Alarmierende Gewalt an Berlins Schulen: Ein Weckruf für die Bildungspolitik
Die jüngste Studie über Gewalt und Mobbing an Berliner Schulen, vorgestellt von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, wirft ein alarmierendes Licht auf die Situation in den Klassenzimmern der Hauptstadt. Mehr als die Hälfte der befragten Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter empfindet Gewalt und Konflikte als ein großes oder sogar sehr großes Problem. Das ist eine Zahl, die den Puls der Schulgemeinschaft höher schlagen lässt. Fast zwei Drittel der Lehrkräfte berichten von einer verstärkten Gewalt seit der Corona-Pandemie – eine Entwicklung, die viele in der Bildungslandschaft als besorgniserregend einschätzen.
Eine repräsentative Umfrage, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach zwischen November 2025 und Januar 2026, befragte über 14.000 Schüler der Klassenstufen 6, 9 und 12 sowie mehr als 2.500 Lehrkräfte. Die Ergebnisse zeigen, dass 38 Prozent der Lehrkräfte Gewalt unter Schülern als großes Problem wahrnehmen, während 18 Prozent sogar von einem sehr großen Problem sprechen. Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen den verschiedenen Schulformen: An Grundschulen und Gemeinschaftsschulen berichten 66 bis 75 Prozent der Lehrkräfte von hohen Gewaltproblemen, während an Gymnasien nur 15 Prozent betroffen sind.
Schockierende Gewalterfahrungen der Schüler
Die Schüler selbst sind von diesen Konflikten nicht verschont geblieben. 80 Prozent der Sechstklässler und über 90 Prozent der Neuntklässler haben Gewalt durch Mitschüler erfahren. Diese Erlebnisse reichen von Beleidigungen und Mobbing bis hin zu Schlägen und Verprügeln. Es ist erschreckend zu hören, dass 42 Prozent der Schüler berichten, dass Gewalt oft aus Kleinigkeiten entsteht. Die Ursachen sind vielfältig, doch 80 Prozent der Lehrkräfte sehen nachlassende Impulskontrolle und Frustrationstoleranz als Hauptursache für die Zunahme von Gewalt. Die Schule sollte ein sicherer Ort sein, aber für rund 16 Prozent der Schüler ab Klassenstufe 9 fühlt sich das anders an. An integrierten Sekundarschulen ohne Oberstufe sind es sogar 27 Prozent, die sich unsicher fühlen.
Besonders besorgniserregend ist die Situation für geschlechtlich diverse Schüler (30 Prozent) und jüdische Schüler (28 Prozent), die von einem hohen Gefühl der Unsicherheit berichten. Diese Zahlen sind ein Weckruf. Die Studie hat das Ziel, eine belastbare Datengrundlage zu schaffen, um politische und fachliche Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit an Schulen zu entwickeln. Geplant sind Maßnahmen zur Prävention, Intervention und Repression, denn die Vorfälle von Gewalt und Mobbing an Berliner Schulen haben bereits bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.
Ein Blick über die Grenzen Berlins
Ein Blick auf die bundesweiten Statistiken zeigt, dass Berlin nicht allein mit diesem Problem dasteht. Die polizeiliche Kriminalstatistik dokumentiert einen Anstieg der Gewalttaten an Schulen in Deutschland. 2024 wurden 28.760 Gewalttaten erfasst, ein Anstieg um 37,1 Prozent im Vergleich zu 2022. Die erschreckenden Vorfälle, wie die Messerattacke eines 13-Jährigen auf einen Klassenkameraden in Berlin-Spandau im Mai 2025, machen deutlich, dass das Problem ernst genommen werden muss. Auch die Bombendrohungen in mehreren Bundesländern im selben Jahr sind ein weiteres Beispiel für die bedrohliche Lage.
Die Gründe für diesen Anstieg sind vielfältig. Persönliche und familiäre Faktoren, Medienkonsum und psychische Belastungen spielen eine große Rolle. Die Schulschließungen während der Pandemie haben soziale Einschränkungen und psychische Belastungen verstärkt, was sich auch in den Gewaltstatistiken niederschlägt. Zudem mangelt es an Lehrkräften und der Unterstützung durch Sozialarbeit und Schulpsychologie, was als strukturelles Problem benannt wird. Lehrer berichten von Gewaltproblemen, und eine Umfrage zeigt, dass 65 Prozent der Schulleitungen Gewalt gegen Lehrkräfte festgestellt haben. Wenn wir nicht handeln, könnte die Situation noch weiter eskalieren.
Es wird Zeit, dass alle Akteure in der Bildungspolitik zusammenkommen, um Lösungen zu finden. Die Sicherheit der Schüler und Lehrkräfte muss an oberster Stelle stehen. Schließlich ist die Schule nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Raum, in dem Kinder und Jugendliche sich sicher fühlen und entfalten können.
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