Protest in Berlin-Mitte: „GenZ hat genug!“ eskaliert mit Aggression und Chaos
Am Samstagabend drohte in Berlin-Mitte ein Protest ins Chaos zu kippen. Die Straßenbahn der BVG-Linie M2, die in Prenzlauer Berg unterwegs war, wurde zum Ziel wütender Demonstrationsteilnehmer des Protestzugs „GenZ hat genug!“. Der Zug war vom Rosenthaler Platz gestartet und hatte, wie die Polizei berichtete, zwischenzeitlich bis zu 3.500 Menschen mobilisiert. Anfänglich ruhig, ging es bald drunter und drüber. Teilnehmer schlugen gegen die Scheiben der Tram, beschmierten sie mit Parolen und warfen Steine, Eier und Flaschen. Pyrotechnik und Böller sorgten für eine lautstarke Begleitmusik – und eine angespannte Atmosphäre.
Eine junge Mutter, die mit ihrem Kinderwagen in der Tram saß, musste fliehen, während ein hilfsbereiter Mann ihr zur Seite sprang. Die Polizei, die bereits im Vorfeld ein hohes Eskalationspotenzial vermutete, war mit einer Vielzahl von Kräften vor Ort. Mehrere Krawallmacher wurden festgenommen, während umstehende Passanten die Einsatzkräfte ausbuhen und beschimpfen. Trotz der angespannten Lage blieb ein größerer Gewaltausbruch aus, was man als kleines Wunder betrachten kann.
Die Stimmung bleibt angespannt
Die Polizei hatte die Demonstration „GenZ hat genug!“ in den Fokus linksextremer und propalästinensischer Gruppen eingeordnet. Viele der Teilnehmer waren dunkel gekleidet, vermummt, einige trugen sogar Halloweenkostüme oder Gruselmasken – ein Anblick, der irgendwie surreal wirkte. Es wurden Rufe laut wie „Ganz Berlin hasst die Polizei“, was die ohnehin schon aggressive Stimmung weiter anheizte. Auch während der friedlicheren Demonstration „Gen Z regelt“ am Brandenburger Tor, wo bis zu 11.000 Menschen gegen soziale Kürzungen protestierten, war es nicht ruhig geblieben. Die Organisatoren dort hatten sich im Vorfeld klar von der späteren Demonstration distanziert und zur Gewaltfreiheit aufgerufen.
Gegen 17 Uhr, kurz vor der Diesterwegstraße, wurde der Protestzug in Absprache mit dem Veranstalter und der Polizei vorzeitig beendet. Der Grund: die zunehmende Aggressivität – Vorfälle mit Eier- und Flaschenwürfen sowie das Abbrennen von Pyrotechnik hatten die Lage zugespitzt. Während einige Polizisten leicht verletzt wurden, blieb es nicht bei der reinen Konfrontation. Ein „Katz-und-Maus-Spiel“ entwickelte sich in den Nebenstraßen, wo sich Menschengruppen und Schaulustige versammelten, während die Polizei mit rund 1.500 zusätzlichen Kräften in der Stadt präsent war.
Überregionale Proteste
Die Proteste in Berlin waren Teil einer bundesweiten Bewegung, die auch in anderen Städten wie Frankfurt, Hamburg, Köln und Bonn für Aufsehen sorgte. In diesen Städten kam es ebenfalls zu Auseinandersetzungen, bei denen Polizisten mit Steinen beworfen wurden und Wasserwerfer zum Einsatz kamen. In Frankfurt wurde mindestens ein Beamter verletzt, und in Hamburg wurden die Einsatzkräfte mit pyrotechnischen Gegenständen attackiert. Die Welle der Proteste spiegelt die Unzufriedenheit vieler junger Menschen wider, die sich gegen soziale Ungerechtigkeiten und die anhaltenden Kürzungen im Bildungsbereich zur Wehr setzen.
Die Nacht in Berlin war nach den turbulenten Ereignissen alles andere als ruhig. Viele Geschäfte rund um den Rosenthaler Platz hatten ihre Fenster und Türen verbarrikadiert, und der Carsharing-Anbieter Miles sperrte frühzeitig Teile des Gebiets. Für die Polizei war klar, dass die Halloween-Nacht lang werden würde, da weitere Krawalle an bekannten Brennpunkten nicht ausgeschlossen waren. Einmal mehr zeigt sich, dass der Unmut der Jugend in Deutschland nicht zu unterschätzen ist – und dass die Straßen Berlins immer wieder zum Schauplatz leidenschaftlicher, wenn auch teils chaotischer Proteste werden.
