In Berlin, wo das urbane Leben pulsiert und die Straßen voller Geschichten sind, hat sich ein ernstes Problem in den Vordergrund gedrängt: Müll und Vermüllung. Seit November gelten strengere Regeln gegen das unaufhörliche Wegwerfen von Abfällen. Wer eine Zigarette auf den Boden wirft, der muss nun tief in die Tasche greifen – ein Bußgeld von 250 Euro wird fällig. Das klingt vielleicht nach einer hohen Summe, aber die Bezirksämter haben im vergangenen Jahr über 1000 Buß- und Verwarngelder verhängt, die zusammen mindestens 300.000 Euro einbrachten. Das ist kein Pappenstiel!
Die sogenannten Waste-Watcher, eine Art Müllpolizei, sind mittlerweile in vielen Bezirken aktiv, um die notorischen Müllsünder zu erfassen und die wachsende Vermüllung zu dokumentieren. Zehn von zwölf Bezirken berichten von einer Verschärfung oder Stagnation der Müllsituation. Die Dunkelheit wird oft als Deckmantel genutzt – Müll wird heimlich auf Gehwegen, in Parks oder an abgelegenen Straßen abgeladen. Besonders Gewerbemüll, wie Schutt und Dämmstoffe, sind häufige Übeltäter. In Marzahn-Hellersdorf bleibt die Identität der Täter oft im Dunkeln, da sie selten Hinweise hinterlassen.
Ein bunter Haufen an Herausforderungen
Die Sorgen der Bezirksstadträte sind groß. Pankows Manuela Anders-Granitzki (CDU) spricht von einer zunehmenden Gedankenlosigkeit im Umgang mit Müll. Überall wird die illegale Ablagerung von Schutt und anderen Materialien zum Problem – und das nicht nur in ihrem Bezirk. Auch Lichtenbergs Stadträtin Filiz Keküllüoğlu (Grüne) fordert neben Geldstrafen mehr Sichtbarkeit und schnellere Reaktionen. „Zu verschenken“-Kisten, die oft zur Abgabe von nicht mehr benötigten Gegenständen genutzt werden, tragen leider auch zur Müllproblematik bei. Das ist irgendwie paradox, oder?
Die Sperrmüllentsorgung ist in Berlin alles andere als kostenfrei. Wer seine alten Möbel loswerden will, muss dafür bezahlen – 180 Euro pro Tonne oder mindestens 72 Euro für bis zu 400 Kilo. Das schreckt nicht alle ab, und so bleibt die Müllproblematik ein ständiger Begleiter in der Hauptstadt. Neuköllns Gerrit Kringel (CDU) glaubt, dass hohe Strafen abschreckend wirken könnten. Ob das wirklich der Fall ist, wird die Zeit zeigen.
Abfallvermeidung als Schlüssel zur Lösung
Ein ganz anderer Ansatz ist die Förderung der Kreislaufwirtschaft, die laut dem Bundesumweltministerium eine wichtige Rolle in der Abfallpolitik spielt. Abfallvermeidung ist das vorrangige Ziel, um die natürlichen Ressourcen zu schonen und Mensch sowie Umwelt zu schützen. Durch verschiedene Maßnahmen sollen die Abfallmenge und die schädlichen Auswirkungen von Abfällen reduziert werden. Hierzu gehört auch die Sensibilisierung der Verbraucher für einen bewussten Umgang mit Ressourcen.
Das Abfallvermeidungsprogramm in Deutschland basiert auf der Abfallrahmenrichtlinie der EU und sieht unter anderem vor, dass verschiedene Maßnahmen zur Abfallvermeidung gefördert werden. Öffentliche Beschaffung, Reparatur und Wiederverwendung sind nur einige Ansätze, die helfen könnten, die Müllberge zu reduzieren. Aber ohne einen Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette wird das nicht einfach sein. Es bedarf eines gemeinsamen Anpackens – und das ist in einer Stadt wie Berlin, wo jeder sein eigenes Ding macht, eine Herausforderung für sich.
