Am Donnerstagvormittag war ein ganz besonderer Tag in Berlin Mitte. Der Platz vor dem Berliner Abgeordnetenhaus wurde feierlich nach Margot Friedländer benannt, einer beeindruckenden Frau und Holocaust-Überlebenden, die nicht nur 102 Jahre alt wurde, sondern auch unermüdlich für das Erinnern an die Schrecken des Nationalsozialismus eintat. Ihre Stimme – stark und klar – wird nun durch das Schild, das ihren Namen trägt, für die kommenden Generationen hörbar. Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld (CDU) zollte ihr Respekt und hob hervor, wie wichtig es ist, die Erinnerung zu bewahren, gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch ist.

Margot Friedländer, geboren 1921, wurde nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager Theresienstadt in die USA gebracht. 2010 kehrte sie nach Berlin zurück und setzte sich fortan leidenschaftlich dafür ein, die Geschichten der Holocaust-Opfer in Schulen und der Gesellschaft zu erzählen. Ihr Porträt hängt nun in der Galerie der Ehrenbürger – ein wahrlich würdiger Platz für eine so bemerkenswerte Frau. Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) lobte Friedländers Menschlichkeit und Zuversicht und appellierte an alle, ihr aufklärerisches Wirken fortzuführen. Die Idee, den Platz nach ihr zu benennen, war eine Initiative von Seibeld – ein Schritt, der für viele in der Stadt eine dauerhafte Mahnung darstellt.

Ein Leben voller Erinnerungen

Friedländer äußerte sich in einem bewegenden Interview über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Sie war 12, als die Nazis an die Macht kamen, und die Traurigkeit über die Wiederholung der Geschichte lastete schwer auf ihr. Viele jüdische Menschen fühlen sich seit dem 7. Oktober 2023, nach den Terrorangriffen der Hamas auf Israel, unsicher in Deutschland. „Es ist ein weltweites Problem“, sagte sie und forderte die Menschen auf, menschlich zu sein und die Gleichheit aller Menschen zu erkennen. Antisemitismus ist kein neues Phänomen, und sie wünscht sich, dass mehr Menschen ihre Stimme gegen diese Form des Hasses erheben.

Besonders am Holocaustgedenktag, dem 27. Januar, denkt sie an ihre Zeit in Theresienstadt und die Unkenntnis über die Gräuel in Auschwitz. Diese Erinnerungen sind schmerzhaft, und der Verlust der Identität, den sie dort erlitten hat, ist unvergesslich. Friedländer kritisierte, dass viele Deutsche zu wenig über den Holocaust wissen und nicht ausreichend gedenken. Sie ermutigt junge Menschen, Zeitzeugen zu sein, um die Erinnerung lebendig zu halten. „Seid dankbar und macht das Beste aus eurem Leben“, ist ihr Appell an die neue Generation.

Die Verantwortung der Erinnerung

In Deutschland ist das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ein zentrales Element der Erinnerungskultur. Jedes Jahr am 27. Januar wird der Befreiung von Auschwitz gedacht, und es gibt über 300 Gedenkstätten und NS-Dokumentationszentren im Land. Schüler lernen im Geschichtsunterricht über den Nationalsozialismus und besuchen diese Gedenkstätten, um die Schrecken der Vergangenheit zu begreifen. Doch es gibt auch Stimmen, die sagen, dass die Diskussionen über die Erinnerungskultur oft von rechtsextremen und rechtspopulistischen Gruppen angefeindet werden. Das Gedenken wird zunehmend zur Zielscheibe für Kritik und Vandalismus.

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Die Gesellschaft steht vor der Herausforderung, die Lehren aus der Geschichte nicht nur zu erinnern, sondern aktiv gegen Antisemitismus anzukämpfen. Michel Friedman hat beispielsweise die deutsche Erinnerungskultur als zu ritualisiert kritisiert und fordert mehr Verantwortung für lebende Juden. Die Diskussionen über Täterbiografien und die Rolle der Zivilgesellschaft sind wichtiger denn je. Schließlich ist es eine dynamische, sich entwickelnde Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, die uns alle betrifft und die wir nicht vergessen dürfen.