Hellersdorf ehrt starke Frauen: Namensschilder für DDR-Schriftstellerinnen setzen Zeichen
In Hellersdorf, einem der lebendigsten Stadtteile Berlins, gab es kürzlich eine kleine, aber feine Feier. An einem Dienstagmittag, um genau zu sein um 15:30 Uhr, wurde an der Ecke Sarah-Kirsch-Straße und Kastanienallee die Einweihung von vier neuen Namensergänzungsschildern zelebriert. Diese Schilder tragen die Namen von vier bemerkenswerten Schriftstellerinnen der DDR: Eva Strittmatter, Elfriede Brüning, Sarah Kirsch und Ingeborg Feustel. Ein kleiner Schritt, könnte man meinen – doch er ist bedeutsam. Die Anwesenden, darunter Bezirksstadträtin Juliane Witt und die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Maja Loeffler, unterstrichen die Bedeutung dieser Ehrung.
Die Schilder sind nicht einfach nur plakative Namensschilder. Sie wurden sorgfältig gestaltet, um die Lebenswege und Werke dieser vier Frauen sichtbar zu machen. Eva Strittmatter, die meistgelesene Lyrikerin deutscher Sprache, hinterließ mit ihren Gedichtbänden und Kinderbüchern einen bleibenden Eindruck. Elfriede Brüning, eine Autorin und antifaschistische Widerstandskämpferin, kämpfte in ihren Romanen für die Lebensrealität arbeitender Frauen. Sarah Kirsch, bekannt für ihre naturmagischen Gedichte, war auch eine Stimme des Protests gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Und Ingeborg Feustel, die Kinderbuchautorin, zauberte mit ihren Geschichten Figuren ins Kinderfernsehen der DDR, die bis heute im Gedächtnis der Menschen verankert sind.
Ein neues Wohnquartier mit Geschichte
Das Ganze fand im neuen Wohnquartier Gut Hellersdorf statt, wo die GESOBAU 448 Wohnungen errichtet hat. Ein schöner Ort, um Geschichte und Gegenwart miteinander zu verbinden. Die Ideen für die Namensschilder sind in enger Zusammenarbeit zwischen der GESOBAU und der Kommission Gedenkorte entstanden. Und das nicht ohne Grund: Die Bezirksverordnetenversammlung hat empfohlen, bei Straßenbenennungen verstärkt weibliche Persönlichkeiten zu berücksichtigen. Ein echter Schritt in die richtige Richtung, wenn man bedenkt, wie oft die Stimmen von Frauen in der Geschichte überhört wurden.
Der Marxismus-Leninismus, der in der DDR vorherrschte, postulierte, dass die Unabhängigkeit und Gleichberechtigung der Frauen durch ihre Einbeziehung in den Arbeitsprozess erreicht werden kann. Doch wie das oft so ist, war die Realität nicht ganz so rosig. Die SED legte mit dem Gesetz „Über den Mutter- und Kinderschutz“ 1950 den Grundstein für ihre Frauen- und Familienpolitik. Frauen sollten in allen Bereichen, sei es Industrie, Transport oder Bildung, arbeiten. Der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD) wurde gegründet, um Frauen eine Stimme zu geben, war aber in den 70er und 80er Jahren mehr erzieherisch-mobilisierend tätig, als tatsächlich politische Veränderungen herbeizuführen.
Die Rolle der Frauen im gesellschaftlichen Wandel
Es ist interessant zu sehen, wie der Anteil der berufstätigen Frauen in der DDR von 49 % im Jahr 1950 auf beeindruckende 91 % im Jahr 1989 stieg. Frauen waren vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Bildungswesen stark vertreten. Doch in Führungspositionen blieben sie oft unterrepräsentiert, was zeigt, dass die Gleichberechtigungspolitik eher paternalistisch angelegt war und sich an männlichen Maßstäben orientierte. Ein bisschen wie der Versuch, einen runden Tisch mit eckigen Füßen stabil zu halten – es passte einfach nicht immer.
Die neuen Schilder in Hellersdorf sind also nicht nur eine Erinnerung an die wichtigen Beiträge dieser Frauen, sondern auch ein Symbol für den fortwährenden Kampf um Gleichberechtigung und Sichtbarkeit im öffentlichen Raum. Hier wird nicht nur Geschichte erzählt, sondern auch die Vielfalt weiblicher Lebenswege gewürdigt. Ein Schritt, der hoffentlich Nachahmer findet und weitere Diskussionen anregt.
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