Wiederentdeckung des Künstlers Karol Bethke im Kunsthaus Lempertz: Eine Reise durch die Konkrete Kunst
Inmitten des pulsierenden Lebens der Berliner Kunstszene wird der 1940 in Posen geborene Künstler Karol Bethke wiederentdeckt. Das Kunsthaus Lempertz in Mitte präsentiert eine umfassende Ausstellung seiner Werke, die bis zum 2. November zu sehen ist. Dies ist ein echtes Highlight für alle, die sich für die feinen Nuancen der Konkreten Kunst interessieren. Bethke, dieser begnadete Maler, Zeichner und Bildhauer, hat durch seine Stationen in Berlin, Köln und New York eine beeindruckende künstlerische Sprache entwickelt, die stark von der minimalistisch-konkreten Abstraktion geprägt ist.
Sein Weg führte ihn nach dem Studium an der Hochschule der Künste in Berlin zunächst nach Köln, wo er ein kreatives Schaffensumfeld fand. Doch die Berliner Kunstszene der 1980er-Jahre war von den expressiv-figurativen „jungen Wilden“ geprägt, sodass Bethkes Werke zunächst wenig Beachtung fanden. Trotz dieser Widrigkeiten ließ er sich nicht entmutigen und zog 1980 mit einem Stipendium des MoMA PS1 nach New York, wo seine Kunst einen neuen Impuls erhielt. 1984 kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 2017 in seiner Heimatstadt.
Die Ausstellung im Kunsthaus Lempertz
In der aktuellen Ausstellung stehen vor allem Bethkes Papierarbeiten im Fokus. Diese umfassen eine Vielzahl von Stilen und Techniken, die über die Jahre entstanden sind. Früheste Arbeiten, die sogenannten „Patches“ aus den 1960ern, zeigen großflächige Farbflächen und Schraffuren, die noch stark vom Informel beeinflusst sind. In den 1970ern experimentierte Bethke mit Collagen, in denen Temperafarbe und Klebebänder auf Papier kombiniert wurden. Besonders beeindruckend sind die „Quadrat“-Bilder aus den frühen 1990ern, die durch ihre geometrischen Muster und glänzenden Farbschichten bestechen. Hierbei verwendete er Lackstifte auf kariertem Papier, was nicht nur als Hilfsmittel für Maß und Proportion diente, sondern auch als sichtbares Gestaltungselement erhalten blieb.
Die Ausstellung ist eine wahre Freude für jedes Auge – die Werke werden ab 3.900 Euro angeboten und laden ein, die intensive Verbindung von Form und Farbe zu entdecken. Bethkes Lebensgefährtin und Nachlassverwalterin Anne Stephan hat zusammen mit dem Berliner Galeristen Thomas Schulte die Werke aus dem Nachlass zusammengestellt. Besonders beeindruckend ist, dass Bethke täglich mindestens zwölf Stunden an seinen Bildern arbeitete, was sich in der Detailverliebtheit und der Vielzahl an Farbtönen widerspiegelt. Die kleinen Bleistiftnotizen am Bildrand geben einen faszinierenden Einblick in seine Arbeitsweise und die verwendeten Farben.
Die mathematische Dimension der Kunst
Karol Bethkes Arbeiten sind nicht nur ästhetisch, sondern auch intellektuell anspruchsvoll. In seinen geometrischen Formationen lässt sich eine Verbindung von Mathematik und bildender Kunst erkennen. Diese Aspekte werden in der bevorstehenden Ausstellung im Center for Advanced Studies der LMU München im Jahr 2024 thematisiert, wo seine Verbindung von Farbe und Raster weiter vertieft wird. Hier wird Bethkes Einfluss auf die Konkrete Kunst deutlich, da seine Werke eine eigenständige Behandlung von Farbe, Raster und Geometrie präsentieren. Auch die zwei Bodenskulpturen in der Berliner Ausstellung zeigen, wie er seine mathematischen Prinzipien in den Raum übertrug und so neue Dimensionen der Kunst erschloss.
Obwohl einige seiner bekanntesten „Weißen Bilder“ aus den 1980ern aufgrund begrenzter Ausstellungsfläche zurzeit nicht gezeigt werden, bleibt die Faszination für Bethkes Werk ungebrochen. Diese Bilder, die durch ihre kristalline Struktur an geschliffene Diamanten erinnern, sind ein Paradebeispiel seines Schaffens und verdeutlichen, wie sehr er sich von amerikanischen Minimal-Künstlern inspirieren ließ. Die Ausstellung im Kunsthaus Lempertz ist ein Muss für alle Kunstinteressierten und ein Schritt zur Wiederentdeckung eines außergewöhnlichen Künstlers, dessen Arbeiten in renommierten Sammlungen wie dem Kupferstichkabinett in Berlin und dem Museum Ludwig in Köln vertreten sind.
Die Türen des Kunsthauses Lempertz sind von Montag bis Freitag, 10 bis 15 Uhr, für alle geöffnet, die sich auf eine spannende Reise durch das Werk von Karol Bethke begeben möchten. Ein Besuch lohnt sich allemal!
