Omas gegen Rechts: Wie ältere Frauen in Berlin Brücken zur Jugend bauen
Heute ist der 13.07.2026 und wir blicken auf eine bewegte Zeit in Berlin, insbesondere in den Stadtteilen Marzahn-Hellersdorf und darüber hinaus. Hier engagieren sich ehrenamtliche Frauen, die nicht nur aus einer Generation kommen, die viele Herausforderungen erlebt hat, sondern auch eine Stimme für die Jugend sein möchten. Ein leuchtendes Beispiel dafür sind Marianne Zepp (74) und Doris Gray (71), die sich aktiv in der Bewegung „Omas gegen Rechts“ engagieren. Die Gruppe, die mittlerweile zwischen 600 und 700 Mitglieder zählt, hat sich zu einer wichtigen Stimme in der politischen Landschaft der Stadt entwickelt. Bis 2026 wird die Zahl der Omas in Berlin voraussichtlich auf etwa 1.000 ansteigen.
Was zeichnet diese Bewegung aus? Sie agiert parteiunabhängig und widmet sich der Analyse politischer Positionen zu Themen, die uns alle betreffen: feministische Politik, Mietenpolitik, Frieden und Bildung stehen im Fokus. Besonders die Erstwähler, die bereits ab 16 Jahren an die Urnen gehen dürfen, liegen den Omas am Herzen. Sie organisieren Aktivitäten in Schulen, um Schüler zu ermutigen, ihre Stimme zu erheben und zu verstehen, welche Macht ihre Stimme hat. Die Themen, die sie ansprechen, sind alles andere als trivial: Gleichberechtigung, Bundeswehr, Zukunftsängste und Klimawandel sind nur einige der Fragen, die sie mit den Jugendlichen diskutieren.
Friedlicher Protest und persönliche Geschichten
Die Omas gegen Rechts stehen nicht nur für Dialog, sondern auch für Aktivismus. In Berlin gibt es Hotspots für die AfD, besonders in Stadtteilen wie Reinickendorf, Marzahn, Hellersdorf und Köpenick. Hier treten sie in den Dialog, gehen auf Demonstrationen und zeigen ihre Haltung. Es gab zwar selten tätliche Angriffe auf die Omas, doch sie gehen nicht allein zu den Protesten. Ein starkes Gemeinschaftsgefühl verbindet sie, und ihre persönlichen Geschichten, wie die von Doris Gray, deren Vater jüdischer Herkunft war und im Holocaust ermordet wurde, verleihen ihrer Stimme eine besondere Tiefe. Solche Erlebnisse nutzen sie, um mit den Schülern in Kontakt zu treten, ihre Erfahrungen zu teilen und damit eine Brücke zu schlagen.
Ein weiterer zentraler Bestandteil ihrer Philosophie ist Zuhören. Die Omas haben festgestellt, dass Diskussionen mit AfD-Anhängern oft in Streit münden. Stattdessen setzen sie auf Empathie und Verständnis, um die Anliegen der Menschen zu erfassen und alternative Lösungen aufzuzeigen, ohne sie direkt zu kritisieren. Das ist eine Kunst für sich, und sie meistern sie mit Bravour.
Alter und Engagement – Ein Blick auf die Gesellschaft
Die Rolle älterer Menschen in der Gesellschaft wird oft negativ dargestellt, als würden sie den Jungen die Zukunft wegnehmen. Dabei zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass die Lebensbedingungen der „Generation 80 plus“ lange Zeit wenig beachtet wurden. Der demografische Wandel bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich, die nicht nur die älteren Generationen betreffen. Initiativen wie „Omas gegen Rechts“ sind wichtige Beispiele dafür, wie ältere Menschen aktiv an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen können. Sie sind nicht nur da, um zuzuhören – sie sind auch bereit, zu handeln.
Missverständnisse zwischen den Generationen sind nicht neu. Sokrates kritisierte schon im antiken Griechenland die Jugend für ihre schlechten Manieren und ihren Widerspruch gegenüber den Eltern. Der Widerstand der Jugend gegen Autoritäten ist ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Doch in der heutigen Zeit, in der Altersarmut besonders für Beschäftigte im Niedriglohnsektor ein Risiko darstellt, ist es umso wichtiger, dass ältere Menschen ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilen. Sie sind nicht nur Träger von Geschichten, sondern auch von Ideen und Lösungen, die alle Generationen betreffen.
In Berlin, wo die Durchschnittsalter der Bevölkerung 44 Jahre beträgt, sind die Omas gegen Rechts ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man Brücken zwischen den Generationen bauen kann. Sie zeigen, dass Engagement keine Frage des Alters ist, sondern des Herzens und des Verstandes. Und so kämpfen sie weiter, unermüdlich und mit einem Lächeln auf den Lippen – für eine bessere Zukunft, für die Jugendlichen und für eine Gesellschaft, die einander zuhört und respektiert.
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