Medienbaum: Kunst und Erinnerung am 9. November in Berlin-Mitte
Es ist ein ganz besonderer Tag am 9. November, denn in Berlin-Mitte wird die Abschlussveranstaltung zur Installation „Medienbaum“ gefeiert. Im „Parlament der Bäume“ am Schiffbauerdamm 40 wird ein abgestorbener Obstbaum, liebevoll von Uwe Bohrer mit Gipsbinden im Stil von Ben Wagin mumifiziert, zum letzten Mal in seiner jetzigen Form erlebbar sein. Statt der typischen Früchte hängen an seinen Ästen fünf kleine Monitore, die in Endlosschleife spannende Einblicke in die Welt von Ben Wagin gewähren.
Die Filme, die hier präsentiert werden, sind nicht nur rein visuell. Sie tragen eine tiefere Bedeutung in sich. Der kurze Clip „Ben Superstar“ gibt uns einen Blick auf die Medienauftritte von Ben Wagin und dauert zwei Minuten. Darauf folgt „Wie gut hat alles angefangen“, ein achtminütiger Film, der von Joachim Schubert produziert und von Wagin inszeniert wurde. Abgerundet wird das Programm durch „Nur kein Feiertag“, ein neunminütiger Film, der abwechselnd gezeigt wird. Diese Filme laufen im Loop, sodass niemand etwas verpasst. Wenn ihr also einen Blick auf die Installation werfen wollt, habt ihr genügend Zeit!
Ein Tag mit Geschichte
Doch dieser Tag ist nicht nur eine künstlerische Feier. Der 9. November hat für Ben Wagin eine ganz persönliche Bedeutung. In der schicksalhaften Nacht des 9. November 1938 traf ein Stein das Fenster seines Schlafzimmers – ein Moment, in dem er glücklicherweise unverletzt blieb. In der angrenzenden Doppelhaushälfte wohnte die Familie seiner jüdischen Cousine, die den Holocaust nicht überlebte. Ihr Schicksal hat Wagins künstlerisches Schaffen maßgeblich geprägt und findet in dieser Installation Ausdruck.
Bei der Finissage wird auch Hermann Treuschs eindrucksvoller Text über Deutschland und die verschiedenen Facetten des 9. November präsentiert, der ursprünglich in Wagins Installation „Neunter Elfter“ zu hören war. Es ist ein Moment der Reflexion und des Gedenkens, der den Besuchern die Möglichkeit bietet, über die Vergangenheit nachzudenken und die Bedeutung von Kunst in dieser Auseinandersetzung zu erleben.
Ein Kunstwerk im Wandel
Die Installation „Medienbaum“ hat sich durch den Lauf der Zeit und die Witterung verändert. Bei der heutigen Veranstaltung wird sie in einen neuen Zustand überführt, während die bisherige Filmschleife letztmalig gezeigt wird. Es ist ein Abschied, aber auch ein Neubeginn. Für warme Getränke ist gesorgt, damit die Besucher sich in der kühlen Berliner Luft wohlfühlen können. Der Eintritt zur Veranstaltung ist übrigens frei – eine wunderbare Gelegenheit, Kunst hautnah zu erleben!
Ben Wagin, der seit 1957 in Berlin lebt, hat eine beeindruckende Karriere hinter sich. Er hat nicht nur als Künstler gewirkt, sondern auch als Galerist und Förderer urbaner Lebensqualität. Seine Werke und Installationen sind tief in der Berliner Kulturlandschaft verwurzelt. Von der Gründung der Galerie S bis hin zu seinem Engagement für den Baumpatenverein e. V. hat er sich unermüdlich für die Verbindung von Kunst und Natur eingesetzt. Wagin ist ein wahrer „Baumpate“, der über die Jahre hinweg zahlreiche Bäume in der Hauptstadt gepflanzt hat – viele davon vor wichtigen Institutionen und kulturellen Einrichtungen.
Mit der Finissage am 9. November wird nicht nur ein Kunstwerk abgeschlossen, sondern auch ein Kapitel in der Geschichte Berlins. Die Reflexion über Vergangenes und die Gedanken zur Zukunft stehen im Mittelpunkt. Wer weiß, vielleicht wird der „Medienbaum“ eines Tages wieder aufblühen – in einer neuen Form, mit neuen Geschichten und neuen Bedeutungen.
