Am Donnerstag wird es in Berlin eine bedeutende Ehrung geben: Der Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses wird nach der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer benannt. Ein Festakt, bei dem unter anderem die Abgeordnetenhauspräsidentin Cornelia Seibeld (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) anwesend sein werden, beginnt um 9 Uhr im Plenarsaal. Auch die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte, Stefanie Remlinger (Grüne), sowie Karsten Dreinhöfer, der Vorstandsvorsitzende der Margot Friedländer Stiftung, werden an diesem besonderen Anlass teilnehmen.
Die Benennung des „Margot-Friedländer-Platzes“ wurde bereits im November beschlossen. Margot Friedländer, die Jüdin und Ehrenbürgerin Berlins, starb am 9. Mai im Alter von 103 Jahren. Ihre Lebensgeschichte ist nicht nur eine Erinnerung an die Schrecken des Holocaust, sondern auch ein eindringlicher Appell an die Menschlichkeit. Nach einer Rede von Kai Wegner, in der er an Margot Friedländer erinnern wird, wird das Namensschild für den Platz enthüllt. Übrigens, die Plenarsitzung im Abgeordnetenhaus beginnt an diesem Tag eine Stunde später als gewohnt.
Ein bewegtes Leben
Margot Friedländer überlebte den Holocaust als das einzige Mitglied ihrer Familie. Ihre Mutter gab ihr die letzte Botschaft: „Versuche, dein Leben zu machen.“ Diese Worte begleitete sie durch die dunkelsten Zeiten. 1943 wurden ihr Bruder Ralf und ihre Mutter deportiert und in Auschwitz ermordet. Um dem gleichen Schicksal zu entkommen, tauchte sie unter, färbte ihre Haare, trug ein Kreuz und ließ sich die Nase korrigieren. Nach 15 Monaten im Versteck wurde sie jedoch enttarnt und ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Ein schrecklicher Weg, der viele Narben hinterließ.
Nach der Befreiung zog sie mit ihrem Mann, der ebenfalls seine Familie verloren hatte, in die USA. Dort nahmen sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an und schlossen sich dem neuen Leben an. Doch innerlich fühlte sich Margot staatenlos, da ihr deutscher Pass abgenommen wurde. Ihre Verbindung zu Deutschland blieb stark, sie sprach mit ihrem Mann nur Deutsch. Nach dem Tod ihres Mannes begann sie zu schreiben und suchte wieder den Kontakt zu ihrer alten Heimat. 2003 besuchte sie Deutschland zum ersten Mal nach 1946 und 2010 kehrte sie dauerhaft nach Berlin zurück, wo sie 1921 geboren wurde.
Ein Erbe des Erinnerns
In ihrer Berliner Wohnung hängte sie verbliebene Familienfotos auf – eine Art Rückkehr zu den Wurzeln. Sie nahm die deutsche Staatsbürgerschaft wieder an und sah dies als Rückgabe dessen, was ihr einst weggenommen wurde. Margot Friedländer engagierte sich intensiv in Schulen und erzählte Jugendlichen ihre Geschichte. Mit Leidenschaft und Hingabe hielt sie Hunderte Lesungen und Vorträge. Ihre Botschaft war klar: „Seid Menschen“. Sie wollte, dass sich die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht wiederholen, und sie legte großen Wert auf die Verantwortung der jungen Generation, als Zeitzeugen zu agieren.
Margot Friedländer hinterlässt ein starkes Erbe. Ihr Leben, geprägt von Verlust und Überlebenswillen, wird am Donnerstag mit der Namensgebung des Platzes gewürdigt. Es ist nicht nur eine Ehrung für sie, sondern auch ein Symbol, das an die Bedeutung des Erinnerns erinnert. Inmitten der Hektik und des Lebens in Berlin wird dieser Platz ein Raum des Gedenkens und der Reflexion sein.