlags hinaus, da ihre Werke sowohl in Israel als auch in Deutschland gedruckt werden.

Die Zusammenarbeit mit dem Berliner Kanon Verlag, um ein eigenes Programm zu präsentieren, ist ein weiterer Beweis für ihre Ambitionen. Sie veröffentlichen bereits Werke renommierter hebräischsprachiger Autoren, darunter die talentierte Maya Arad. Ihr Roman „Kinderwunsch“ wird als erstes Buch der in Kalifornien lebenden Autorin ins Deutsche übersetzt – ein spannender Schritt, der die Brücke zwischen den Kulturen weiter festigt.

Die Herausforderung der Sprache

Doch das Leben in Berlin bringt auch seine Herausforderungen mit sich. Sakal äußert Bedenken, Hebräisch in der Öffentlichkeit zu sprechen – ein Thema, das durch die Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen in der Stadt noch komplizierter wird. Manor hingegen betont, dass die Sprache selbst nicht schuldig ist, sondern die Assoziationen, die damit verbunden sind. Es ist ein heikles Thema, das die beiden Verleger tief bewegt und das sie in ihrer Arbeit reflektieren.

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Mit ihrem Verlag haben sie sich das Ziel gesetzt, die Kultur des Volkes des Buches zu bewahren und die kommende Generation zu fördern. Dabei erinnern sie sich an die Traditionen der jüdischen Verlage in Deutschland, wie dem Jüdischen Verlag in Berlin, der von 1902 bis 1938 aktiv war und als einer der wichtigsten jüdischen Verlage dieser Zeit gilt. Altneuland Press ist nicht nur ein neuer Verlag, sondern auch ein Hoffnungsträger, der in der Tradition dieser großen Namen steht und mit frischen Ideen und einer klaren Vision aufwartet.

In einer Welt, die oft von Zensur und politischen Spannungen geprägt ist, ist es ermutigend zu sehen, wie Dory Manor und Moshe Sakal mit ihrer Leidenschaft für die Literatur einen neuen Raum schaffen. Ihre Reise hat gerade erst begonnen, und wir dürfen gespannt sein, welche Geschichten und Stimmen sie noch ans Licht bringen werden.

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