Schöneweide im Widerstand: Gemeinsam gegen die wachsende Gefahr des Rechtsextremismus
Im Herzen von Schöneweide, einem Stadtteil des Bezirks Treptow-Köpenick, brodelt es. Das Zentrum für Demokratie (ZfS) und das Bündnis Berlin gegen Nazis haben eine Kampagne ins Leben gerufen, die für Aufregung sorgt. Unter dem Titel „Keine Heimat für Nazis. In Köpenick und überall“ wurde diese Offensive kürzlich im Café Köpenick vorgestellt – und das ist kein Zufall. Denn nur einen Steinwurf entfernt befindet sich die Zentrale der rechtsextremen NPD, die sich 2023 in „Die Heimat“ umbenannt hat. Ein bisschen ironisch, nicht wahr?
Die Berichte von Mitarbeitenden und Besuchern des nahegelegenen Jugendclubs sind alarmierend. Bedrohungen und gewalttätige Angriffe scheinen an der Tagesordnung zu sein, vor allem während paralleler Veranstaltungen in der Parteizentrale. Seit dem Jahr 2000 hat die NPD eine beachtliche rechtsextreme Infrastruktur im Bezirk aufgebaut und versucht, über Jugendarbeit Nachwuchs zu rekrutieren – eine besorgniserregende Entwicklung, die nicht unbeachtet bleiben darf.
Ein Blick zurück auf die Vergangenheit
Erinnerungen an die Kneipe „Zum Henker“ in Schöneweide kommen hoch, die einst ein zentraler Treffpunkt für Neonazis war, bis sie 2014 geschlossen wurde. Laut dem Berliner Register gab es im Bezirk im Jahr 2025 1238 extrem rechte und diskriminierende Vorfälle, darunter 29 Angriffe. Das sind erschreckende Zahlen, die den Bezirk zum zweithöchsten Hotspot für solche Vorfälle in Berlin machen, nur hinter Mitte. Bezirksbürgermeister Oliver Igel von der SPD hat bereits angemerkt, dass trotz aller Gegenproteste der Rechtsextremismus nicht zurückgedrängt wurde. Vielmehr haben Gewalt und diskriminierende Einstellungen zugenommen.
Die Kampagne hat nicht nur das Ziel, die Gesellschaft zu mobilisieren, sondern auch Organisationen und Einzelpersonen zu vernetzen. Ein starkes Bündnis gegen Rassismus und für Demokratie ist dringend nötig. Die NPD plant, das Haus in der Seelenbinderstraße zu verkaufen, was Bürgermeister Igel als Chance sieht, die Zentrale loszuwerden. Doch er warnt: Es könnte sich nur um eine Verlagerung des Problems handeln, nicht um eine Lösung.
Politische Landschaft und Entwicklungen
<pDie politische Landschaft in Treptow-Köpenick hat sich in den letzten Jahren nicht unwesentlich verändert. Matthias Schmidt wurde 2006 in die Bezirksverordnetenversammlung gewählt, gefolgt von Ursula Walker im Jahr 2011. Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin im selben Jahr konnte die SPD ein starkes Ergebnis erzielen und alle sechs Direktmandate im Bezirk gewinnen. In der Bezirksverordnetenversammlung stellte die SPD mit 19 von 55 Mandaten die stärkste Fraktion. Die NPD hingegen erzielte lediglich 5,3 Prozent der Wählerstimmen und zog mit drei Mitgliedern in die BVV ein – ein kleiner, aber dennoch besorgniserregender Fuß in der Tür.
Schaut man auf die übergreifenden Trends in Deutschland, wird einem schnell klar, dass die Situation alarmierend ist. Im Jahr 2024 stieg das rechtsextremistische Personenpotenzial auf 50.250 – ein Anstieg um 9.650 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl rechtsextremistischer Straftaten hat alarmierende Ausmaße angenommen: 37.835 wurden registriert, was einem Anstieg von 47,4 % entspricht. Die Gewaltbereitschaft unter diesen Gruppen scheint zuzunehmen, und die Zahlen sprechen für sich. Körperverletzungsdelikte mit fremdenfeindlichem Hintergrund sind auf 916 gestiegen, und fremdenfeindliche Gewalttaten erreichen 983.
Es ist ein schmaler Grat, auf dem wir uns bewegen. Die Herausforderungen sind groß, aber die Entschlossenheit der Zivilgesellschaft, sich gegen diese Strömungen zu wehren, ist es auch. In Treptow-Köpenick und darüber hinaus – die Botschaft ist klar: Wir nehmen nicht hin, dass sich Neonazis breitmachen und unser Zusammenleben gefährden.
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