In der beschaulichen Eberswalder Materialprüfanstalt (MPA) wird ein faszinierendes Kapitel der Insektenzucht aufgeschlagen. Hier züchtet Thomas Kolling Insekten wie Hausbockkäfer, Nagekäfer, Splintholzkäfer und Termiten, um die Wirksamkeit von Holzschutzmitteln zu testen. Diese Tests werden im Auftrag von Herstellern aus aller Welt durchgeführt, die sich auf die Bekämpfung von Holzschädlingen spezialisiert haben.
Die Entwicklungszyklen der Hausbocklarven sind ein echter Zeitfresser. Während sie in der MPA etwa 14 Monate benötigen, um zum erwachsenen Käfer heranzuwachsen, kann dieser Prozess in der Natur mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Tests sind dabei alles andere als harmlos: Frisch geschlüpfte Larven werden auf behandeltem Holz ausgesetzt oder befallenes Holz wird behandelt, während Prüfbalken mit Larven in den Räumen verbleiben, um den Erfolg der Bekämpfungsmaßnahmen zu überprüfen.
Einblicke in die Welt der Holzschädlinge
Die MPA ist eine der wenigen Einrichtungen in Europa, die ein breites Spektrum an Holzschutzprüfungen anbietet und hat Wurzeln, die bis ins 20. Jahrhundert zurückreichen. Ursprünglich aus dem Institut für Forstwissenschaften in der DDR hervorgegangen, wurde das Labor 2000 privatisiert und beschäftigt heute knapp 20 Mitarbeiter. Die internationalen Kunden stammen überwiegend aus Europa.
Ein weiterer spannender Aspekt ist die Zucht von Zehntausenden Termiten aus Frankreich und Australien in einem benachbarten Labor. Diese Prüfungen sind vorbeugend angelegt, um den Schaden an behandeltem Holz zu prüfen. Dennoch ist Termitenbefall in Deutschland nicht weit verbreitet. Das bekannteste Vorkommen war in Hamburg, und seit 2008 liegt der Befall unter der Nachweisgrenze. Biologe Rüdiger Plarre von der BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) betont, dass Termiten in Deutschland kein grundsätzliches Problem darstellen.
Die Rolle der Bockkäfer
In Deutschland gibt es etwa 177 Arten von Bockkäfern, die zur Familie der Cerambycidae gehören. Einige von ihnen, wie der Alpenbock (Rosalia alpina), sind in der Roten Liste als gefährdet erfasst. Diese Insekten sind nicht nur Pflanzenfresser, sondern auch Blütenbesucher. Die Larven bevorzugen oft totes Holz und sind an nährstoffarmes Holz angepasst. Besonders der Hausbockkäfer (Hylotropus bajulus) ist gefürchtet, da er Bauhölzer befallen kann, insbesondere trockene, nichtberindete Hölzer. Weibchen können ihre Legeröhre ausstülpen, um ihre Eier in Unebenheiten der Holzoberfläche abzulegen.
Die Larvenentwicklung des Hausbockkäfers erfolgt im nährstoffreichen Splintholz von Nadelbäumen. Sie sind weiß bis elfenbeinfarbig, deutlich segmentiert und können bis zu 30 mm lang werden. Ihr Entwicklungszyklus bis zum erwachsenen Käfer dauert zwischen drei und zehn Jahren und ist geprägt von intensivem Fraß im Splintholz. Die Käfer selbst leben nur wenige Wochen, in denen sie sich fortpflanzen und Wirtsholz für die nächste Generation suchen.
Holzschädlinge und ihre Bekämpfung
Holz ist zwar ein langlebiger Baustoff, aber auch anfällig für Schäden durch Holzschädlinge. Zu den häufigsten Schädlingen in Deutschland zählen neben dem Hausbockkäfer auch der Gemeine Nagekäfer und der Braune Splintholzkäfer. Diese Schädlinge können erhebliche Schäden an Gebäuden und Möbeln verursachen. Daher ist die frühzeitige Erkennung entscheidend, um die Kosten für die Bekämpfung niedrig zu halten.
Holzschädlinge umfassen nicht nur Insekten, sondern auch Pilze, die Holz durch Larvenfraß oder Feuchtigkeitsabbau schädigen. Besonders gefährlich sind Trockenholzinsekten, da sie wenig Feuchtigkeit benötigen. Zu den Bekämpfungsmethoden zählen sowohl natürliche Verfahren als auch chemische Mittel, wobei die Auswahl des richtigen Experten für Holzschutz entscheidend ist. Präventionsmaßnahmen wie die trockene Lagerung von Holz und regelmäßige Kontrollen auf Risse und Verfärbungen können helfen, einen Befall frühzeitig zu verhindern.
Die enge Zusammenarbeit zwischen der MPA und der BAM, insbesondere bei der Normungsarbeit für den Holzschutz, zeigt, wie wichtig es ist, die Herausforderungen der Holzschädlinge gemeinsam anzugehen. Ein kontinuierlicher Austausch von Wissen und Forschung ist der Schlüssel zur Bewältigung dieser nachhaltigen Herausforderung.