Ein Leben für die Nacht: Bob Youngs Vermächtnis in Berlins queerer Szene
Die Berliner Nacht ist ein Ort voller Farben, Lichter und vor allem Geschichten. Doch jetzt, nach dem schmerzlichen Verlust von Bob Young, ist die Stadt ein Stück ärmer geworden. Der bekannte Partyveranstalter ist im Alter von 64 Jahren verstorben, was in der queeren Community wie ein Donnerschlag einschlug. Meldungen über seinen Tod kamen über das queere Magazin männer*, und viele in Berlin trauern um einen Mann, der das Nachtleben der Stadt maßgeblich mitgeprägt hat. Young war seit einem schweren Fahrradunfall in einer Rehaklinik und hat damit einen Menschen verloren, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war.
Young kam 1983 als Austauschstudent aus Memphis, Tennessee, nach Berlin und wurde schnell zu einem der zentralen Akteure des Berliner Nachtlebens nach der Wiedervereinigung. Vier Wochen vor dem Fall der Mauer eröffnete er den legendären Club „90 Grad“ in Schöneberg, der nicht nur ein Ort zum Feiern war, sondern auch ein Symbol für die aufblühende queere Szene in der damaligen Zeit. 1996 gründete er die Partyreihe „GMF“, die für „GayMF“ steht und in verschiedenen Locations stattfand. Zu den Hotspots gehörten das Café Moskau und der Weekend Club am Alexanderplatz. Die letzte Veranstaltung der „GMF“ fand im Jahr 2022 statt und war ein emotionaler Rückblick auf die vielen Jahre, in denen Young unermüdlich Räume für die queere Community geschaffen hat.
Ein Vermächtnis der Vielfalt
Der Queerbeauftragte Alfonso Pantisano würdigte Young auf Instagram und bezeichnete ihn als wichtigen Botschafter der queeren Community in Berlin. „Er hat Räume für queere Menschen geschaffen“, betonte Pantisano und erinnerte daran, wie viel die Stadt Young zu verdanken hat. Auch die Organisation QueerLive äußerte sich zu seinem Tod und stellte fest, dass Berlin einen prägendsten Veranstalter der queeren Club- und Partykultur verloren hat. Bob Young machte aus dem „WMF“ das „GMF“ und öffnete damit Türen für viele, die sich in der queeren Szene zuhause fühlten.
Die GMF-Partys sind nicht nur eine der ältesten queeren Veranstaltungen in Berlin, sie sind auch ein Spiegelbild der sich wandelnden queeren Szene. Nach einer längeren Pause startet die Partyreihe am 2. Oktober 2026 wieder in Mitte, im Club „Mein Haus am See“ in der Brunnenstraße. Die Partys finden jetzt nicht mehr wöchentlich, sondern einmal im Monat, am ersten Sonntag, statt. Das liegt auch daran, dass die Konkurrenz in der Stadt gewachsen ist. Junge Menschen fühlen sich mittlerweile auch in anderen Clubs sicher, und das „Gay“ wird zunehmend durch „queer“ oder „LGBT“ ersetzt, um ein breiteres Spektrum abzudecken.
Die bunten Zeiten der Berliner Nacht
Einst war Berlin ein pulsierendes Zentrum für Lesben und Schwule, über 170 Clubs, Bars und Kneipen gab es in den 1920er Jahren. Diese Vielfalt wurde durch die Nazis brutal zerstört, und es sollte Jahrzehnte dauern, bis Berlin wieder zu einer LGBTQ+-Metropole aufblühte. Die 90er Jahre, in denen Young seine Karriere begann, waren von einer neuen Aufbruchstimmung geprägt. CSD-Paraden wurden größer und vielfältiger, und Clubs wie „90 Grad“ zogen Promis und Bekannte an. Eine Anekdote besagt, dass Britney Spears einmal vom Türsteher abgewiesen wurde, weil sie kein Geld dabei hatte – ein Moment, der die Legende des Clubs nur verstärkte.
Die nächste GMF-Party wird mit Überraschungen aufwarten – Drag Queen Olga Wodka wird an der Tür stehen und live singen. Es wird eine Lounge und einen Dancefloor geben, und die Atmosphäre verspricht, weniger hardcore als in vielen anderen Clubs zu sein. Das Fehlen eines Darkrooms hebt die GMF-Partys von der Konkurrenz ab und bietet ein vertrautes Umfeld, in dem man einfach Spaß haben kann.
Die Zeit der Partys in leerstehenden Hallen ist vorbei. Nachbarn beschweren sich über Lärm, und das Leben in der Stadt wird immer herausfordernder, auch für die queere Community. Doch die Erinnerungen an Bob Young und seine unermüdliche Arbeit werden weiterleben. Inmitten des städtischen Lebens wird sein Vermächtnis, das aus einem bunten Mix aus Mut, Kreativität und Zusammenhalt besteht, nie vergessen werden.
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