Heute, am 22. Mai 2026, ist die Stimmung in Berlin und Brandenburg angespannt, denn die Gewerkschaft Verdi hat für diesen Tag einen zweiten Warnstreik im Tarifstreit des Großhandels ausgerufen. Es werden rund 400 Beschäftigte aus dem Lebensmittel- und Pharmahandel erwartet – eine ähnliche Zahl wie beim ersten Warnstreik vor einer Woche. Betroffen sind große Lagerstandorte wie die von Edeka, Rewe in Oranienburg, Penny in Großbeeren und die Metro-Märkte in der Region. Auch mehrere Pharmahändler stehen im Fokus dieser Aktion.

Die Kundgebung, die heute um 10.00 Uhr vor einem der betroffenen Standorte in Berlin stattfinden wird, ist ein deutliches Zeichen der Unzufriedenheit. Die erste Verhandlung brachte kein Angebot der Arbeitgeber, was die Wogen weiter aufgewühlt hat. Verdi fordert eine monatliche Lohnerhöhung von 220 Euro für über 53.000 Beschäftigte im Berliner und Brandenburger Groß- und Außenhandel, sowie eine Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 200 Euro. Verhandlungsführerin Franziska Foullong hebt hervor, wie wichtig die Mitarbeitenden im Großhandel für die Versorgung der Hauptstadtregion sind.

Forderungen und Hintergründe

Doch die Forderungen von Verdi stehen nicht allein im Raum. Im gesamten Handel, der mehr als 5,2 Millionen Beschäftigte umfasst, wird eine Lohnerhöhung von 7 Prozent angestrebt. Diese soll ebenfalls tabellenwirksam und mit einer Laufzeit von zwölf Monaten gelten. Einmalzahlungen lehnt Verdi ab, denn sie bringen keine langfristige Verbesserung. Stattdessen wird auf mehr Vollzeitstellen und eine stärkere Tarifbindung im Handel gedrängt, um die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern.

Das Thema Teilzeit ist ein weiteres heißes Eisen. Insgesamt arbeiten 65,1 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel und 27,6 Prozent im Großhandel in Teilzeit, oft unfreiwillig. Die aktuelle Situation ist für viele frustrierend, und die ständigen Preissteigerungen, insbesondere bei Benzin und Diesel, setzen den Handelsbeschäftigten zusätzlich zu. Der Bruttodurchschnittsverdienst im Einzelhandel liegt unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft, was die Gefahr von Altersarmut für viele Beschäftigte erhöht.

Ein Blick auf die Tarifrunde

Die Tarifrunden im Handel beginnen traditionell im April und betreffen 16 Tarifgebiete des Einzelhandels sowie 20 Tarifgebiete des Groß- und Außenhandels. Auf der letzten Tarifkoordinierungskonferenz wurden einige gemeinsame Eckpunkte beschlossen, die die Verhandlungen strukturieren sollen. Silke Zimmer, eine Vertreterin von Verdi, betont die Dringlichkeit, die Realeinkommen über die Inflationsrate zu erhöhen. Die Beschäftigten des Handels haben es verdient, für ihre harte Arbeit angemessen entlohnt zu werden.

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Inmitten dieser angespannten Situation wird deutlich, dass der Großhandel eine tragende Säule der Berliner und Brandenburger Wirtschaft ist. Die Streikenden stehen nicht nur für ihre eigenen Interessen ein, sondern auch für die Zukunft aller, die in dieser Branche arbeiten. Es bleibt abzuwarten, wie die Arbeitgeber auf die Forderungen reagieren werden und welche Auswirkungen diese Auseinandersetzungen auf die Versorgungslage in der Hauptstadt haben könnten.