Heute ist der 18.05.2026, und während ich hier in Marzahn-Hellersdorf sitze, kommt mir in den Sinn, wie sich die Berliner Straßen unter dem Schatten der rechten Propaganda verändern. Ein Sticker in Wartenberg verkündet voller Stolz: „Ich bin als Deutscher geboren und schulde der Welt einen Scheiß.“ Ein Satz, der so viel mehr sagt, als es auf den ersten Blick scheint. Umgeben von Reichsadler, Reichsfarben und anderen einschlägigen Symbolen wird deutlich, dass die Botschaft nicht nur laut, sondern auch beunruhigend ist.
Im Bezirk Lichtenberg wurden im Jahr 2025 unglaubliche 891 diskriminierende und extrem rechte Vorfälle registriert. Ja, richtig gehört! Das ist die höchste Zahl seit Beginn des Lichtenberger Registers im Jahr 2006. Wenn wir uns die Nachbarbezirke anschauen, sieht die Bilanz nicht viel besser aus: 1066 Vorfälle in Treptow-Köpenick und 844 in Marzahn-Hellersdorf. Es ist fast so, als ob die Zahlen aus einem schockierenden Bericht stammen, der uns alle zum Nachdenken anregen sollte. Immerhin wurden mehr als drei Viertel dieser Vorfälle als extrem rechte oder diskriminierende Propaganda eingestuft!
Ein besorgniserregender Anstieg
Und was ist mit den verherrlichenden oder verharmlosenden Fällen des Nationalsozialismus? Hier gab es einen Anstieg von 66 im Jahr 2024 auf 145 im Jahr 2025. Hakenkreuze und Runensymbolik sind wieder mehr in den Fokus geraten, als ob sie eine Art Comeback feiern würden, das niemand gewollt hat. Besonders in Kiezen wie Wartenberg, Fennpfuhl oder der Rummelsburger Bucht scheint die extrem rechte Propaganda Fuß zu fassen, und das auf eine bedrohliche Art und Weise.
Ein weiterer besorgniserregender Trend zeigt sich in der Zunahme von Angriffen und Bedrohungen. In Lichtenberg wurden 2025 insgesamt 15 Angriffe registriert – im Jahr zuvor waren es gerade einmal zwei. Wo geschieht das? Oft in öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen, Wohnumfeldern, auf Spielplätzen und sogar in Supermärkten. Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen, vor allem jene, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus engagieren. Es ist kaum zu fassen, dass wir in einer Stadt leben, in der solche Vorfälle zur Tagesordnung gehören.
Jugendgruppen und ihre Gefährdung
Der Anstieg wird zum Teil auf das Aufkommen extrem rechter Jugendgruppen wie „Jung & Stark“ und „Deutsche Jugend voran“ zurückgeführt. Diese Gruppen scheinen nicht nur zuzusehen, sondern aktiv zu agieren. Die Mitglieder, darunter auch der DJV-Anführer Julian M., waren in den letzten Jahren für mehrere Gewalttaten verantwortlich. Ein beunruhigendes Zeichen für unsere Gesellschaft, das uns alle betrifft. Es ist fast so, als ob sich eine dunkle Wolke über Berlin zusammenbraut, während Teile dieser Szene sich der Partei „Die Heimat“ angeschlossen haben.
Razzien gegen Mitglieder dieser Gruppen sind deutschlandweit im Gange. Die militante Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ ist noch immer aktiv, und sie haben im Herbst 2025 sogar eine Infostand-Aktion mit dem klangvollen Namen „Sturm auf Berlin“ organisiert. In Hohenschönhausen wurden rechtsextreme Flugblätter gefunden, die wie ein unheilvolles Echo aus der Vergangenheit wirken. Ist das wirklich das Berlin, in dem wir leben wollen?
Die Berliner Register dokumentieren all diese Vorfälle – von Schmierereien und Bedrohungen bis hin zu Beleidigungen – die nicht immer als Straftaten gelten oder überhaupt bei der Polizei angezeigt werden. Es ist an der Zeit, dass wir uns gemeinsam diesen Herausforderungen stellen. Umso wichtiger ist es, dass wir die Stimmen der Zivilgesellschaft stärken und uns gegen diese Art von Rhetorik und Handeln wehren. Denn nur zusammen können wir ein Zeichen setzen.