Militärseelsorge im Wandel: Ein jüdischer Rabbiner zwischen Tradition und Moderne
In der Bundeswehr hat sich in den letzten fünf Jahren viel getan – insbesondere in Bezug auf die jüdische Militärseelsorge. Die Wiedereinführung dieser wichtigen Institution begann vor fünf Jahren und stellt einen bedeutenden Schritt in der Geschichte der deutschen Armee dar. Am 21. Juni 2021 wurde Zsolt Balla als erster Militärbundesrabbiner in Leipzig feierlich eingeführt. Das war nicht nur ein symbolischer Akt, sondern auch ein Anlass, um die erste jüdische Militärseelsorge in der deutschen Armee nach rund 100 Jahren zu feiern. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnete diesen Tag als historisch. Es war ein Moment, der viele Menschen berührte und Hoffnung auf eine bessere Zukunft vermittelte.
Rabbiner Balla, der das Militärrabbinat in Berlin-Mitte leitet, zieht nach fünf Jahren eine positive Bilanz. Inzwischen gibt es sieben Militärrabbiner, mit dem Ziel, die Zahl auf zehn zu erhöhen. Er zeigt sich offen für Bewerbungen von Rabbinerinnen, auch wenn es bisher keine gegeben hat. Ein weiteres bemerkenswertes Ereignis: Seit 2024 hat das Militärrabbinat eine eigene Thora-Rolle mit einer speziellen Bundeswehr-Transportbox. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sogar an dem Schreiben der letzten hebräischen Buchstaben der Gebetsrolle mitgewirkt. Das zeigt, wie ernsthaft die Bundeswehr das Anliegen der jüdischen Soldaten nimmt.
Die Realität der Seelsorge
Die Realität der Militärseelsorge ist jedoch nicht immer einfach. Balla berichtet von einer hohen Anzahl an Hilfsangeboten und Besuchsanfragen, die er erhält. Dennoch bilanziert er, dass die Fortschritte langsamer als erwartet waren. Fünf von zehn geplanten Rabbinern wurden an drei Standorten – Leipzig, Hamburg und Schwielowsee – besetzt. München und Köln stehen bereits auf der Liste für zukünftige Standorte. Herausforderungen gibt es auch bei der Bereitstellung von koscherem Essen und der Einhaltung religiöser Feiertage. Dennoch sieht Balla seine Aufgabe darin, den jüdischen Soldaten zu helfen, ihre Religiosität in der Bundeswehr zu leben. Dabei kann es durchaus zu Spannungen kommen.
Ein wichtiger Aspekt der Militärseelsorge ist der Austausch zwischen jüdischen und nichtjüdischen Soldaten. Balla möchte Brücken bauen und die Sichtbarkeit jüdischer Soldaten erhöhen, auch wenn viele von ihnen ihre religiöse Identität nicht offen zeigen. Er hat auch muslimische Soldaten in seiner Seelsorge im Blick, denn die Bundeswehr hat zurzeit keine muslimischen Seelsorger, was sich jedoch ändern soll – eine Ausschreibung für einen Militär-Imam im Rahmen eines Pilotprojekts wurde bereits veröffentlicht.
Ein wichtiges Zeichen
Nach dem Soldatengesetz haben Soldaten Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung. Die Militärseelsorge in der Bundeswehr wird von der evangelischen und katholischen Kirche sowie von der jüdischen Gemeinschaft geleistet. Es ist bemerkenswert, dass Militärrabbiner sowohl jüdische Soldatinnen und Soldaten seelsorgerisch begleiten als auch an den Lebenskundlichen Unterricht (LKU) mitwirken. Dieser Unterricht ist Teil des Konzepts der Inneren Führung der Bundeswehr und soll das Demokratieverständnis stärken. Es handelt sich dabei nicht um Religionsunterricht, sondern um Wertevermittlung – ein wichtiger Schritt, um Extremismus, insbesondere Rechtsradikalismus und Antisemitismus, entgegenzuwirken.
Balla selbst hat eine persönliche Verbindung zur Bundeswehr, die bis ins Jahr 2013 zurückreicht. Er erfuhr erst mit neun Jahren von seiner jüdischen Abstammung, und als Sohn eines Obersts im sozialistischen Ungarn hat er sicherlich nicht nur Stolz auf seine Karriere im Militär verspürt, sondern auch die Verantwortung, die mit dieser Rolle einhergeht. Seine Mutter, eine Holocaust-Überlebende, unterstützt ihn dabei und gibt ihm Rückhalt. Das zeigt, wie vielschichtig und bewegend die Geschichte des Militärbundesrabbiners ist.
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